"Dein Freiraum. Mein Lebensraum." soll bayernweit Wirkung zeigen

Verantwortungsvoll in der Natur unterwegs

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Rolf Eberhardt (von rechts) erläuterte zusammen mit den Rangern Theresa Hilber und Florian Heinl das Konzept zur Besucherlenkung im Naturpark Nagelfluhkette.

Oberallgäu – Die Initiative – maßgeblich vom grenzübergreifenden Naturpark Nagel- fluhkette entwickelt – eigne sich gut als Vorbild für ihre bayernweite Aktion, sagte die Ministerin. „Diese erfolgreiche Kampagne hat gezeigt, wie man mit gezielter Aufklärung für mehr Verständnis und Rücksichtnahme sorgen kann.“ Denn viele verhielten sich nicht mutwillig falsch, sondern wüssten einfach nicht, wie man sich in der Natur, auf fremden Grund und Boden und gegenüber anderen Naturnutzern richtig verhalte.

Ministerin Michaela Kaniber hatte bereits im März einen Runden Tisch einberufen, um sich mit den Betroffenen und Verbänden, sich mit dem Problem befassen, Verhaltensempfehlungen zu entwickeln. Am Tisch saßen Naturschutzverbände ebenso wie die Land- und Forstwirtschaft, aber auch Tourismus- und Freizeitsportverbände. Im Naturpark Nagelfluh- kette hatten die Vertreter der verschiedenen Interessensgruppen an der regionalen Kampagne mitgewirkt.

Franz Hage (rechts) vom Alpwirtschaftlichen Verein im Allgäu erläuterte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die Sorgen der Bergbauern.

Wenn man den „Absatz“ der Flyer betrachte, renne man offene Türen ein, so Rolf Eberhardt, Geschäftsführer des Naturparks Nagelfluhkette. Im Naturpark habe man zunächst Gebiete definiert „wo die Leute besser raus bleiben sollen“, etwa spezielle Biotope und Ruhezonen. Mit einem wohlüberlegten Lenkungskonzept habe das Naturpark-Team andererseits den „Freiraum“ geschaffen in dem Naturgenießer und Freizeitsportler geduldet sind. „Wichtig ist immer die Erklärung dazu“, beschreibt Eberhardt das Erfolgsrezept. „Die Besucher sollen freiwillig ihr Verhalten anpassen.“ Entsprechend klar wurden die speziell entworfenen Info-Tafeln gestaltet: klare Symbolik, wenig Text, lokal gehaltene Verhaltensregeln, die Verständnis vermitteln.

Rolf Eberhardt stellt fest: „Tourismus ist hier ohne ernsthafte Besucherlenkung nicht machbar; sonst haben wir massive Probleme mit der Natur, den Bewirtschaftern und den Anwohnern.“ Es gelte Angebote zu machen, nicht nur Verbote auszusprechen. Dann funktioniere das Miteinanander, so Rolf Eberhardt. Auch die immer wieder aufgeworfene Haftungsfrage müsse endlich klar geregelt werden.

„Das Prinzip des Informierens und Aufklärens hält auch Staatsministerin Michaela Kaniber für zielführend: „Wenn man mit den Menschen redet, sehen es die meisten ein.“ So wichtig eine Besucherlenkung vor Ort sei, dürfe man bei allen Konzepten die Lenkung im Vorfeld nicht vergessen, um an den touristischen Brennpunkten die Situation nicht eskalieren zu lassen, wie es im Allgäu und in Oberbayern an mehreren Wochenenden im Mai und Juni geschehen sei.

Ein „dickes Brett“ sei das in der Verfassung festgeschriebene Betretungsrecht der freien Natur. Diese Regelung stamme aus Zeiten, als die Nutzung der sogenannten freien Natur eine anderer gewesen sei als heute.

„Die Alpwirtschaft ist mit dabei“, versicherte Franz Hage, selbst Älpler und Vorstand des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu AVA. Hage erkennt „wahnsinnig viel Aufklärungsbedarf“. Es brauche so schnell wie möglich ausgewiesene Wege für Mountainbiker und eine klare Lösung bei den Haftungsfragen. Gegebenenfalls müsse man eine missbräuchliche Nutzung ahnden können: „Klare Bedingungen und notfalls Strafen.“

Blaichachs Bürgermeister Christof Endreß sieht das genauso und setzt auf Aufklärungsarbeit. „Aber da und dort geht‘s mit Aufklärung allein offenbar nicht.“

Ein Weg, die Lage zu entschärfen sieht Eva Endreß von der Alpe Gerstenbrändle: „Es fehlen einfach Wege, die generell für Mountainbiker – egal ob mit oder ohne Motor – offen sind.“ Und es müsse doch möglich sein, praxistaugliche Durchlässe zu schaffen, um das Problem offener Gatter und Zäune zu lösen.

Mit im Boot der Aktion „Mein Freiraum – Dein Lebensraum” sind auch der Deutsche Alpenverein, die Bayerischen Staatsforsten und die Forstabteilungen der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Bei der nächsten Sitzung des Runden Tischs wird die erfolgreiche Aktion „Dein Freiraum. Mein Lebensraum“ den Teilnehmern vorgestellt. Dann soll eine Agentur mit der Umsetzung einer bayernweiten Kampagne beauftragt werden.

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