Zweckverband beschließt Kürzungen beim Krankentransport

Patienten müssen länger warten

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Bei Notfällen ist klar geregelt, in welcher Frist der Rettungsdienst am Einsatzort sein muss. Beim Krankentransport ist das anders. Daher wird dort nun gekürzt.

Kempten/Landkreis – „Unter Umständen werden die Wartezeiten etwas länger.“ Der Rettungszweckverband Allgäu mit Sitz in Kempten hat vergangene Woche mit großer Mehrheit eine Reduzierung der sogenannten Vorhaltestunden bei Krankentransporten beschlossen.

Aus Kostengründen werden ab dem 1. Januar rund 3600 Stunden gestrichen. Gegen das Vorhaben stimmten Landrätin Maria Rita Zinnecker und der Pfrontener Kreisrat Fritz Brunhuber (beide CSU). Dabei könnten die Kürzungen beim Krankentransport nach Ansicht von Experten sogar positive Auswirkungen auf die Notfallversorgung im Ostallgäu haben. 

Auch im Allgäu steht das Gesundheitswesen unter einem enormen Kostendruck. Vor allem im Ostallgäu ringen die Kliniken weiterhin mit einem Millionen-Defizit, die Notfallmedizin steht vor dem Kollaps (der Kreisbote berichtete). Laut einem mehrheitlichen Beschluss des Allgäuer Rettungszweckverbandes sollen aus Kostengründen ab dem 1. Januar 3600 Vorhaltestunden für Krankentransporte durch BRK und Johanniter gestrichen werden. In einem ersten Schritt waren bereits schon einmal rund 5000 Stunden eingespart worden. 

Konkret bedeutet das: Wenn beispielsweise der Bewohner eines Seniorenheims mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus muss, kann es sein, dass er künftig etwas länger als bisher auf seinen Krankentransportwagen warten muss. Der Einsatz von Rettungswagen in Notfällen soll von der Kürzung aber nicht betroffen sein. „Die Notfallversorgung wird nicht tangiert!“, betonte Dr. Heiko Hübner, Oberarzt am Klinikum Kaufbeuren und Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Zweckverband, auf Anfrage des Kreisboten. „Da wird es nur ganz wenig Probleme geben.“

Das sieht auch Wolfgang Klaus, Referatsleiter der Stadt Kempten und Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes, so: „Das ist nicht so“, widerspricht er in der Sitzung geäußerten Bedenken, die medizinische Versorgung der Menschen im Allgäu könnte unter dem Beschluss leiden. Denn es gelte strikt zu unterscheiden zwischen Notfallversorgung und Krankentransport. 

Während in der Notfallversorgung vom Gesetzgeber klare Hilfsfristen vorgegeben seien – zum Beispiel 12 Minuten Fahrzeit zum Einsatzort in 80 Prozent aller Fälle – , sind die Fristen beim Krankentransport deutlich lockerer bzw. gar nicht vorgegeben. „Hier liegen keine zeitlichen Komponenten vor“, erklärte Dr. Hübner. 

Brunhuber mit Bedenken 

Auch die medizinische Ausstattung von Rettungswagen und Krankentransportwagen ist nach Angaben von Hübner grundverschieden. So seien Krankentransportwagen bei Notfällen „nur bedingt einsatzfähig“. Rettungswagen hätten dagegen die gesamte Palette medizinischer Geräte für so ziemlich jeden akuten Notfall an Bord. Wegen der vergangene Woche im Zuge der Verbandssitzung geäußerten Befürchtungen des Pfrontener Kreisrats Fritz Brunhuber oder des Oberallgäuer Landrats Toni Klotz (CSU) und auf Anregung des Verbandsvorsitzenden Thomas Kiechle (CSU), Oberbürgermeister von Kempten, soll künftig aber genau beobachtet werden, ob die Reduzierung der Vorhaltestunden die Versorgung der Allgäuer tatsächlich verschlechtert oder eben nicht. 

Weniger Transporte 

Gründe für die Kürzung der Vorhaltestunden gibt es mehrere. Zum einen, so Geschäftsführer Wolfgang Klaus gegenüber dem Kreisbote, sei die Zahl der Krankentransporte im Allgäu laut einer Studie der Uni München zurückgegangen. Im vergangenen Jahr seien es nur noch 22.000 gewesen. Hier gebe es also Einsparpotenzial. Dem gegenüber stehen rund 57.000 Notfalleinsätze im Jahr 2013. Vier Jahre zuvor, 2009, waren es noch 43.000 Einsätze gewesen. 

Zum anderen beharren die Krankenkassen darauf, dass dieses Potenzial auch genutzt werde, erläuterte Klaus. Quasi im Gegenzug dafür wurde die Notfallversorgung mit einer neuen, zusätzlichen Rettungswache in Altusried im nördlichen Landkreis Oberallgäu gestärkt. Davon wiederum profitiere auch das notfallmedizinisch gebeutelte Ostallgäu, ist sich Dr. Hübner sicher. Denn die neue Rettungswache in Altusried entlaste die Rettungswache in Obergünzburg, die sich nun wieder verstärkt auf die Versorgung des nördlichen Ostallgäus konzentrieren könne. „Letztendlich führt das sogar zu einer Verbesserung der Notfallversorgung“, so der Ärztliche Leiter Rettungsdienst.

Matthias Matz

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