In der Endlosschleife

Schinderei im Stundentakt: 24-Stunden-Rennen für »Berglinge«

Andy Brittain (rechts) mit seinem „Bergling“-Team
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Andy Brittain (rechts) mit seinem „Bergling“-Team

Oberallgäu – Zu seinem 50. Geburtstag bekam Andy Brittain vom „Bergling Laden“ in Sonthofen einen Startplatz geschenkt: Die „Lizenz sich zu schinden – beim „Schinder Backyard Trail“ in Rettert bei Wiesbaden. Ein besonderes „Hinterhofrennen“, in das sich Brittain und einige „Geburtstagsgäste“ stürzten.

„Dieses Format ist ein Ausscheidungsrennen „Last runner standing“, erklärt Andy Brittain. Dabei gehen alle Starter zu jeder vollen Stunde zusammen auf die Rennstrecke. Beim Original aus Tennessee ist jede Runde 4,166 Meilen lang, also 6,7 Kilometer, was nach 24 Stunden ziemlich genau 100 Meilen und 160 Kilometer ergibt. 

„Jeder Läufer hat also pro Runde 60 Minuten Zeit und kann die restlichen Minuten bis zum nächsten Start zur vollen Stunden ausruhen, essen oder tun was immer er möchte“, erklärt der leidenschaftliche Ausdauerläufer und Trailrunner Andy Brittain aus Rettenberg.

Begleitet von sieben weiteren Teammitgliedern und ca. 200 gesamt Teilnehmer machten sich die Allgäuer am Freitagabend auf den Weg zu einem Rennen ohne Ende. Nur einer kann gewinnen alle anderen bekommen ein DNF (Did not Finish) in die Rangliste eingetragen. Wer abbricht, ist raus...

Die Strecke führte auf und ab durch den Wald mit einem Höhenunterschied von rund 80 Metern pro Runde.

„Die Strategie bei diesem Rennen kann sehr unterschiedlich sein“, berichtet Andy Brittain. Sehr schnelle Runden hätten den Vorteil einer längeren Pause, verbrauchten aber viel mehr Energie. Langsame Runden ziehen sich während des Laufens und geben nur wenig Zeit, sich zu erholen.

Schwierige Temposuche

Gewohnt, die Berge möglichst schnell zu erklimmen, fiel es allen „Berglingen“ aus Sonthofen von Anfang an schwer, das Tempo optimal zu gestalten. Der Pulk der Läufer beendete jede Runde sehr gleichmäßig zwischen 48 oder 53 Minuten. Möglichst wenig Pause, um der Müdigkeit keine Chance zu geben, ist hier die Strategie.

Sehr viel leichter hatten sich Thorsten Reichelt und Rabea Brittain den Lauf vorgestellt. 6,7 Kilometer innerhalb einer Stunde seien nicht wirklich viel. „Aber durch die notwendigen Pausen, die man sich erlaufen – herausschinden – wollte, konnte man auch nicht trödeln.“ Ein bisschen Roulette...

Nach relativ kurzen sechs Stunden und etwas über 41 Kilometern Strecke gaben Andy und Rabea Brittain ebenso auf wie Thorsten Reichelt und Ronja Brinkmann. Petra Schanz, Alice und Martin Pulfer strichen schon früher die Segel. Meikel Deuschle musste dann bei der 8-Stunden-Marka das Handtuch werfen.

Einzig Sven Mehrer aus Blaichach, trotzte der Müdigkeit und den widrigen Bedingungen und schaffte seinen Laufstreckenrekord mit 16 Stunden und 107 Kilometer.

Völlig unterschätzt habe Andy Brittain diese Art des Wettkampfes: „Die mentale Stabilität, den Stress der Pausen und auch den Kampf gegen die Müdigkeit sind nur einige der Herausforderungen, denen man sich stellen muss, wenn man wie die Siegerin Marina Kollassa aus Bottrop 32 Stunden unterwegs ist und sich mit 214 Kilometern den Sieg erläuft.“ Übrigens, die Dame war e in Sandalen unterwegs.

Die Frage ob eine nochmalig Teilnahme bei einem Backyard-Rennen in Planung ist, verneinten alle Teilnehmer rechts spontan. „Wenn, dann nur mit besserer Vorbereitung“, sagt Sven Mehrer.

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