Schalenwild-Management soll Wald-Wild-Konflikt lösen

In der Schublade darf der Managementplan fürs Schalenwild nicht, sind sich Wolf Schröder (von links), Landrat Gebhard Kaiser, Erich Erbgraf zu Waldburg-Zeil und Dr. Ulrich Sauter von der Forstverwaltung einig. Foto: Josef Gutsmiedl

In Sonthofen wurde jetzt der Schalenwild-Managementplan für das Oberallgäu vorgestellt. Die Arbeit von Prof. Dr. Wolf Schröder von der TU München und dem Projektteam soll die aktuelle Wald-Wild-Situation aufzeigen und Wege beschreiben, wie der Spagat Waldverjüngung und an den Lebensraum angepasste Schalenwildbestände geschafft werden kann - bei befriedigender Jagdwirtschaft. Fazit der Untersuchung: Es geht nur im Miteinander der Akteure. Damit die Erkenntnisse der Arbeit in der Praxis umgesetzt werden, soll ein Schalenwild-Manager die Empfehlungen begleiten und als Mittler fungieren. Ein Maßnahmenbündel werde zum Ziel führen, so Schröder.

„Ich gehe davon aus, dass das Gutachten über viele Jahre interessant bleiben wird", schickte Prof. Dr. Wolf Schröder seinen Erläuterungen voraus. Und der Oberallgäuer Landrat hofft, „dass wir diesmal etwas Vernünftiges zuwege bringen“. In der Schublade landen soll das sogenannte Schalenwild-Gutachten jedenfalls nicht. Immerhin hatte Wildbiologe Schröder Ende der 1980er Jahre bereits ein Gutachten erarbeitet. Damals, so räumte Schröder ein, fehlte im Anschluss die fachliche Begleitung, „obwohl dies eine der wichtigsten Vorschläge war“. Das jedenfalls soll sich nicht wiederholen. Dem Schalenwild, vor allem dem Rotwild, geht es im Oberallgäu offensichtlich gut. Schröder macht diese Erkenntnis an der Tatsache fest, dass es im Bereich der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen eine Menge „Spitzenhirsche“ gibt. „Jeder siebente bis achte erlegte Hirsch ist ein Einser-Hirsch. Das ist Spitze in Deutschland“, sagt Schröder. Entsprechend attraktiv sei die Revierverpachtung. Noch eins musste der Wildbiologe der TU München feststellen: in kaum einer Gegend im Alpenraum zeigen die Grundeigentümer weniger Interesse an ihrem Wald und angepassten Wildbeständen wie im Oberallgäu. Der Schwerpunkt liege auf der Alpwirtschaft, die hier bis über 2000 Meter Höhe möglich sei. Beides trage schließlich dazu bei, dass die gewünschte - und notwendige - Verjüngung des Bergwaldes nicht in die Gänge komme, folgert Schröder. Unterm Strich: es gibt mehr Wild als der Lebensraum verträgt, und das führe letztlich zu Interessenskonflikten. Andererseits gebe es Tendenzen, dieses „Einser-System“ wie es Schröder nennt, aufzubrechen. Dort wo den Waldbesitzern am Wald gelegen sei, setzten diese auf Eigenbewirtschaftung. Auch im Staatswald, früher ebenfalls Mitträger des Einser-Systems, sei man umgeschwenkt. Neue Konzepte Drei Ziele machen Schröder und seine Mitarbeiter für ihren Managementplan aus. Neben einem inatakten Bergmischwald, der seine Schutzfunktion erfüllt, soll das Schalenwild in gesicherten Lebensräumen dauerhaft Bestand haben. Schließlich soll eine „für Grundbesitzer und Jäger befriedigende Jagdwirtschaft“ erreicht werden. „Das sind durchaus konkurrierende Ziele, die nicht in zwei oder drei Jahren zu ereichen sind“, räumt Schröder ein. Drei Handlungsfelder sollen zu den Zielen führen. Wichtigste Empfehlung ist die Verbesserung der Kommunikation. „Wo es mit der Kommunikation klappt, läuft es besser“, meint Schröder und verweist auf das Beispiel Hintersteiner Tal. Ein professionelles Schalenwild-Management soll die Abschussplanung verbessern. Drittes „Richtfeuer“, so Schröder, sind regionale Wald-Wild-Konzepte, die die gegenseitige Schuldzuweisungen beenden sollen und in eine gemeinsame Lösungssuche münden. Mit einem Bündel von Maßnahmen, das das Gutachten den Beteiligten mit auf den gibt, könnte das Ziel erreicht werden. So müssten zum Beispiel die „freien Fütterungen“ auf den Prüfstand. Um das Reizwort Wintergatter kam Schröder nicht herum: Um eine Reduzierung des Rotwildbestandes zu erreichen müsse „in gut begründeten Ausnahmefällen“ ein Abschuss im Wintergatter erlaubt werden. Das sei durchaus vom Jagdgesetz gedeckt. Genau hier gab es allerdings umgehend Protest aus der Versammlung: die Berufsjäger wollen sich mit einem Positionspapier gegen diese Methode wenden. Eine „sachliche Diskussion“ wünscht sich dagegen Schröder. Statt übereinander zu reden, müsse man miteinander reden, drängt Kaiser. Was den Schalenwild-Manager angeht, zeichnet sich bereits ein erster Erfolg ab. Die Forstbehörde am Landwirtschaftsamt Kempten und der Landkreis Oberallgäu wollen die Kosten für diese neue Stelle je zur Hälfte tragen, deuteten Dr. Ulrich Sauter vom Landwirtschaftsamt und Landrat Gebhard Kaiser an. Mitspielen will auch die Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen, wie der Vorsitzende, Erich Erbgraf von Waldburg-Zeil, signalisierte. „Die Jägerschaft ist willens mitzumachen und Lösungen zu finden“, so Waldburg-Zeil, „das muss nicht jedem schmecken.“ „Druck machen“ seitens einer Behörde, um die Durchsetzung von Maßnahmen zu erreichen, sei kaum möglich, stellt Schröder fest. Vielmehr lebe der Managementplan „von der Mitwirkung aller Beteiligten“ und der Freiwilligkeit.

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