Reiner Wein für Milchbauern

Nach dem Besuch von rund 200 Milchlieferanten im Werk Sonthofen der Allgäuland-Käsereien hatte das Unternehem zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Geschäftsführer und Vertreter der Unternehmensberatung erläuterten den Weg aus der Krise und appellierten an die Solidarität der Bauern. Dennoch soll es die geforderte außerordentliche Mitgliederversammlung der Bergbauern-Genossenschaft geben. Der Zorn vieler Milchlieferanten der Bergbauern eG ist noch nicht verraucht: „Wir haben kein Geld auf dem Konto“, brachte ein Oberallgäuer Milchviehhalter seinen Enttäuschung zum Ausdruck. Bis zur Jahresmitte, so die Allgäuland-Führung, soll die „Milchpreislücke“ geschlossen sein.

Übergekocht ist die Milch (noch) nicht - aber die aktuelle Krise der Bergbauernmilch-Genossenschaft ist „eine heiße Sache“, wie es der Oberallgäuer Landrat ausdrückte. Nachdem rund 20 Prozent der 800 Bergbauern-Lieferanten ihre Verträge kündigten, lud die Allgäuland Käsereien GmbH als Dachgesellschaft mehrerer Genossenschaften zu einem Informationsabend nach Fischen ein. Geschäftsführung und die Unternehmensberater skizzierten den Weg aus der Krise und zeigten den rund 600 Bergbauern-Genossen auf, wie die ersten Maßnahmen der Restrukturierung bereits greifen. Im Sommer soll der Milchpreis auf ein regional übliches Niveau steigen. Langfristig sei die Zukunft der Allgäuland ebenso sicher wie die der Bergbauernmilch eG - wenn alle bei der Stange bleiben. Dennoch forderte ein Teil der enttäuschten Genossen, dass auch personelle Konsequenzen fällig seien: Vorstandsvorsitzender Heinz Lipp müsse gehen, um einen unbelasteten Neubeginn zu ermöglichen. Noch im April soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung stattfinden. „Auf meinem Konto ist kein Geld“, machte ein enttäuschter Milchlieferant seinem Ärger Luft. „Zahlt uns einen Milchpreis, zu dem wir bleiben können!“ Er mahnte damit an, dass der seit langem schlechte Milchpreis endlich angehoben werden müsse. Die Krise der Allgäuland sei längst auf den Höfen angekommen. Die Sanierung der Gesellschaft dürfe nicht auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werden, so die Stimmung unter den Besuchern der Versammlung. Die Vertreter der im Vorjahr ins Boot geholte Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner und die Geschäftsführung erläuterten den Genossenschaftern, wie der Weg in die „gute“ Allgäuland-Zukunft“ aussehen soll. Die ersten Schritte zeigten bereits Erfolge: so seien die Banken vom Konzept überzeugt, die „Verlustquellen“ werden geschlossen (zuletzt Ende März das Werk Augsburg), Marketing und Vertrieb professionalisiert. Jürgen Gottinger sieht bereits eine Wendemarke erreicht. Zur Jahresmitte soll die „Milchpreislücke“ geschlossen sein. Dann gehe es in die Wachstumsphase, wobei das Motto gelte „Milchpreis vor Entschuldung“. Immerhin steht die Gesellschaft vor einem Schuldenberg von rund 65 Millionen Euro. „Bauer vor Bank“ sei die Vorgabe bei der Entschuldungsstrategie, so Gottinger. „Ziel ist die schnelle und massive Korrektur einer jahrelangen Fehlentwicklung.“ Um „ein bisschen Geduld“ bat der neue Mit-Geschäftsführer, Paul E. Ritter. Er und seine Kollegen könnten nicht hexen, aber in einem halben Jahr könne viel passieren, deutete Ritter an. Positiv sei im Falle Bergbauernmilch, dass man alles habe, wenngleich es bislang kaum genutzt worden sei: Einen wertvollen Rohstoff quasi vor der Haustüre und ein positives Image. Jetzt gelte es, systematisch loszulegen - „schneller, besser, pfifiger“ zu sein auf dem Markt, um den „schlummernden Schatz“ zu heben, den die Bergbauernmilch darstelle. Loslegen will Allgäuland in diesen Tagen mit einem neuen Produkt, der gentechnikfreien Frischmilch unter der Bergbauern-Marke. Überhaupt will die neue Führungsmannschaft die Produktpalette weg vom Massengeschäft hin zu Qualität führen. Das Milchwerk Sonthofen soll auf diesem Weg die Spezialitätenkäserei sein mit hoher Wertschöpfung. Vorbild auf dem Weg zur Premium-Marke sei die Berchtesgadener Molkerei. Hier habe man es verstanden, rechtzeitig die Weichen zu stellen und einen guten Platz in den Regalen des Einzelhandels erobert. „Da wollen wir hin“, kündigt Jürgen Gottinger an. Vertrauen zurück gewinnen, heißt die Devise. Nachdem eine ansehnliche Zahl von Milchlieferanten den Allgäuland-Käsereien und auch der Bergbauern eG den Rücken kehren wollen und kündigten, standen die Zeichen auf Sturm. Weniger Milchanlieferung - weniger Produktion - weniger Absatz. Von weiteren Kündigungen warnt Unternehmensberater Dr. Volkhard Emmrich. Eine zweijährige Kündigungsfrist sei Basis für das weitere Ja der Banken. Andernfalls könnten diese ihre Kreditverträge sofort kündigen. Emmrich appellierte an die „genossenschaftliche Solidarität“. Heinz Lipp, Vorstandsvorsitzender der Bergbauern eG, musste mehrfach die Kritik aus der Versammlung hören, warum man denn nicht rechtzeitig auf die Misere reagiert habe. Erst im vergangenen Jahr hätten Aufsichtsrat und Geschäftsführung erkannt, dass „die Dinge nicht richtig laufen“. Inzwischen sei er zuversichtlich. „dass es in kürzester Zeit in die Reihe kommt“. Er selbst sei sich keines Versäumnisses bewusst, konterte Lipp die Aufforderung, sein Amt als Vorstandsvorsitzender niederzulegen. Am 19. April wird aller Voraussicht nach die außerordentliche Mitgliederversammlung stattfinden.

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Bockbierfest in Oberstdorf
Bockbierfest in Oberstdorf
In Oberstdorf wird Wasser zu Bier
In Oberstdorf wird Wasser zu Bier
Football-Ladies suchen Verstärkung
Football-Ladies suchen Verstärkung

Kommentare