Sanfte Skitouren auf dem Prüfstand

Pünktlich um 12 Uhr mittags trafen sich auf dem 1981 Meter hohen Steinmandl - einem der Hausberge der Schwarzwasserhütte – der Extrembergsteiger Hans Kammerlander und der Silbermedaillengewinner im Langlauf Peter Schlickenrieder mit Tourenski. Anlass war der Start der letzten Phase des Projektes „Skibergsteigen umweltfreundlich“ des Deutschen Alpenvereins DAV.

Derzeit untersuchen der Deutsche Alpenverein (DAV) und das Bayerische Landesamt für Umwelt zusammen mit regionalen Experten von Jagd, Forst und Naturschutz im Oberallgäu die kritischen Berührungspunkte zwischen Mensch und Natur in der winterlichen Bergwelt. Während Kammerlander seit zehn Jahren das Konzept als Pate unterstützt, stellte Schlickenrieder seine jüngste Alpenüberquerung unter dieses Motto. Zusammen mit Martin Leitner, Dietmar Rexhausen (beide Schliersee) und Patrick Jost (Hindelang) war er vor sieben Tagen in Madonna di Campiglio in den Dolomiten gestartet um auf ausgesucht umweltfreundlichen Routen das Ziel Schwarzwassertal zu erreichen. Im Rahmen der Untersuchung „Wildtiere und Skilauf im Gebirge“ und dem Projekt „Skibergsteigen umweltfreundlich“ werden seit 15 Jahren im gesamten bayerischen Alpenraum alle Bereiche ermittelt, in denen es zu Konflikten zwischen Wintersport und besonders sensiblen Tierarten kommt. Dabei werden Routenempfehlungen erarbeitet um Ruhezonen für das Wild und geschützte Arten wie die gefährdeten Rauhfußhühner zu schaffen. Die Routen und die so genannten “Wald-Wild-Schutzgebiete“ werden in die 22 neuen Alpenvereinkarten aufgenommen. Das Oberallgäu mit dem Kleinwalsertal ist das letzte Untersuchungsgebiet. Mit Beschilderung, Informationstafeln und Öffentlichkeitsarbeit sollen die Skibergsteiger und Schneeschuhgeher entsprechend sensibilisiert und kanalisiert werden. Im Bereich der Schwarzwasserhütte und des Hehlekopfes wurden (nach Konflikten zwischen Bergsportlern und Naturschutz) bereits in den 90er Jahren „freiwillige Ruhezonen“ ausgewiesen. „Der Hehlekopf ist ein gutes Beispiel, dass unser Ansatz erfolgreich ist““, nannte Manfred Scheuermann, Betreuer des Projektes beim DAV, das Gebiet „ein Erfolgsmodell“. Die Regelungen würden hier von 98% der Wintersportler beachtet. Auch dank des Einsatzes der DAV-Sektion Schwaben, der Sektion Kleinwalsertal des Österreichischen Alpenverein und der Pächterfamilie der - auch im Winter bewirtschafteten - Schwarzwasserhütte. „Die Tour war gewaltig – es gibt auch noch Abenteuer vor der Haustüre zu entdecken“, schilderte Scklickenrieder die Erlebnisse auf der siebentägigen Skitour. Wobei die Gruppe auch mit Lawinengefahren und einem Schneesturm zu kämpfen hatte. Wichtig für den Olympiazweiten, „die Naturerlebnisse und den Bezug zur Natur auch den jüngeren Generationen zu vermitteln“. Naturschutz werde immer wichtiger, sieht er weitere Erschließungen im Alpenraum kritisch. Ihn fasziniere, „das Thema Alpenschutz den Leuten nahe zu bringen“, sagte Kammerlander. „Regelungen auf freiwilliger Basis und Aufklärung sind viel besser als Verbote“, habe er dabei nur positive Reaktionen erfahren. Bei der Ausübung des Sports sei ein rücksichtsvoller Umgang mit der Natur unerlässlich, sind sich die beiden Spitzensportler einig.

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