Schnelles Aus fürs Bürgerhaus

Zum Schluss ging es sehr schnell: Die düsteren Prognosen des Kämmerers zur Finanzentwicklung der Kommune brachte schließlich das Aus für das mehrere Jahre lang verfolgte Projekt „Dorfzentrum Blaichach“. Nach einer Klausurtagung zur Finanzsituation Ende Januar beschloss der Gemeinderat mit großer Mehrheit, das 10,7-Millionen-Projekt „zu den Akten“ zu legen. Das Dorfzentrum mit Bürgerhaus sei nach den jüngsten Planungen nicht zu finanzieren, ohne eine dramatische Neuverschuldung einzugehen und die Kommune langfristig ihrer Handlungsfähigkeit zu berauben.

Aus seinem persönlichen Empfinden über den Gemeinderatsbeschluss, den er übrigens selbst mitgetragen habe, macht Blaichachs Bürgermeister Otto Steiger (FW) kein Geheimnis: „Ich bin enttäuscht, aber nicht entmutigt über das Aus des Projektes.“ Enttäuscht deshalb, weil eine mehr als fünfjährige intensive Arbeit nicht von Erfolg gekrönt worden sei. Entmutigen könne ihn das Scheitern des Vorhabens allerdings nicht. Der Bedarf an geeigneten Räumlichkeiten für die Vereine und für kulturelle Veranstaltungen in Blaichach sei da, so Otto Steiger. Jetzt gelte es nach neuen Lösungen zu suchen. Wenn alle weiter an einem Strang zögen, werde sich ein Weg finden. Er, Steiger, sei bis zuletzt optimistisch gewesen, das Projekt verwirklichen zu können. „Ich fühle mich wie ein Langstreckenläufer, der 100 Meter vor dem Ziel einen Wadenkrampf bekommt und es nicht bis ins Ziel schafft“, beschreibt Steiger seine Stimmung. Dabei, so ergänzt er, sei es weder dem Gemeinderat noch ihm persönlich darum gegangen, „uns ein Denkmal“ zu setzen. Mitte vergangenen Jahres hatte sich der Gemeinderat noch einmal für eine weitere Verfolgung des Projektes ausgesprochen. Allerdings sollte der Eigenanteil der Kommune die Marke von vier Millionen Euro nicht übersteigen. Als dann Kämmerer Armin Strele den Haushaltsentwurf für das Jahr 2009 vorstellte und einen Ausblick auf die zu erwartende Entwicklung der Finanzsituation gab, schien der Punkt erreicht, die „Reißleine zu ziehen“. Parteiübergreifend sei die Erkenntnis gereift, dass sich die Gemeinde nicht zuletzt in der jetzigen Wirtschaftssituation mit dem Projekt übernehmen würde. Wie Immenstadt stellt sich Blaichach angesichts der Flaute der Automobilbranche auf massive Einbrüche beim Gewerbesteueraufkommen ein. Die Kommune, so die Vertreter der Fraktionen im Gemeinderat einhellig, stehe vor wichtigen, und kostenträchtigen Aufgaben. So etwa der Schaffung von Krippenplätzen, der Schulsanierung, Fortführung des Hochwasserschutzes oder der Sanierung der „Hohen Brücke“ in Gunzesried. Das Dorf- und Bürgerzentrum hätte zu einer Erhöhung der Pro-Kopf-Verschuldung von heute 1100 auf 2500 Euro gebracht, rechnet Christian Matzek (SPD) vor. „Das ist weit über dem Durchschnitt im Landkreis und in Bayern. Die Handlungsfähigkeit der Gemeinde wäre bedroht“, gibt er zu bedenken. Matzek: „Es wäre verantwortungslos, in dieser Lage das Projekt auf Gedeih und Verderb durchzuziehen!“ Wie seine Gemeinderatskollegen Andrea Uth (Bündnis 90 / Die Grünen) und Daniel Gehring von der CSU gibt sich Matzek erleichtert über den „klaren Schlussstrich“ und sieht das Aus für das Projekt als neue Chance. „Es geht darum, eine starke Gemeinde im Rahmen der Möglichkeiten zu erhalten.“ Darüber, dass die Vereine – vor allem der Trachtenverein und die Musikkapelle – geeignete Räumlichkeiten benötigen, herrscht in allen Fraktionen ebenfalls Einigkeit. Die alte Mehrzweckhalle werde es bestenfalls noch zwei Jahre „machen“, ergänzt Otto Steiger. Überlegt werde auch, ob im Zuge der Schulsanierung eine Lösung gefunden werden könne. Neue Gespräche mit den Vereinen sollen demnächst beginnen und in einer Bürgerversammlung am Montag, 16. Februar, will der Gemeinderat seine Entscheidung erklären. Rund 375 000 Euro wurden durch die Gemeinde bislang für das Projekt aufgewendet. Bürgermeister Steiger sieht das Geld jedoch nicht „vernichtet“. Die bisherigen Vorarbeiten seien weit gehend ohnehin erforderlich gewesen - unabhängig vom Projekt „Bürgerzentrum“, betont Steiger. Das Aus für das Projekt wird allerdings die Bagger nicht stoppen: Beim Abriss von „Reichsadler“, dem Bahnhofsgebäude und zweier alter Wohnhäuser bleibt es. Wie die Nutzung für das „Filetgrundstück“ in der Ortsmitte jedoch aussehen soll, bleibt – erst einmal – offen. Konkrete Pläne für ein neues Seniorenzentrum an der Immenstädter Straße gibt es allerdings.

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