Thema Wolf: Oberstdorfer Umweltreferent kritisiert Landrat Klotz

"Konkrete Maßnahmen zum Herdenschutz und zum Wolfsmonitoring" gefordert

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Mit einem offenen Brief an den Oberallgäuer Landrat Anton Klotz bringt der Oberstdorfer Marktgemeinderat Siegmund Rohrmoser sein Befremden über dessen „unglückliches Agieren“ beim jüngsten Umgang mit dem Thema Wolf zum Ausdruck.

„Mit zunehmendem Unverständnis nehme ich auch als Umweltreferent des Oberstdorfer Gemeinderates ihr unglückliches Agieren in Sachen Wolf und Weideviehhaltung zur Kenntnis“, betont Siegmund Rohrmoser. Anstatt in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden wie dem Landesamt für Umwelt LfU endlich für den Aufbau wirksamer Herdenschutzmaßnahmen zur Unterstützung der Landwirte zu sorgen, konzentriere der Landrat sich zumindest in der Außenwirkung praktisch ausschließlich auf „populistische Parolen“ zur Wolfstötung.

Rohrmoser: „Dabei wissen Sie ganz genau, dass der Wolf im Naturschutzrecht sowohl national als auch international den höchstmöglichen Schutzstatus hat und eine letale Entnahme deshalb legal nur in extremen Ausnahmefällen möglich ist.“

Außerdem sei der Wolf auch unabhängig vom formalen rechtlichen Status ein integraler Bestandsteil eines intakten Ökosystems und hat dort wichtige Funktionen, zum Beispiel indem er kranke Tiere erlege und damit der Seuchenprävention im Wildbestand dienlich sei.

„Da die Wolfsvorkommen sowohl im Südwesten in den Alpen als auch im Osten Deutschlands kontinuierlich anwachsen, und deshalb bei uns ständig neue Tiere aus beiden Richtungen zuwandern können und werden, brauchen wir jetzt schnellstmöglich tragfähige und dauerhafte Lösungen zum Thema Herdenschutz, vor allem auch im Berggebiet“, fordert Rohrmoser weiter. Eine pauschale Verweigerungshaltung mit der „Ausrede“, das sei in den Bergen nicht möglich, entspreche dabei nicht den Tatsachen.

Im Gegenteil: Es sei schon immer ständige Praxis, gerade in besonders steilen Bereichen Zäune zum Schutz des Viehs vor Abstürzen anzubringen. Diese können bei Bedarf auch so ertüchtigt werden, dass sie als Schutz vor Wölfen geeignet seien.

Auch der Fund von römischen Schellen zeigt, dass die Alpwirtschaft seit mehreren tausend Jahren zusammen mit dem Vorkommen von Wölfen praktiziert wurde, deshalb ist das heutzutage mit weit besseren technischen Möglichkeiten und hervorragender Erschließung der Alpen ebenfalls möglich.

Diplombiologe Rohrmoser argumentiert weiter: „Wir haben heute technische Möglichkeiten wie elektronische Kuhschellen, die den Standort und das Verhalten der Tiere erfassen und übertragen oder auch Wärmebildkameras, mit denen die Weidetiere sogar bei völliger Dunkelheit beobachtet und kontrolliert werden können.“

Auffällige Wölfe könnten auch ihrerseits mit einem Senderhalsband versehen und so jederzeit lokalisiert und ihr Verhalten überprüft werden. Vor einer „letalen Entnahme“ müsse dies zwingend als erste Managementmaßnahme umgesetzt werden, fordert Rohrmoser.

Außerdem sollten die zahlreichen vor allem bei der Jagd ohnehin im Einsatz befindlichen Wildkameras effektiv mit in das Wolfsmonitoring eingebunden werden.

„Es gibt also eine ganze Palette an geeigneten Handlungsmöglichkeiten, die jetzt endlich organisiert und umgesetzt werden müssen“, unterstreicht der Marktgemeinderat in seinem offenen Brief an Landrat Klotz. „Sowohl im Interesse der Alpwirtschaft als auch des Artenschutzes fordere ich Sie auf, über den Horizont der bayerischen Landtagswahl hinauszudenken und endlich konkrete Maßnahmen zum Herdenschutz und zum Wolfsmonitoring einzuleiten.“

Eine selbstverständliche Sofortmaßnahme wäre etwa die Empfehlung an Landwirte, im potentiellen Wolfsgebiet keine hochträchtigen Kühe nachts mehr unbeaufsichtigt und ungeschützt zum Kalben draußen zu halten. Damit könne auch eine falsche Konditionierung von Wölfen vermieden werden.

Außerdem benötige man am Landratsamt „endlich eine kompetent besetzte Stelle“, die für eine Beratung und Koordinierung rund um das Vorkommen von Großraubtieren zuständig ist. Rohrmoser schließt: „Ich appelliere an Sie, sich in Verantwortung ihres Amtes der Herausforderung der in vollem Gang befindlichen Rückwanderung der Wölfe in ihr früheres Verbreitungsgebiet konstruktiv anzunehmen und sich gerade auch hier bei uns im Oberstdorfer Bereich für die Entwicklung verträglicher Lösungen einzusetzen !“

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