Runderneuert in die Zukunft

Schulleiter Hubert Thiele (2.von links) überreichte Bürgermeister Hubert Buhl (links) eine Torte in Krötenform, da er und seine Stadträte im Laufe der Sanierungsmaßnahmen „so manche Kröte schlucken mussten“. Fotos: Hans Ehrenfeld

Bürgermeister Hubert Buhl, konnte zu Recht stolz auf „sein“ generalsaniertes Gymnasium sein. Nachdem der in den siebziger Jahren gebaute dunkle und wenig ansprechende Betonklotz aufgrund erheblicher Mängel äußerst renovierungsbedürftig geworden war, musste die Stadt handeln. Nach einer umfangreichen modellhaften Sanierung konnte er das helle, freundliche und angenehm temperierte Schulgebäude zur Einweihungsfeier präsentieren.

Die Stadträte könnten auf ihren Beschluss vom Jahre 2007 stolz sein, in welchem sie sich zu einer Generalsanierung des Gymnasiums im Passivhaus und Niedrigenergiehausstandard entschlossen hätten, so Buhl. „Es war eine mutige und fortschrittliche Entscheidung und aus heutiger Sicht eine sehr gute Investition in die Zukunft.“ Die Stadt habe für die Realisierung des anspruchsvollen Bauvorhabens die geeigneten Partner gefunden, wie zum Beispiel das Energie- und Umweltzentrum Allgäu eza! und insbesondere das Architekturbüro Werner Haase aus Karlstadt. Architekt Haase zufolge waren die gemeinsamen Sitzungen so zeitintensiv, dass „so mancher Architekt bei diesem Projekt mehr Stunden am Gymnasium verbracht hat als während seiner Schulzeit.“ Der ganzheitliche Ansatz eines Sanierungsprojektes in einer Bildungseinrichtung war von allen Beteiligten gewollt. Dies umfasste nicht nur die Zusammenarbeit mit Bauherr, Planer und Schulleitung, sondern auch mit den Schülern wurde in Projekten wie „ Energieeffiziente Schulhaussanierung“ und „Messung des Wärmedurchgangs an Modellhäusern“ diese Sanierung thematisiert. Das Sonthofer Sanierungsprojekt durfte sogar auf der „Woche der Umwelt 2012“ in Berlin dem Bundespräsidenten vorgestellt werden. Der Ansatz, alle ins Boot zu holen, erwies sich in der Bauphase als ideal, weil das Projekt „Wanderbaustelle im Gymnasium“ oder „Das wandelnde Klassenzimmer“ eine echte Bewährungsprobe für die Schulgemeinschaft und die Bauleitung war. Bauleiter, Architekt Kroiss, habe „eine äußerst diffizile Aufgabe“ mit großem Einfühlungsvermögen hervorragend bewältigt, weshalb Schuldirektor, Hubert Thiele, ihm dafür besonders dankte. Architekt Werner Haase, der Sprecher des Planungsteams, stellte den Kontakt zum Kuratorium Deutsche Bundesstiftung Umwelt her, um für das ehrgeizigen Projekt eine finanzielle Förderung zu erhalten. Das zukunftsweisende Sonthofer Sanierungsvorhaben wurde tatsächlich als Modellvorhaben anerkannt und zur Realisierung eine halbe Million Euro bereit gestellt. Da das Sonthofer Gymnasiumsgebäude im damaligen Schulbauklassiker, dem sogenannten „Kasseler Modell“, errichtet worden war, hat die Sanierung einen Modellcharakter und ist auf eine Vielzahl von Schulgebäuden übertragbar. Dr.-Ing. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, konnte hierzu interessante Fakten nennen. „So werden durch die Effizienzmaßnahmen gegenüber dem ursprünglichen Bestand der Jahresendenergiebedarf um 90 Prozent und die CO2-Emmissionen um 80 Prozent reduziert. Das entspricht 450 Tonnen CO2 pro Jahr. Der mit der Schulsanierung erzielte Einspareffekt entspricht dem Einsparpotential von 40 bis 50 Einfamilienhäusern.“ Desweiteren wurde in modellhafter Weise Wärmebrückenfreiheit und Luftdichtigkeit erreicht, womit 50 Prozent der Primärenergie eingespart werden wird. Die verbesserte Nutzung von Tageslicht führt zu einer Halbierung des Energiebedarfes für die Beleuchtung. Die Wärme wird über an der Decke angebrachte Temperier-Elemente in die Räume geführt welche als Niedrigtemperaturheizung sowohl für die Heizung im Winter als auch für die Kühlung im Sommer dienen. Das Gebäude verfügt über eine kontrollierte Lüftungsanlage mit hohem Wärmerückgewinnungsgrad. Die Heizwärmegrundlast wird über eine Wärmepumpe aus dem Grundwasser abgedeckt und bei Spitzenbedarf schießt das Blockheizkraftwerk zu. Alles in allem hat sich die Stadt Sonthofen bei diesem Sanierungsvorhaben zukunftsweisende Standards gewählt, welche voraussichtlich erst im Jahr 2020 zur Norm erhoben werden. „Die Stadt Sonthofen hat damit bereits das getan,“ so Dr.-Ing. Fritz Brickwedde, „was andere in Zukunft erst noch tun müssen.“ Der Eigenbeitrag der Stadt Sonthofen in Höhe von rund acht Millionen Euro sei eine gute Investition in die Zukunft.

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