Positive Stimmung und offene Baustellen

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Der vierspurige Ausbau der B19 war ein wichtiger Schritt für die Wirtschaft im südlichen Oberallgäu. Jetzt sollte es bei der B12 weitergehen, fordert die IHK.

Allgäu – Die Vorsitzenden der vier IHK-Regionalversammlungen im Allgäu gaben kürzlich einen Rückblick auf das vergangene Jahr und blickten auf die kommenden Monate. Dabei ziehen sie eine positive Bilanz für 2013.

„Insgesamt können wir über alle Branchen hinweg zufrieden sein, die Geschäftslage wird als überwiegend gut oder befriedigend eingestuft“, so die Wirtschaftsvertreter. „Zwar klagen viele Betriebe nach wie vor über zu wenige Aufträge, doch zeigen sich die Unternehmen für die Zukunft überaus optimistisch und erwarten eine deutliche Aufwärtsdynamik“, ergänzen die Vorsitzenden der IHK-Regionalversammlungen. 

„Die Stimmung bei den Allgäuer Betrieben lässt sich mit Blick auf das neue Jahr als gut bezeichnen“, beschreibt Markus Brehm, Regionalvorsitzender Kempten und Oberallgäu, die gegenwärtige Situation. Rund ein Drittel rechne im kommenden halben Jahr mit besseren Geschäften sowohl im Inland als auch im Ausland. Überschattet werde das positive Klima aber durch die bleibenden Herausforderungen Bildung, Energie und Infrastruktur. Standen sie schon 2013 auf der Agenda der IHK, so wird sich die Kammer auch in 2014 in diesen Feldern stark engagieren. 

Die positive Stimmung werde sich auch auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen auswirken. Gerade Investitionen im Inland stünden für zahlreiche Betriebe im Vordergrund. „Vor diesem Hintergrund ist es für die Unternehmen von entscheidender Bedeutung, sichere Rahmenbedingungen für Investitionen zu haben“, fasst Thomas Holderried, Regionalvorsitzender Lindau-Bodensee, zusammen. Insbesondere in der im Allgäu ausgeprägten Tourismusbranche habe die Sicherung der Reduzierung der Umsatzsteuer auf Beherbergungsleistungen in diesem Zusammenhang hohe Bedeutung, so Holderried weiter. Damit schafften die Unternehmen die notwendigen Freiräume für Investitionen und damit für mehr Wettbewerbsfähigkeit. Einhergehend mit der optimistischen Stimmung der Allgäuer Wirtschaft wollen die Unternehmen wieder vermehrt Personal einstellen. 

Allerdings birgt der zunehmende Fachkräftemangel ein großes Risiko für die Geschäftsentwicklung. „Der Mangel an Fachkräften könnte sich immer mehr zum limitierenden Faktor unseres wirtschaftlichen Erfolgs entwickeln. Daher ist die Verstärkung der dualen Ausbildung der wichtigste Baustein zur Sicherung der Fachkräfte für das eigene Unternehmen“, ist Gerhard Schlichtherle, Regionalvorsitzender Kaufbeuren und Ostallgäu, sicher. Allerdings sieht er in der unzureichenden Berufsorientierung von Schulabsolventen ein großes Manko. „Zu viele Schüler wissen nach dem Abschluss zu wenig über die vielfältigen Möglichkeiten der Berufsausbildung und oft auch zu wenig über die konkret ausgewählte Ausbildung. Vor allem Abiturienten kennen die Möglichkeiten der dualen Ausbildung und eines dualen Studiums zu wenig“, fasst Schlichtherle die Problematik zusammen. 

Vor diesem Hintergrund begrüße er die Entscheidung der IHK-Vollversammlung, in diesem wichtigen Bereich zusätzliche Personalkapazitäten im Allgäu aufzubauen, die das bestehende Angebot zur Vorbereitung für Ausbildung und Beruf ergänzt. Eine zentrale Plattform biete dafür auch die Allgäuer Lehrstellenbörse, die am 15. März zum 17. Mal stattfinden wird. In diesem Zusammenhang ist auch das Engagement der Unternehmen gefordert, die in ihren Bemühungen im Rahmen der beruflichen Bildung nicht locker lassen dürfen. 

Gerhard Pfeifer, Regionalvorsitzender Memmingen und Unterallgäu, bestärkt daher die mehr als 2.000 Ausbildungsbetriebe im Allgäu. „Die IHK Schwaben bietet gerade in unserem Wirtschaftsraum einen professionellen Beratungsservice und begleitet die Unternehmen während der gesamten Zeit der Ausbildungsdauer. Das ermöglicht es den Betrieben, ein qualitativ hohes Ausbildungsniveau sicher zu stellen“, erläutert Pfeifer und verweist dabei auf die Leistungen der Ausbildungsberater der IHK Schwaben im Allgäu. 

Auch die Aktivitäten des IHK-Bildungshauses im Rahmen der beruflichen Weiterbildung ordnen sich der Fachkräftesicherung als oberstem Ziel unter. Thomas Holderried sieht in diesem Zusammenhang die Angebote des IHK-Bildungshauses im Allgäu als wichtigen Beitrag. „In den vier Allgäuer Bildungszentren Kaufbeuren, Kempten, Lindau und Memmingen finden die Unternehmen ein breites Spektrum an Praxisstudien und Zertifikatslehrgängen zur Qualifizierung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dabei ist besonders die Nähe zum Bedarf der Unternehmen hervorzuheben, getreu dem Leitspruch „aus der Praxis für die Praxis““, so Holderried. 

Knapp 400 Lehrveranstaltungen umfasst das Programm des Bildungshauses im Allgäu, dabei kommen rund 200 Praktiker aus den Unternehmen als Dozenten zum Einsatz. Einen besonderen Schwerpunkt der Bildungsaktivitäten sieht Markus Brehm in der gewerblich-technischen Weiterbildung, die das IHK-Bildungshaus für Fachkräfte, Geringqualifizierte und Arbeitssuchende bietet. „Im gewerblich- technischen Bereich korrespondiert das Angebot mit dem technologischen Wandel, geänderten Normen und verschärften Verordnungen. Hier spielen besonders Umschulungsmaßnahmen zum Beispiel in den Berufsfeldern Metall, Elektro/Mechatronik oder Lager/Logistik, die in den Bildungszentren Kaufbeuren und Kempten angeboten werden, eine große Rolle“, erläutert Brehm und verweist dabei auf mögliche Förderprogramme der Agentur für Arbeit oder der Jobcenter. 

Mit Sorge blicken die Unternehmer aus dem Allgäu auf einige Aspekte der Infrastruktur in der Region. „Wir begrüßen die jüngste Absichtserklärung der Deutschen Bahn, die Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Memmingen-Lindau endlich anzugehen und in Dialogforen die Öffentlichkeit über den Fortschritt zu informieren“, beschreibt Gerhard Pfeifer die Stimmung in den Unternehmen. „Wir brauchen eine leistungsfähige Anbindung zum Gotthard-Basistunnel und weiter nach Italien – einem unserer wichtigsten Handelspartner“, so Pfeifer weiter. „Allerdings darf damit nicht die Vernachlässigung der Bahninfrastruktur im restlichen Allgäu einher gehen“, ergänzt Markus Brehm, Regionalvorsitzender Kempten und Oberallgäu. 

Er bringt damit die Befürchtung der Allgäuer Unternehmen zum Ausdruck, dass es keine Änderung im „Dieselloch Allgäu“ geben werde. Nicht nur bei der Bahninfrastruktur sehen die Wirtschaftvertreter dringenden Handlungsbedarf. Gleiches gelte auch für die Straße. Der vierspurige Ausbau der B12 sei zwingend erforderlich, um „in der Wirtschaft erfolgreich zu sein. Doch nicht nur im Sinne der wirtschaftlichen Potenziale, sondern vor allem auch zur Verbesserung der Verkehrssicherheit sei dieses Projekt von besonderer Bedeutung. „Durch den Ausbau der B 12 würde die Mobilität gerade im ländlichen Raum verbessert“, sind sich die vier IHK-Vertreter einig.

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