Schüler Petition Oberallgäu: Keine Abschlussprüfungen

Oberallgäuer SchülerInnen starten Petition für ein Durchschnittsabitur

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Die Oberallgäuer Schülerin Zoe Finger und der Schüler Dustin Tauscher haben sich in einem offenen Brief an  Ministerpräsident Markus Söder und Kultusminister Michael Piazolo gewandt.

Die Oberallgäuer Schülerin Zoe Finger und der Schüler Dustin Tauscher haben sich in einem offenen Brief an  Ministerpräsident Markus Söder und Kultusminister Michael Piazolo gewandt. Sie fordern ein Durchschnittsabitur und weisen auf die Schwierigkeiten hin, die das Lernen von zu Hause aus mit sich bringt. Außerdem sorgen sie sich: "Was passiert, wenn an unserer Schule oder in der Klasse COVID 19 festgestellt wird"

Zoe Finger aus Oberstdorf und Dustin Tauscher aus Fischen wenden sich in ihrem offenen Brief an die Politik. Sie wünschen sich ein sogenanntes Durchschnittsabitur. Das bedeutet, dass der Abschluss ohne Prüfungen vergeben wird. Anstelle der Prüfungsnoten soll der Durchschnitt der bisher erbrachten Tests als Abiturnote dienen. 

Sie begründen ihre Forderung damit, dass das Lernen von zu Hause nicht gleichzusetzen mit Schulunterricht sei. Einige Schüler und Schülerinnen hätten keine geeigneten technischen Mittel zur Verfügung und müssten auf ihrem Smartphone anstatt einem Laptop lernen. Auch lärmende kleine Geschwister, gestresste Eltern im Homeoffice aber auch eigene Sorgen und Ängste würden das Lernen zu Hause nicht immer einfach machen. Zwar soll der Unterricht für Abschlussklassen bald wieder starten, aber auch darüber sorgen sich die Schüler und Schülerinnen. Eine erhöhte Ansteckungsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln und zu kleine Klassenräume sprechen die Schüler und Schülerinnen in ihrem offenen Brief an.

Um ihr Anliegen zu bestärken, haben sie eine Online Petition angelegt und bitten um zahlreiche Unterstüztung: https://www.openpetition.de/petition/online/keine-abschluss-arbeiten-in-2020-fuer-alle-bayrischen-schueler

Der offene Brief der Oberallgäuer SchülerInnen

"Wir werden in die Geschichte eingehen, als Generation C, C wie Coronavirus. Uns ist die Situation klar. Sie ist sehr ernst, für alle. Egal, ob es die Gesundheit betrifft, den Job oder eben die Bildung. Ängste begleiten uns die letzten Wochen. Und was die Zukunft bringt, ist noch offen. Wir in Bayern stehen gemeinsam, egal ob Gymnasium, Mittelschule oder Realschule, vor dem „Schulabschluss 2020 – wie soll das gehen?“. Unsere Prüfungen wurden verschoben, an geregelten Unterricht war nicht zu denken, geschuldet dem Virus.

Deshalb haben in Hamburg und Bayern Schüler Petitionen zu den Abi Prüfungen 2020 auf den Weg gebracht. Kurz gesagt, es geht darum, dass das Abitur 2020 ein sogenanntes „Durchschnittsabitur“ werden soll – ein Abschluss ohne Abiturprüfungen. Also basierend auf den bis zum Zeitpunkt der Schulschließung erbrachten Leistungen. Hierzu soll der Durchschnitt der 32 bis 40 Halbjahresergebnisse errechnet und als Abiturnote festgelegt werden. Wenn man sich verbessern möchte, soll man beispielsweise die Möglichkeit erhalten, in einem seiner gewählten Abiturfächer eine mündliche Prüfung per Online-Video-call abzulegen.

Fair oder andere meinen halt „Das ist eine Unverschämtheit. Man könne den Schülern doch nicht einfach ihr Abitur „hinterherschmeißen“, das sei doch völlig unverdient.“ Aber alle Schulen wurden abrupt geschlossen, darunter die gerade erwähnten Gymnasien aber auch die Real-, Grund- und Mittelschulen. Und überall wird der Abschluss gemacht. Es wird momentan mit der Bildungsgerechtigkeit seitens der Politik gespielt, die ja so viel Wert auf Bildungsgleichheit legt. Das Oberallgäu z.B. ist Bildungsregion der Staatsregierung.

Folgendes bewegt uns und jeder hat wahrscheinlich zusätzliche Argumente:

  • Digital ersetzt niemals analog
  • Computer ersetzten niemals Menschen und Pädagogik
  • vor Ort, niemals das Wohnzimmer
  • Wir sind nicht alle in Ballungsräumen mit guter Internetversorgung
  • Computer sind nicht für alle Schüler vorhanden
  • Wohnräume sind nicht Lernräume
  • Sozialgefüge sind für Heranwachsende substanziell
  • Vertrauen entsteht zwischen Personen 
  • Stressfreies Lernen sieht anders aus - als Homeoffice in der Familie mit all den Problemen momentan

Wir müssen gerade alle zusammenhalten, einander helfen und füreinander da sein. Deshalb möchten wir alle unterstützen. Wir, die heute in Ausbildung und Beruf gehen, das Rückgrat bilden für die nächsten 50 Jahre, haben etwas verdient, was die heutigen Entscheider mit dem Wort Vertrauen definieren.

Wir zeigen jetzt schon Verantwortung daheim (teils) in Familien mit Risikopatienten/Innen, im Ehrenamt oder eben als Kinder unserer Eltern. Deshalb haben wir in einer Demokratie das Recht über unsere Zukunft zu sprechen. Wollen wir ehrlich sein. Keine Prüfung kann 2020 sowie die vorherigen stattfinden und nicht wie gewohnt. Wir brauchen andere Konzepte, Lösungen und vor allem flexiblere, faire Strukturen. Bayern, das Land das sich für Ihre Bildung (Gerechtigkeit) selbst lobt, sich selbst das Zeugnis ausstellt, „Bei uns passt alles.“ Wir haben die besten Schüler. Aber sie reden über uns, nicht mit uns! Wir denken, mancher Politiker hat das Mathe-Abi -Chaos 2019 schon wieder vergessen. Hier fehlt momentan die Bodenhaftung mit dem Konzept Prüfung 2020.

Wir fordern einen neuen Weg, da uns die folgenden sechs Punkte bewegen.

  1. Gesundheitlich: Mit ÖPNV zur Prüfung zum Teil mit 20 Personen in Räumen ohne Klimatechnik und dann vom Virusschutz zu sprechen? Virologen sprechen hier deutliche Worte, wo und wie lang das Virus hier infektiös bleibt. Abstandsregel a de.
  2. Psychologisch: Viele bringen Stress und Ängste mit. Existenzangst, Risikoangehörige. Kleine Geschwister die im Homeoffice mit dabei waren und Lernen teils ad absurdum führten. Wir sind junge Menschen, soziale Strukturen sind elementar für uns und prägen ein Leben.
  3. Bildungsgerechtigkeit. Nicht alle besitzen einen eigenen Rechner oder können ohne Lehrer und Wiederholungen lernen.
  4. Fehlende Digital-Infrastruktur wie eigene Rechner, ruhige Räume, oder dass jeder Mensch unterschiedlich lernt, sind nicht in die Überlegungen der Entscheidungsträger eingeflossen.
  5. Gesellschaftlich: Viele von uns helfen daheim bei Geschwistern, Eltern, Hof oder Risikoangehörigen. Wir leisten als Kinder/Jugendliche, das was Erwachsene teils nicht mehr stemmen können.
  6. Zukunft: Nach der Schule geht es weiter, in einem System, in dem Dokumente entscheidend den Lebensweg prägen.

Wir fordern: Keine Abschluss Arbeiten in 2020

UNSERE LÖSUNG: Jede Schülerin und jeder Schüler (bayernweit) erhält in diesem Jahr einen sogenannten Durchschnittsabschluss. Hierfür wird ein Durchschnitt der letzten 3 Zeugnisse ineinander verrechnet. Bei einer erwünschten Verbesserung der Note, kann eine mündliche Leistung in einem der vier bereits gewählten Prüfungsfächer erbracht werden (zum Beispiel per Online-Video-call), und wie in den Vorjahren als mündliche Prüfung mit einberechnet werden.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Zoe Finger aus Oberstdorf"

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