Respektiere deine Grenzen

Durch geeignete Maßnahmen soll das Miteinander in der Natur „entspannter werden, meinen Rolf Eberhard (von links) vom Naturpark Nagelfluhkette, Burgbergs Bürgermeister Dieter Fischer und der Stellvertretende Oberallgäuer Landrat Anton Klotz. Foto: Josef Gutsmiedl

Ein besseres Miteinander der Naturnutzer will die Initiative „Respektiere deine Grenzen“ fördern. Hintergrund sind zunehmende Nutzungskonflikte in der sogenannten „freien Natur“ - Freizeitaktivitäten wirken sich störend oder gar schädlich in den Lebensräumen von Wildtieren aus. Eine sinnvolle Besucherlenkung soll jetzt neue Wege aufzeigen.

In Burgberg hat man sich schon vor geraumer Zeit mit dem Spannungsfeld befasst. Auslöser war hier letztlich die Zukunft des Schutzwaldes am Grünten. Um den Umbau zum gewünschten Bergmischwald zu erreichen, musste sich bei der Jagd „etwas tun“. Ein Runder Tisch brachte die verschiedenen Interessengruppen - Freizeitnutzer, Förster, Jäger - zusammen und schließlich gemeinsam ans Ziel, wie Burgbergs Bürgermeister, Dieter Fischer, den Weg skizziert. „Dabei wird die Freizeitnutzung nicht eingeschränkt, sondern durch sinnvolle Maßnahmen gesteuert“, erläutert Fischer bei der Vorstellung des Projektes „Respektiere deine Grenzen“. Eine Initiative, die im benachbarten Österreich offenbar zum Erfolgsmodell geworden ist. Der Weg, den Burgberg eingeschlagen hat lehnt sich eng an das Vorbild an. So wurden nicht viele Verbotsschilder in den Wald gestellt und Zäune errichtet, sondern eine Informations- und Aufklärungsoffensive gestartet. Damit setzt die Gemeinde auf die Erfahrung, die auch Rolf Eberhard, Geschäftsführer des Naturparks Nagelfluhkette, macht: „Die meisten Konflikte entstehen unbeabsichtigt und werden als solche nicht erkannt.“ Es seien - im Naturpark und anderswo in attraktiven Ecken der Region - „viele unterwegs“ und das Verhalten der Menschen sei oft räumlich nicht begrenzbar. Eberhard denkt dabei an neue Sportarten wie Schneeschuhtouren oder Geo-Caching. Information ist der entscheidende Punkt, so das Fazit. Eberhard: „Ziel der Bemühungen ist die positive Beeinflussung des Verhaltens, nicht die Einschränkung.“ Eine Erfahrung, die man auch beim Deutschen Alpenverein machte, und das Projekt „Skibergsteigen umweltverträglich“ entwickelte. Das Modell „Respektiere deine Grenzen“ soll jetzt auch im Naturpark Nagelfluhkette und am Grünten Fuß fassen. Dazu muss ein Träger (Landkreis oder Allgäu GmbH) die Lizenz erwerben. Mit im Boot sind auch die Jäger. „Die Jäger wollen die Leute nicht aus dem Wald verbannen“, betont Manfred Werne vom Kreisjagdverband Kempten. Man setze auf Verständnis, wenn sensible Gebiete tabu seien. „Wir hoffen, dass wir gerne gesehene Mitarbeiter bei dem Projekt sind.“ Ruheräume seien für das Wild ganz wesentlich, sollen Schäden in „sensiblen Bereichen“ verhindert werden, betonen die Jäger. Und Jürgen Wälder, Geschäftsführer der Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen, ergänzt: „Wir freuen und tierisch über das Pflänzchen, das da wächst...“ Allerdings sei es nicht damit getan, dass sich alle freuen“, so Wälder. Die Initiative brauche einen Motor, jemanden, der sage, was gemacht werden müsse und die wesentlichen Dinge vorgebe. Genauso sehen es Bürgermeister Fischer und der Stellvertretzende Landrat, Anton Klotz. Beide wünschen sich hier die Kommunen und den Landkreis als geeignete Koordinationsstellen. „Schilder und Handzettel reichen nicht“, betont Dieter Fischer. „Das müssen wir hinbringen!“

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