"Solidarität unter den Gemeinden"

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Die asylpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion Christine Kamm (von links) und die beiden Grünen Landtagsabgeordneten Ulli Leiner und Thomas Gehring bei der Diskussion in Sulzberg. Foto: Heinrich Bonert

Sulzberg – Die Krisen weltweit führen zu immer stärkeren Flüchtlingsströmen. Landkreise, Städte und Gemeinden müssen mehr Flüchtlinge und Asylbewerber aufnehmen. Zu den schon seit Jahren vorhandenen Helfer- kreisen bilden sich in vielen Orten neue.

Für die Behörden sind diese Ehrenamtlichen eine große Entlastung und es gibt auch Lob von allen Seiten. Doch fühlen sich die Helfer oft alleine gelassen und wünschen sich stärkere Unterstützung bei ihren vielfältigen Aufgaben. Dies wurde bei einem „Runden Tisch“, zu dem die Landtagsabgeordneten der Grünen Ulli Leiner und Thomas Gehring eingeladen hatten, deutlich. Zusammen mit der asylpolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bayrischen Landtag Christine Kamm diskutierten sie mit ehrenamtlichen Helfern und Vertretern der Sozialverbände die Situation im Oberallgäu. „Wir wollen den Handlungsbedarf vor Ort erfassen und zu einer anderen Flüchtlingspolitik in Bayern beitragen“, erklärte Kamm.

Ohne die Ehrenamtlichen würde die derzeitige Situation nicht bewältigt werden kön-nen, betonten Leiner und Gehring und dankten allen für ihre Arbeit, die sich bei der Hilfe für Asylbewerber einbringen. „Wir dürfen nicht weiter zuschauen, wie Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken“, fordert Kamm ein stärkeres Engagement in der Asylpolitik. Auch Bayern könne mehr tun, damit die Menschen anständig aufge-nommen werden, kritisierte sie die „chaotischen Zustände“ in den Erstaufnahmestellen in Zirndorf und München. Die Situation sei vorhersehbar gewesen – durch eine vorausschau- ende Politik hätten sich die Engpässe vermeiden lassen.

In der Diskussion mit den Helfern wurde schnell deutlich wo der Schuh drückt. Die Helferkreise fühlen sich bei ihren vielen Aufgaben oft alleine gelassen und gegängelt. Sie wünschen sich mehr Unterstützung und klare Ansprechpartner – am besten direkt bei der Kommune. „Wir brauchen praktische, konkrete Unterstützung vor Ort“, so ein Helfer aus Buchenberg. Was in manchen Gemeinden gut klappe, klappe in anderen leider nicht so gut. So stellen etwa die Gemeinden Dietmannsried und Sulzberg Mitarbeiterinnen der Gemeinde für die Betreuung der Asylsuchenden ab.

Die Erfahrungen der Helfer bei der Hilfe durch den Landkreis fielen unterschiedlich aus. Während sich Einige der Anwesenden zufrieden zeigten, wurde bei Anderen Kritik an umständlichen Dienstwege, zuviel Bürokratie und unterschiedlichen Zuständigkeiten laut. Das selbständige Engagement der Helfer werde oft nicht geschätzt. So müssten selbst kleine Reparaturen in den Unterkünften über das Landratsamt laufen.

In mancher Gemeinde fänden die Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung erst sehr spät statt, so ein weiterer Kritikpunkt. Mehr Sprachkurse, das Recht auf Ausbildung bei Jugendlichen und ein stärkerer Ausbau der Sozialbetreuung waren weitere Forderungen aus dem Helferkreis. Die größte Hürde sei die Sprachbarriere. Auch der unterschiedliche Status der Asylbewerber und Flüchtlinge – je nach Heimatland und danach wo sie europäischen Boden betreten haben – bereitet den Helfern Kopfzerbrechen. Die Unterbringung nach Familien, Einzelpersonen und Herkunftsländern sollte besser koordiniert werden.

„Das Engagement ist groß, aber oft stoßen die Ehrenamtlichen an ihre Grenzen“, so Armin Ländle, Asylbeauftragter der Stadt Immenstadt. Er forderte mehr Solidarität unter den Gemeinden etwa durch eine Umlagefinanzierung bei den freiwilligen Leistungen. „Wir brauchen Deutschkurse vom ersten Tag an“, so Kreisrätin Elfriede Roth, die sich seit vielen Jahren bei der Asylbetreuung in Sonthofen engagiert. „Solche Kurse sorgen für Struktur im Alltag und helfen damit Konflikte zu vermeiden“, hat sie entsprechende Anträge gestellt. Zudem regte sie Schulungen für die Helfer in Sachen Asylrecht an. „Wir müssen gemeinsam versuchen eine Willkommenskultur zu schaffen“, sieht Heinz Möschel eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

„Wir haben Gemeinden, die sich dem Problem stellen und andere die sich weniger engagieren“, so Leiner. Die Kosten für freiwillige Leistungen wie Deutschkurse dürften nicht am Landkreis hängen bleiben sondern müssten an den Bezirk oder an den Freistaat weitergegeben werden können, so seine Forderung. Er schlug einen Flüchtlingsbeauftragten beim Landkreis vor, der die Unterbringung und die Hilfen koordi-niert.

„Wir brauchen mehr vorbeugendes Handeln“, fordert Kamm vor allem eine bessere Sozialbetreuung und medizinische Versorgung: „Es darf nicht ein Sachbearbeiter entscheiden, was an medizinischer Versorgung notwendig ist“. Die Abgeordneten sehen im ehrenamtlichen Engagement eine tragende Säule der Hilfe für die Schutzsuchenden vor Ort. Sie wollen die Anregungen mit nach München nehmen und versuchen über die Unterstützung der Helferinnen und Helfer auch die Situation der Flüchtlinge zu verbessern. Auch über den Kreistag wollen die Grünen

Verbesserungen erreichen.

Heinrich Bonert

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