"Fraktionsübergreifend und wohlwollend" soll das Thema Regionalbahn Oberstdorf-Kempten diskutiert werden

"Offenheit" für die Regionalbahn

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Eine neue Kosten-Nutzen-Analyse über die Regionalbahn Oberstdorf-Kempten, die seit Jahren im Gespräch ist, soll zur Entscheidungsfindung beitragen.

Kempten – Vehement vorangetrieben wird derzeit die Wiederbelebung einer 16 Jahre alten Idee: eine Regionalbahn zwischen Oberstdorf und Kempten.

Vergangene Woche trafen sich dazu Landrat Anton Klotz und Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle mit den Fraktionsvorsitzenden des Kemptener Stadtrats und des Kreistags, den Grünen-Landtagsabgeordneten Thomas Gehring und Ulli Leiner sowie Fachleuten aus Landratsamt und Stadtverwaltung. Im Falle technischer und finanzieller Machbarkeit signalisierten alle Seiten „Offenheit“ für eine Umsetzung der jahrelangen Vision – zumindest bis zum Kemptener Hauptbahnhof. Die ZUM als Endstation blieb umstritten.

Angestoßen hatten die Grünen das Vorhaben bereits Mitte der 1990er Jahre. Nach einer Kosten-Nutzen-Analyse im Jahr 2000 war es aber wegen Unfinanzierbarkeit in der Schublade verschwunden, fasste Landrat Toni Klotz bei der abschließenden Pressekonferenz kurz zusammen. Rund 29 Millionen Euro hätte die damals bevorzugte Variante gekostet, mit Fördergeldern wären zwölf Millionen an Stadt und Landkreis hängen geblieben. Nun soll spätestens im Frühjahr eine Studie in Auftrag gegeben werden, um aktualisierte Zahlen zu liefern.

Klotz bekundete ein „hohes Interesse“ des Landkreises an der Regionalbahn, da der Verkehr zu Stoßzeiten vor allem „bei schönem Wetter“ weder über die Straße noch über den ÖPNV bewältigt werden könne, somit „verbleibt nur die Schiene“. Für Leiner war es wichtig, „dass wir den Teil in Kempten zwischen Bahnhof und ZUM mit drin haben“, denn diesen Teil nicht zu untersuchen, „wäre fast fahrlässig“.

"Erkenntnisgewinn" willkommen

Wenn die Studie „wesentliche Änderungen bringt“, werde sich auch die Kemptener CSU „nicht gegen Erkenntnisgewinn“ wehren, zeigte sich Fraktionsvorsitzender Erwin Hagenmaier vor allem gegenüber ZUM-Einbindung und Wirtschaftlichkeit dennoch skeptisch. Denn die ZUM stoße „bereits an ihre Kapazitätsgrenzen“ und man müsse sich dann auch überlegen, „ob man den Stadtpark überhaupt noch grün überplanen will“, stichelte er.

„Deutliche Verbesserungen“ verspricht sich Siegfried Oberdörfer, Chef der SPD-Stadtratsfraktion, unter anderem für Naherholung, Tourismus, aber auch für den Pendelverkehr von Arbeitnehmern und Schülern. Zudem „kommen wir unseren Klimaschutzzielen näher“. Er wolle „nicht alles so negativ sehen, sondern offen an die Sache rangehen“ und erst einmal die Studie abwarten.

Manfred Baldauf, Vorsitzender der Kreistags-CSU, geht davon aus, dass sich zwischen der alten und der neuen Studie „technisch viel verändert hat“. Die Aktualisierung der Studie hielt er für „wichtig“, um unter anderem Aufschluss über eine mögliche Verbesserung der Kaufkraft zu erhalten, über den touristischen Wert, eine sinnvollen Taktung oder auch den Umstand, dass zum Teil Gleise nur einspurig verlaufen. „Ich möchte, dass das Ergebnis offen, ohne Denkverbote angenommen wird“, so sein Wunsch.

„Mehr Haltestellen“ als auf der normalen Bahnstrecke, und „bequem“, sind Kriterien für Sibylle Knott, Fraktionschefin der Kemptener Freien Wähler, die Leute zum Umsteigen „vom Bus auf die Bahn“ zu bewegen. „Bequem“ hieß für sie auch, „kein Umsteigen“, also Regionalbahn bis zur ZUM. Sie regte an, zusätzlich EU-Fördermöglichkeiten zu überprüfen.

„Straßenbau kostet auch Geld“ merkte Kemptens Grünen-Fraktionschef Thomas Hartmann an. Ohne Planung der Regionalbahn bis zur ZUM allerdings, müssen wir das gar nicht anfangen“. Wie sich in Gesprächen mit einigen Händlern und dem Citymanagement gezeigt habe, seien diese von dem Vorhaben begeistert.

Bürgermeister Josef Mayr konnte sich vorstellen, „dass es auch intelligente Lösungen gibt die letzte Strecke mit dem Bus abzuwickeln“, statt die Schienen bis in die Stadt hinein zu ziehen. Ulrike Hitzler, Fraktionschefin der Grünen im Kreistag, war guter Dinge, dass etwas vorwärts gehe, „wenn jetzt alle im Boot sind“. Das sah auch Parteikollege Gehring so, dem es wichtig war, dass fraktionsübergreifend und „wohlwollend diskutiert wurde“. Er wies darauf hin, dass es „das erste solche Projekt in Bayern wäre“.

ct

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