Schluss mit Anpassungsprojekten

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KREISBOTE, Allgäu - „Nach dem Abschluss zahlreicher großer Straßenbauprojekte im Jahr 2009 wie der A7 bei Füssen und der B19 zwischen Kempten und Immenstadt ist nun eine Investitionsoffensive für eine umweltfreundliche Mobilität notwendig“, so Richard Mergner, der Landesbeauftragte des Bund Naturschutz. Denn nur durch Energieeinsparung in allen Bereichen könne der Klimawandel auf ein verträgliches Maß begrenzt werden. „Antwort der Tourismuswirtschaft auf den Klimawandel dürfen keine naturzerstörerischen Anpassungsprojekte, wie Schneekanonen und neuen Skigebietserschließungen in Hochlagen sein“, so Björn Reichelt, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu und der BN Ökostation Schwaben. „Das Allgäu wird nur dann eine dauerhaft erfolgreiche Tourismusdestination sein, wenn die Angebote mit der Natur gehen, denn die Landschaft ist unser Kapital.“ „Immer mehr Bürger erkennen, dass Naturschutz nicht nur die Heimat und Lebensqualität bewahrt, sondern gleichzeitig auch Geld spart,“ bilanziert Richard Mergner, Landesbeauftragter des BN die starke Unterstützung und steigende Mitgliederzahlen. „Diese Synergien wollen wir 2010 im Internationalen Jahr der Biodiversität herausstellen: Natur ist wahrer Reichtum.“ Die vier Allgäuer BN-Kreisgruppen führen auf 175 Grundstücken mit einer Fläche von ca. 180 Hektar praktische Naturschutzarbeit durch. Davon sind 73 Hektar im Besitz des BN und damit dauerhaft für den Naturschutz gesichert. Einer der Schwerpunkte der praktischen BN-Naturschutzarbeit im Allgäu liegt im Moorschutz. Flächenverbrauch Im Allgäu wurde innerhalb von zwei Generation soviel Fläche neu für Siedlungs- und Verkehrszwecke bebaut, wie alle vorangegangenen Generation zusammen. Pro Tag werden 1,2 Hektar neu verbraucht. Gerade in Zeiten von Landnutzungskonflikten zwischen Energiepflanzenanbau, Landwirtschaft und Naturschutzflächen müsse der Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr drastisch reduziert werden. Nicht hinnehmbar sind neue Straßenbau und Siedlungsprojekte in geschützten Gebieten, wie im Bannwaldgürtel um Kaufbeuren-Neugablonz. Erschließungsdruck Ein „ständig steigender Erschließungsdruck“ ist dem Bund Naturschutz zufolge im Allgäuer Alpengebiet festzustellen. Seit einigen Jahren würden die Kapazitäten der Liftanlagen deutlich erhöht und ein Großteil der Pisten als „Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ inzwischen beschneit. Im Landkreis Oberallgäu wird mit rund 190 Hektar künstlich beschneiter Fläche weit mehr Fläche beschneit als in jedem anderen bayerischen Alpenlandkreis. Neu sei, so der BN in seiner Bilanz weiter, dass jetzt auch in bisherige Ruhe- und Tabuzonen geplant werde. Ein erster für Erholungsuchende aber auch für die Tier- und Pflanzenwelt beklagenswerter Eingriff stelle die 2009 erteilte Genehmigung des Ausbaus des Skigebietes im Gunzesrieder Tal dar, da es bisher dem extensiven Tourismus vorbehalten war. Eine neue Dimension stellten die Pläne zum Zusammenschluss der Skigebiete Balderschwang und Grasgehren am Riedberger Horn dar. Erstmalig wird in die seit 1972 im Bayerischen Landesentwicklungsprogramm ausgewiesene Ruhezone C geplant. In dieser Zone seien keine touristischen oder verkehrlichen Infrastrukturen erlaubt. „Der Bund Naturschutz wird alles tun, um einen Präzedenzfall in der Zone C des Alpenplanes abzuwehren“, so Richard Mergner. Denn der besondere Charakter des bayerischen Alpenraumes sei auch seinen großflächigen Ruhezonen zu verdanken, die Raum ließen für Erholungssuchende, Tiere und Pflanzen abseits des Massentourismus. Mobilität „2009 wurden mit der A7 Nesselwang-Füssen und der B19 Kempten-Immenstadt zwei große über Jahrzehnte umstrittene und ökologisch unverantwortliche Straßenbauprojekte fertig gestellt. Parallel wurden Projekte des Umweltverbundes, wie das Regionalbahnkonzept Allgäu nicht weiterverfolgt“, beklagt der BN in seiner Allgäu-Bilanz weiter. Durch die einseitigen Investitionen in den Straßenbau verschlechterte sich die Attraktivität des Umweltverbundes massiv. Wolle das Allgäu im Klimaschutz Erfolge verbuchen, so müsse auch der Verkehrsbereich in die Klimaschutzmaßnahmen einbezogen werden. Ein moderne klimaschützende Verkehrspolitik beinhaltet dem BN zufolge eine Investitionsoffensive im Öffentlichen Personennahverkehr mit sofortigem Start der Detailplanungen für ein Regionalbahnkonzept Allgäu bei Einführung eines Halbstundentaktes und zusätzlichen Haltestellen auf allen Strecken. Daneben soll der Busverkehr mit dichtem Taktfahrplan verbessert sowie eine Containerumschlagstelle im Allgäu geschaffen werden. Ergänzt würde die Initiative von einer offensiven Bewerbung und Pauschalpaketen von Urlaubsangeboten ohne Autoanreise Klimaschutz Jetzt sei es wichtig, dass Klimaschutzprojekte vor Ort umgesetzt würden. Das Allgäu als sonnenreichste Region Deutschlands habe große Potentiale in der Solarenergie: Die BNEnergievision geht davon aus, dass die Sonne bis zu 25 Prozent zum bayerischen Energiemix beitragen kann. Ein weiteres großes Standbein regenerativer und atomstromfreier Energieerzeugung ist die Windkraft, die nach Ansic ht des BN auch im Allgäu weiter ausgebaut werden müsse. Der Bund Naturschutz wäge bei Projekten erneuerbarer Energiequellen immer genau den Nutzen und die Gefahren für Natur und Umwelt ab. So engagierte sich der BN 2009 mit Erfolg gegen ein neues Wasserkraftwerk an der Stillach im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen. Das Naturjuwel Stillachklamm sei gerettet worden, verbucht die Bilanz weiter. Dort hätten die Eingriffe den Nutzen aus C02-neutralem Strom bei weitem überstiegen.

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