Scharfe Schüsse auf Grenzgänger

Die neue Runde im Streit ums Rotwild setzt offenbar dort ein, wo er in den 1990er Jahren endete: Wie viele Hirsche verträgt der Wald - und wieviele Schäden wollen die Waldbesitzer akzeptieren? Damals waren Jagdpächter Wolfgang Grupp, Chef der „Trigema“, und die Jagdgenossenschaft Missen im Streit auseinander gegangen. Kommt jetzt die Retourkutsche durch eine Privatjagd mit einem Rotwildbestand, der benachbarte Waldgebiete in Mitleidenschaft zieht, fragen sich die Waldbesitzer in Missen.

„Ein Wildbestand außer Kontrolle“, bringt Peter Jäck die Situation im Missener Ortsteil Aigis auf den Punkt. Der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Missen hatte über die Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Oberallgäu zu einer Waldbegehung eingeladen. Der Ortstermin sollte zeigen, welche Schäden die Hirsche im Wald außerhalb des rund 300 Hektar großen Geländes im Privatbesitz von Unternehmer Grupp anrichten. „Schälschäden ohne Ende“, fasst Jäck seine ernüchternde Bilanz zusammen. „Man muss das Rotwildgeschäft in Griff kriegen.“ In manchen „Ecken“ des Waldes, so hatte sich gezeigt, sind tatsächlich zahlreiche Bäume weiß geschält bis aufs Holz. Verursacher der Schälschäden und des massiven Verbisses von jungen Waldbäumen seien die Hirsche, die der ehemalige Jagdpächter, Wolfgang Grupp, auf seinem Privatbesitz seit drei Jahren halte, so die Vertreter der Jagdgenossenschaft. Immer wieder wechselten einzelne Hirsche über die Reviergrenze und richteten Schäden an. Grupps „Hobby“ sei in dieser Form ohnehin nicht legal, da sich das Ganze in einem „Rotwild freien Gebiet“ abspiele, kritisieren die Waldbesitzer. Jagdreviere, die außerhalb eines Rotwildgebietes liegen, sind rotwildfrei zu machen und zu halten , so heißt es in der Verordnung zur Ausführung des Bayerischen Jagdgesetzes. „Ich habe eher den Eindruck, dass die Interessen des Herrn Grupp Vorrang haben“, sagt Alois Wipper, ein geschädigter Waldbesitzer. „Bei uns herrschen rechtswidrige Zustände.“ „Da besteht akuter Handlungsbedarf“, stellt die Landtagsabgeordnete Ulrike Müller aus Missen nach dem aufschlussreichen Marsch durch den Wald bei Aigis fest. Die Behörden müssten endlich „Druck machen“, fordert die Abgeordnete. Druck hat die Abgeordnete der Freien Wähler Ende vergangenen Jahres bereits mit einer Anfrage im Landtag gemacht. Ulrike Müller wollte wissen, ob die Durchsetzung der Rotwildfreiheit zu lasch gehandhabt werde und Verstöße nicht geahndet würden. Der „Vorgang“ im Bereich der Gemeinde Missen-Wilhams, so die Antwort aus dem Landwirtschaftsministerium, werde geprüft. Dabei seien „vor Erlass vollziehbarer Anordnungen auch mildere Mittel in Betracht zu ziehen, etwa kooperativ mit den Beteiligten auf einvernehmliche Lösungen hinzuwirken“. Anton Klotz, Stellvertretender Landrat und Beiratsvorsitzender der Bergwaldoffensive im Oberallgäu, meinte bei der Besprechung des Waldbegangs: „Die Botschaft ist angekommen.“ Der Wald und die zum Teil eingeleitete Naturverjüngung müssten Vorrang haben. Ziel sei es, dass Mischwald ohne Hilfsmittel wie Einzäunungen aufkommen könne. Das sei auch im Interesse der Waldbesitzer, so Klotz. Klotz will darauf drängen, dass die Gespräche zwischen Wolfgang Grupp und den zuständigen Behörden wieder in Gang kommen. Vernünftige Lösungen könnten wohl nur in Einvernehmen in die Wege geleitet werden, gab Klotz zu bedenken. Eine Einzäunung des großen Areals sei schwierig. Die intensive Bejagung eine „Kraftanstrengung“. Tatsächlich sieht auch Jagdberater Georg Jörg diese Möglichkeit: „Schießen, was über die Grenze kommt, können sie ja...“ Von der zuständigen Unteren Jagdbehörde im Landratsamt Oberallgäu wurde auf Nachfrage des KREISBOTE angedeutet, dass es bald schon ein weiteres Gespräch geben soll. Bis dahin werde keine Stellungnahme zum Sachverhalt abgegeben.

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