Riedberger Horn: Landtag beschließt Änderung des Alpenplanes

Die Fronten sind weiter verhärtet

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Der bayerische Landtag hat sich vergangenen Donnerstag mehrheitlich für eine Reform des Landesentwicklungsprogrammes ausgesprochen – seit Monaten ein Streitthema unter den Parteien. Damit einhergehend sprach sich das Parlament auch für eine Änderung der Schutzzonen am Riedberger Horn aus. Der nächste Schritt zum Bau der umstrittenen Skischaukel ist damit getan.

Um den Bau der Skischaukel zwischen Obermaiselstein und Balderschwang zu ermöglichen, wurden Änderungen am Alpenplan vorgenommen: am Riedberger Horn wurden 80 Hektar aus der Alpenschutzzone C (die „höchste“ Schutzzone, hier darf keine touristische Infrastruktur angelegt werden) entnommen, dafür wurde eine Ersatzfläche von 304 Hektar direkt am Ried­berger Horn und am benachbarten Hochschelpen neu als Alpenschutzzone C deklariert. Der Alpenplan gilt seit 1972 und ist verbindlicher Teil des Landesentwicklungsplanes Bayern – unverändert bis vergangenen Donnerstag. Die Pläne für den Bau der Skischaukel sorgen seit Jahren für Streit: Naturschutz contra Tourismus – die Fronten sind verhärtet.

Die Befürworter

Obermaiselsteins Bürgermeister Peter Stehle zeigte sich am Freitag froh über die Entscheidung. „Ich hoffe, dass jetzt erst einmal Ruhe einkehrt“, so Stehle. Falsche Behauptungen und Übertreibungen über die Pläne der Skischaukel seien im Umlauf, Lügen, die auch dazu führten, dass Leute, die nicht in der Region leben, sich gegen die Pläne stellen. Beispielsweise ginge das Gerücht um, dass das Riedberger Horn „zubetoniert“ und eine übermäßig große Gipfelstation gebaut werden solle. Alles Lügen, wie Stehle betont. Die Pläne sähen lediglich die Verlängerung eines bestehenden Liftes um etwa 40 Prozent der Länge vor. Eingriffe in den Boden beträfen nur etwa 350 Quadratmeter: für Stützen und die neue Bergstation.

Die Liftverbindung zwischen Obermaiselstein und Balderschwang sei für die Zukunft des Tourismus in den beiden Gemeinden unabdingbar. Sie diene der Qualitätssicherung, die beiden Skigebiete seien für sich allein, verglichen mit anderen Skigebieten, einfach zu klein. In Obermaiselstein entfallen 44 Prozent der Gästeübernachtungen auf den Winter. Vor allem Familien sei es wichtig, dass vor Ort Liftanlagen zur Verfügung stehen, die ausreichend Skivergnügen bieten. „Wir wollen familiär bleiben“, betonte Stehle, dass sich Obermaiselstein wie auch Bolsterlang nicht in Konkurrenz zu den großen Skigebieten in Österreich sehen. Die Qualität des Skigebiets müsse aber auch für die Zukunft gesichert sein, sonst bleiben die Gäste weg. Natürlich müsse auch an die Wanderer, an die Sommergäste gedacht werden, „da kann ich doch nicht das Ried­berger Horn zubetonieren“, so Stehle weiter. „Wir wollen der Natur doch keinen Schaden zufügen“, wehrte sich Stehle gegen die Vorwürfe der Naturschutzverbände. Seit 50 Jahren gebe es am Ried­berger Horn einen Skibetrieb. Grasgehren sei in der Region das Skigebiet mit der größten Schneesicherheit. Das Gelände sei „naturnah“, die Population der gefährdeten Birkhühner habe in den vergangenen Jahren sogar zugenommen – zwischen zwei Skipisten. Die Pläne für die Skischaukel seien nur eine von ursprünglich fünf Alternativen – auf die anderen vier habe man wegen des Umweltschutzes bewusst verzichtet.

Die Gegner

Ganz anders sehen die Situation die Gegner der geplanten Skischaukel. Thomas Gehring, Allgäuer Landtagsabgeordnete der Grünen, ist mit der Entscheidung des Landtages „nicht zufrieden“. Gehring hatte sich vor der Abstimmung im Landtag in einer flammenden Rede für die Beibehaltung des Alpenplanes eingesetzt und seine Landtagskollegen gebeten, sich die Argumente der Gegner zu Herzen zu nehmen. „Die Argumente sind nicht gehört worden“, so Gehring im Gespräch mit dem Kreisbote, vor allem aus den Reihen der CSU. Für ihn ist die Entscheidung zur Änderung des Alpenplanes „fatal“, es sei nun ein Präzedenzfall geschaffen, andere Regionen „werden folgen“, so Gehring weiter. Eine Bebauung des betreffenden Gebietes verstoße klar gegen die Alpenschutzkonvention, außerdem liege das Gelände in einem Vogelschutzgebiet. In Gehrings Augen sind die Eingriffe in die Natur zudem keineswegs gering: Neben der Lifttrasse werde es auch eine neue Skiabfahrt geben, die zudem beschneit werden müsse.

Nach der Entscheidung des Landtages, so Gehring weiter, müssen die Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein nun im Landratsamt einen Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplanes und einen Bauantrag einreichen. Landrat Anton Klotz, bei dem letztendlich die Entscheidung liegt, muss die Bedenken gegen den Bau der Skischaukel auf jeden Fall berücksichtigen. Die Naturschutzverbände werden klagen – wenn nicht schon jetzt gegen die Entscheidung des Landtags zur Änderung des Alpenplanes, dann sicherlich gegen eine positive Entscheidung des Landratsamtes. Am Donnerstag hatte sich zumindest der „Freundeskreis Riedberger Horn“ noch mit einer Mahnwache vor dem Landratsamt begnügt. Mit Schildern wie „Hände weg vom Riedberger Horn“ demonstrierten sie gegen die Skischaukel – die Entscheidung des Landtages quittierten sie mit lauten „Buh“-Rufen.

Naturschutzverbände wie der Landesbund für Vogelschutz LBV, aber auch der Deutsche Alpenverein DAV, befürchten, dass mit dieser erstmaligen Änderung ein Präzedenzfall für weitere Eingriffe in den Alpenplan geschaffen wurde. „Dies ist ein schwarzer Tag für die Natur im bayerischen Alpenraum“, sagte der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. „Mit dem Alpenplan verlieren wir ein einzigartiges Instrument, das über Jahrzehnte eine nachhaltige Entwicklung im Alpenraum ermöglichte“, so Schäffer weiter. Durch die verbindlichen Zonen im Alpenraum seien die Belange von Naturschutz, Tourismus, Anwohnern und Wirtschaft gleichermaßen berücksichtigt. „Diese Verbindlichkeit wurde heute gebrochen und damit dem Raubbau an der Natur und der Zerstörung einer einzigartigen Landschaft Tür und Tor geöffnet!“ „Da stehen die letzten Lebensräume einiger unserer heimischen Arten wie dem Birkhuhn auf dem Spiel“, warnt Schäffer.

DAV-Vizepräsident Rudi Erlacher sagt dazu: „Die Änderung des Alpenplans ist sowohl in touristischer als auch in ökologischer Hinsicht eine Katastrophe. Sie weist in die falsche Richtung und setzt dabei eine nachhaltige Entwicklung der bayerischen Alpen aufs Spiel: Einzelinteressen werden über das Gemeinwohl gehoben. Wir werden alle sinnvollen Mittel einsetzen, um den Alpenplan und das Riedberger Horn zu retten.“ Und auch der LBV droht mit einer Klage: „Sollten die Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein an den Plänen für einen Verbindungslift mit Piste und Beschneiungsanlagen, quer durch einen der wertvollsten Birkhuhnlebensräume Bayerns festhalten, so wird der LBV mit allen rechtlichen Schritten dagegen vorgehen“, so Schäffer.

Der LBV-Vorsitzende sieht die Pflicht nun beim Landratsamt Oberallgäu: „Eine Skischaukel am Riedberger Horn verstößt gegen internationales Recht und widerspricht allen Empfehlungen durch Experten und Fachbehörden. Dieses Projekt nur aufgrund wirtschaftlicher Einzelinteressen gegen den Willen der Bevölkerung und unter Aufwendung großer Summen an Steuergeldern durchzuziehen, wäre unverantwortlich!“

Nach Meinung von Thomas Gehring wird der Streitfall Riedberger Horn noch weite Kreise ziehen: „Das ist inzwischen bayernweit ein Symbol für die Anti-Umwelt-Haltung der Staatsregierung!“

eva

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