Landkreis Oberallgäu bleibt bei der Regionalbahn am Ball

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Auch wenn die „Maximallösung“ erst mal auf dem Abstellgleis steht, will der Landkreis Oberallgäu beim Projekt Regionalbahn am Ball bleiben.

Vom Rückschlag beim Projekt Regionalbahn Allgäu will sich der Landkreis nicht ausbremsen lassen. Der Kemptener Stadtrat hatte angesichts der Kosten die Segel gestrichen, der Oberallgäuer Kreistag hat zumindest eine kleine Lösun“ anvisiert und eine weitere Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

„Verantwortungslos“ sei der Rückzieher des Kemptener Stadtrates, zeigte sich Landrat Anton Klotz in der jüngsten Sitzung des Kreeistages verärgert über den Schritt, der parktisch den Ausstieg aus dem gemeinsamen Reginalplan-Projekt bedeutet. Er hätte erwartet, dass das Gremium „in die Zukunft blicke“. Als Alternative zu einer „Blechlawine in den Süden“ (des Landkreises) gebe es nur die Schiene, sprich Bus und Bahn in einem schlagkräftigen Verbund. Jetzt soll ein Weg verfolgt werden, der das Konzept zumindest in einer abgespeckten Varainte weiter verfolgt. „Ein relativ harmloser Weg, aber sehr zukunfstfähig“, so Klotz.

Die „Vollversion“ stellte Petra Strauß vom Verkehrsplanungsbüro ptv in Karlsruhe vor in einer vom Landkreis in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie. Knackpunkt: 160 Millionen Euro würde die Maximalversion kosten. Vor allem der Ausbau in der Kemptener Innenstadt und der zweigleisige Ausbau des Abschnittes Immenstadt – Oberstdorf wäre kaum zu stemmen. Das Konzept sieht zudem eine Reihe neuer Haltepunkte vor, die zum Teil mit weiteren Investitionskosten zu Buche schlagen würden. Etliche Überquerungen der Iller müssten mit großem Aufwand „tauglich“ für die Zweigleisigkeit gemacht werden. Das alles bei einer Prognose, dass etwa 2600 Menschen auf die neue attraktive Regionalbahn umsteigen würden. Ein Aufwand, so ließ Petra Strauß in ihrer Erläuterung durchblicken, dessen Nutzen die Investitionen keinesfalls tragen würde. Die Studie kommt zudem auf jährliche Betriebskosten von rund 3,3 Millionen Euro. Ihr Vorschlag: Ein Betriebskozept zu Grunde legen, das mit möglichst wenig Infrastruktur auskommt. Also: Weg mit dem zweigleisigen Ausbau. Haltestellen ohne große Akzeptanz - weg. Sie sprach sich dafür aus, eine „kleine Untersuchung“ draufzusetzen und das Ganze neu zu bewerten.

Rund 23000 Euro würde der „Nachtarock“ in Sachen Machbarkeit kosten. Landrat Klotz hält den Vorstoß zumindest für einen Schritt in die richtige Richtung. Man müsse jetzt sehen, dass das Oberallgäu möglichst Modellregion beim Schienenverkehr werde und zudem andere Fördertöpfe anzapfe, etwa die Interreg-Förderung. Mit dem Image „Dieselloch Allgäu“ müsse es ein Ende haben.

Unterstützung für den neuen Weg gab es von allen Fraktionen im Kreistag. Thomas Gehring (Grüne) bezeichnete den Beschluss im Kemptener Stadrat als „Foul gegen eigene Mitspieler“. Die Probleme würden die Stadt bald einholen. CSU-Fraktionschef Manfred Baldauf bezeichnete den Rückzieher als „politisch inakzeptabel“. 160 Millionen seien in der Tat nicht zu stemmen, doch das Ganze jetzt zu „begraben“, sie nicht gut. Der Landkreis müsse dranbleiben. Und Fraktionskollege Arno Zengerle ergänzte: „Die Maximallösung hätten wir auch abgelehnt.“ Man müsse sich jetzt auf das Machbare konzentrieren. Ulrike Müller (Freie Wähler): „Von der Kemptener Entscheidung dürfen wir uns nicht einschüchtern lassen.“

In drei bis vier Monaten könnte die Machbarkeitsstudie für die „kleine Lösung“ vorliegen, sagte Petra Strauß und räumte ein, dass der Zeitpunkt für eine „generelle Entscheidung eigentlich zu früh“ sei. Womöglich gebe in in absehbarere Zeit auch Geld für die Elektrifizierung oder andere Fördermöglichkeiten beim ÖPNV.

Der Kreistag beschloss, am Projekt Regionalbahn festzuhalten und eine „vertiefte Untersuchung“ in Auftrag zu geben (Kosten ca. 23000 Euro), das eine Bewertung eines Halbstundentaktes zwischen Kempten und Oberstdorf zum Inhalt hat. Zudem soll die Staatsregierung aufgefordert werden, das Oberallgäu zur Modellregion beim Schienenverkehr zu erklären und darauf hinarbeiten, den Dieselbetrieb zu ersetzen.

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