Sauer wegen "Grüner Woche"

Lust auf bayerische Spezialitäten wecken soll die Internationale Grüne Woche. Die „größte Verbrauchermesse der Welt“, die im Januar in Berlin stattfand, hatte offenbar auch Mängel. Dies meinen jedenfalls Touristiker und Bürgermeister aus dem Oberallgäu und kritisieren: Lust auf Bayern - und das Allgäu - macht der bayerische Messeauftritt in Berlin nicht. Verstaubt sei die Präsentation, alte Konzepte erreichten nicht die Zielgruppen, die man nach Bayern und ins Allgäu holen wolle. Der Oberallgäuer Landrat, Gebhard Kaiser, soll die Kritik und die Verbesserungsvorschläge an die Verantwortlichen im Landwirtschaftsministerium herantragen und auf Änderungen drängen.

Enttäuscht vom bayerischen Messeauftritt in Berlin ist Ofterschwangs Bürgermeister Alois Ried. Schon allein die Präsentation im so genannten Bayern-Zelt sei auch heuer ein Flopp gewesen: Die Bühne schlecht einsehbar, ein Biergarten, der wie eine Baustelle abgegrenzt war, Informationsstände ohne Personal... Bürgermeister Ried: „Das Bayern-Zelt war schlecht eingerichtet, ein unwürdiger Auftritt.“ Zudem könne er nicht verstehen, warum die Hälfte des Zeltes von Weinhändlern belegt war, die mit Bayern und seinen Produkten nicht das Geringste zu tun hatten. Bei seinem Besuch der Grünen Woche konnte es Alois Ried kaum fassen: Bedienungen im T-Shirt und legeren Jeans oder mit Allerwelts-Dirndl, stachen ihm ins Auge. Und zur Brotzeit gab es „Leberkäs auf Brötchen“, erinnert sich Ried kopfschüttelnd. Das Allgäu - vertreten von den „Hörnerdörfern“, der Sennerei Gunzesried, der Ferienregion Alpsee-Grünten und dem „Allgäuverband Bauernhofurlaub“ - sei in diesem Umfeld noch ein Lichtblick gewesen. Andere Ecken Bayerns hätten sich wesentlich schlechter präsentiert, oft nur mit bergeweise ausgelegtem Propektmaterial, kritisiert Alois Ried weiter. Das sei allerdings kein Trost fürs Allgäu. „Es muss sich was ändern“, sagt Ried und meint: „Revolution!“ Nach den alten Strickmustern dürfe in Zukunft die Grüne Woche im Bayern-Zelt nicht mehr ablaufen. Wenn das Allgäu mit „im Rennen“ sein wolle, dürfe man mit einem solch amateurhaften Messeauftritt nicht stehen bleiben, oder gar zurückgehen in der Qualität, unterstreicht Ried. Der Bürgermeister hat seine Kritik und auch Verbesserungsvorschläge in einem „Konzeptpapier Grüne Woche 2010“ zusammen gestellt und kürzlich seinen Bürgermeister-Kollegen und Landrat Gebhard Kaiser vorgestellt. Dass es auch anders und besser, geht, hätten etwa die Kollegen aus Norwegen gezeigt, ergänzt Theresia Schwarz vom Gästeamt in Bolsterlang. Die Skandinavier zeigten schlaglichtartig auf auf Großbildprojektionen was in ihrem Land alles möglich ist und was Urlauber interessiert. Dazu gab es frisch zubereitet von einer professionellen Kochtruppe Spezialitäten des Landes. „Da war was los“, lobt Theresia Schwarz von den „Hörnerdörfern“ die Vorstellung der Norweger. Stichwort: Emotionen. Ried wünscht sich in seinen „Konzeptpapier Grüne Woche 2010“ nicht nur „bayerische Bedienungen“ und typische Gerichte aus Bayerns Regionen. An den Messeständen müsse „immer was geboten sein“, dürfe kein Leerlauf entstehen. Mit Aktionen wie dem Nagelbrett vor dem Messestand der Allgäuer sei man schon auf dem richtigen Weg gewesen. „Das zieht Leute an“, sagt Theresia Schwarz. Die unbefriedigende Darstellung der Region dürfe sich keinesfalls wiederholen, betonen Schwarz und Ried gleichermaßen. Mit seiner kleinkarierten wie lieblosen Präsentation hebe sich Bayern als Urlaubsland nicht ab von anderen Destinationen. Die Vielfalt der Regionen dürfe sich nicht in Prospektbergen erschöpfen, so Ried weiter. Der Messe-Besuch soll Lust machen auf das Erlebnis Bayern - und das Erlebnis Allgäu. Im bislang nüchternen Biergarten können sich Ried und seine Mitstreiter eine urige Berghütte vorstellen und einen dampfenden Weißwurstkessel. „Dinge, die zum Verweilen einladen, die das Gefühl verstärken: In Bayern ist es schön.“ Landrat Kaiser will das Konzeptpapier Landwirtschaftsminister Helmut Brunner vorlegen und auf deutliche Verbesserungen drängen. Das „Trauerspiel“ dürfe sich im kommenden Jahr nicht wiederholen. Auch der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Dr. Gerd Müller will die Kritik aus dem Allgäu an die richtige Adresse bringen, berichtet Alois Ried. Burgbergs Bürgermeister Dieter Fischer sieht die Messe-Bilanz ähnlich kritisch und gibt seinem Kollegen Ried recht: Der Auftritt müsse generell umgestaltet werden.Das Allgäu habe Besseres verdient.

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