Schluss mit "weiter so!"

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HEINRICH BONERT, Oberstdorf – Die angespannte Finanzlage der Marktgemeinde stand im Mittelpunkt der Oberstdorfer Bürgerversammlung. „Die Situation ist beunruhigend“, skizzierte Bürgermeister Laurent Mies die finanzielle Schieflage. Insgesamt 70 Millionen beträgt die Schuldenlast. Dazu schiebt Oberstdorf einen Investitionsstau von 72 Millionen Euro bei Gymnasium, Straßenbau, Kanalisation und anderen Vorhabenvor sich her. „Ein Weiter so führt zwangsläufig in die Sackgasse“, machte Mies deutlich, dass zukünftig „auf Gewohntes und Liebgewonnenes“ verzichtet werden muss. Er stimmte in seiner Rede die Anwesenden neben Leistungseinschränkungen auf Erhöhungen von Steuern, Abgaben und Beiträgen für Bürger und Gäste ein. „Die Investitionen von gestern sind die Abgaben und Steuern von heute und morgen“, so der Bürgermeister. Oberstdorf habe sich in den letzten Jahren übernommen und schleichend seine Vermögenswerte veräußert, schilderte er die Entwicklung. Der Markt habe Schwierigkeiten seine Pflichtaufgaben zu erfüllen. Zur Schuldentilgung müsse Oberstdorf neue Schulden machen. Derzeit fehlten im Haushalt eine Million Euro zur Mindestzuführung. Sinkenden Einnahmen stehen in allen Bereichen steigende Kosten entgegen, machte der Bürgermeister die Brisanz deutlich. So reichten bei den Kurbetrieben die laufenden Einnahmen nicht um die Kosten zu decken. Verzichten Sparen sei eigentlich das falsche Wort, so Mies. Es gehe um Verzichten und um eine ehrliche Diskussion, wo Leistungen gekürzt werden können und was Oberstdorf sich noch leisten kann. Die Zeiten „politischer Spielchen“ sollten endgültig vorbei sein, mahnte er ein gemeinsames Handeln an. Bei einer klaren Positionierung am Urlaubsmarkt, um neue Gäste zu gewinnen sei man auf dem richtigen Weg, so Mies. Bestehen könne man hier nur durch Qualität. Mit dem Angebot „Oberstdorf inklusive“ wolle man zukünftig den Oberstdorfer Übernachtungsgästen einen Mehrwert bieten. Was allerdings mit einer Erhöhung des Kurbeitrages verbunden sei. Die Kurbetriebe brauchten alleine ein Viertel ihres Budgets für Zins und Tilgung und seien damit kaum noch handlungsfähig. Und dies beim Hauptwirtschaftsfaktor Tourismus. Hier arbeite man an einer „Kostenwahrheit“, was dem Tourismus und was den Bürgen zugute komme. Mies gab ein Bekenntnis zu sportlichen Großveranstaltungen ab. Die Frage sei aber auch hier, „was soll und darf der Sport Oberstdorf kosten“. Ziel sei, dass der Sport sich selbst finanziere. „Ohne Zuschüsse werden wir uns das Eislaufzentrum nicht mehr leisten können“, nimmt der Bürgermeister hier Bund und Land in die Pflicht. „Wir müssen uns auf das beschränken, was wir uns leisten können“, sieht Mies den Sparkurs, verbunden mit einer Einnahmenerhöhungen, als „alternativlos“. Er appellierte an die Mithilfe und das Verständnis der Oberstdorfer und sprach von der „neuen selbstbewussten Bescheidenheit eines wunderschönen Bergdorfes“. In der Aussprache gab es Lob aus der Bürgerschaft für die offene und klare Darstellung. Auch wenn es manchem Bürger angesichts der Zahlen „kalt über den Buckel gelaufen“ sei. Kritik von Vermietern gab es bei der geplanten Erhöhung der Kurtaxe. Die Vermieter treibt die Sorge um, ob dies von den Gästen akzeptiert wird. Thomas Dünßer – Vorsitzender vom Verein der Vermieter – sprach gar von einer „Mogelpackung“, da viele Stammgäste die Leistungen nicht nutzen. Mies wies diesen Vorwurf zurück, zeigte aber Verständnis für die Bedenken. Bei aller unterschiedlicher Wertung sehe er einen Mehrwert für die Gäste. Andere möchten auch den Busverkehr inklusive für Urlauber mit Gästekarte haben. Was allerdings zu einer weiteren Erhöhung von etwa einem Euro pro Übernachtung führen würde, wie Tourismuschef Pobatschnig erklärte.

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