Allgäu: Arbeitslosigkeit bei 2,9 Prozent

Arbeitsmarktdaten im Januar

Im Januar waren im bayerischen Teil des Allgäus etwas mehr als 10 600 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote ging im Bereich der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen im Vergleich zum Dezember um 0,3 Prozentpunkte nach oben auf 2,9 Prozent. Im südlichen Oberallgäu lag sie bei 3,1 Prozent.

„Aus jahreszeitlichen und saisonalen Gründen meldeten sich vorübergehend mehr Menschen arbeitslos. Auch auf Grund der milden Temperaturen fiel der Zuwachs im Januar niedriger aus als im vergangenen Jahr. Viele Betriebe waren weiter auf der Suche nach Personal, denn sie stellten quer durch viele Branchen zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Im Januar waren mit etwa 10 600 Frauen und Männern gut 1 000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im Monat zuvor. Im Januar des Vorjahres lag die Arbeitslosenquote bei einem höheren Wert von 3,2 Prozent. Seinerzeit waren knapp 1 300 Menschen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen. Nach den Feiertagen nahm die Nachfrage nach Arbeitskräften im Januar jedoch wieder zu, Arbeitgeber stellten insgesamt knapp 6 800 Stellenangebote zur Vermittlung zur Verfügung, elf Prozent mehr als im Januar 2017.

Aktuell sprachen 2 674 Frauen und Männer neu bei den Vermittlern vor, die zuletzt eine Erwerbstätigkeit ausgeübt hatten. Unter ihnen befanden sich vor allem Kräfte aus dem Garten- und Landschaftsbau, aus dem Baubereich, Trockenbauer, Zimmerer und Mitarbeiter aus artverwandten Tätigkeiten. Auch aus den Bereichen Büro, Sekretariat und Verkauf sowie aus der Logistikbranche meldeten sich Menschen arbeitslos. 1 600 Menschen nahmen im Januar jedoch eine neue Tätigkeit auf.

Viele Minijobber

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse im Allgäu weiter zugenommen. Das gilt für sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse wie für geringfügige Beschäftigungen. Im Bereich der geringfügigen Beschäftigungen – 450-Euro-Jobs – ist ein starker Zuwachs zu verzeichnen. Zuletzt arbeiteten im Juni 2017 gut 2 100 Menschen oder knapp 3 Prozent mehr in einem 450-Euro-Job als ein Jahr zuvor. Während sich die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten kaum veränderte, war das Plus bei Menschen, die zusätzlich zu ihrem Hauptberuf eine Nebenbeschäftigung ausübten, ausgeprägt. Zwischen Juni 2016 und Juni 2017 nahm ihre Zahl um gut 2 000 beschäftigte Minijobber zu. Insgesamt arbeiteten im Juni 2017 annähernd 76 000 Frauen und Männer auf geringfügiger Basis – mehr als 60 Prozent in Minijobs tätige Personen sind Frauen.

Regionale Entwicklungen

Im Vergleich zum Januar des vergangenen Jahres verbesserte sich die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk um 0,3 Prozentpunkte auf aktuell 2,9 Prozent. Das bedeutete gleichzeitig den niedrigsten Januarwert der letzten zehn Jahre. Das günstige Gesamtergebnis setzte sich auch in allen Wirtschaftsräumen des Allgäus fort. Überall lag die Arbeitslosenquote niedriger als im Januar des Vorjahres. Die überwiegende Zahl der Regionen erreichte auch im Januar eine Zwei vor dem Komma. Den niedrigsten Wert im Agenturbezirk gab es in den Wirtschaftsräumen Memmingen, Mindelheim und Marktoberdorf mit einer Arbeitslosenquote von jeweils 2,5 Prozent. Es folgten die Region Kempten und der Landkreis Lindau mit Ergebnissen von 2,8 beziehungsweise 2,9 Prozent. Die im Jahresvergleich beste Entwicklung legte der Wirtschaftsraum Kaufbeuren mit einem Rückgang um 0,6 Prozentpunkte auf eine aktuelle Quote von 3,5 Prozent hin.

Kommentar

von Eva Veit

Soziale Marktwirtschaft ade 

„Geringfügige Beschäftigungen sind beliebt. Sie können den Weg zurück ins Erwerbsleben ebnen und sorgen für ein zusätzliches Einkommen“, heißt es in der Pressemitteilung der Arbeitsagentur Kempten-Memmingen zum Arbeitsmarkt im Januar. Insgesamt arbeiteten im Allgäu 76 000 Menschen im Juni 2017 in 450-Euro-Jobs, darunter etwa 33 000 im Nebenerwerb. Tendenz steigend. 

Das bedeutet, rund 33 000 Frauen und Männer im Allgäu können von ihrem Hauptberuf nicht leben – oder ihren Lebensstil nicht finanzieren, das geht aus den Zahlen natürlich nicht hervor. Das bedeutet auch, dass die anderen rund 43 000 Männer und Frauen (vornehmlich Frauen, da 60 Prozent der Minijobber Frauen sind), arbeiten und wenn überhaupt, nur sehr wenig in die Rentenversicherung einzahlen. 

Wir haben also auf der einen Seite immer mehr Menschen, die von ihrem 30/35/40-Stunden-Job nicht leben können und zusätzlich arbeiten gehen müssen. Für ihre Gesundheit sicher nicht förderlich. Auf der anderen Seite haben wir viele Menschen, die nur so wenig arbeiten, dass sie nicht in die Sozialsysteme einzahlen. Ob sie das nun freiwillig machen, weil sie sich neben der Familie nur ein bisschen was dazu verdienen wollen, oder ob sie das nicht freiwillig machen, weil sie keinen „normalen“ Job finden, sei an dieser Stelle dahingestellt. Sicher ist, dass, wenn jemand über viele Jahre „nur“ in geringfügiger Beschäftigung arbeitet, er direkt auf die Altersarmut zusteuert. 

Was sich in der Pressemeldung so positiv anhört – „Geringfügige Beschäftigungen sind beliebt“ – ist also keineswegs positiv. Denn ein hochgelobter, florierender Arbeitsmarkt, der viele Jobs beinhaltet, von denen man trotz Vollzeitarbeit nicht leben kann, hat in meinen Augen nichts Positives. Denn wer heute so wenig verdient, dass er nicht davon leben kann, wird auch von seiner Rente nicht leben können. Wenn er das Rentenalter überhaupt erreicht und sich nicht vorher schon zu Tode schuftet. Soziale Marktwirtschaft ade.

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