Schützenhilfe für die "Fairen Milchliferanten“

Seit der Gründung seiner Initiative „Der faire Milchlieferant“, bekommt Landwirt Jürgen Zettl aus Ödwang nicht nur Rückmeldungen von Milchbauern, bei ihm rufen auch ganz viele Verbraucher an. Während die Vorgaben der fairen Milchlieferanten, nämlich die betriebliche Milchquote strikt einzuhalten beziehungsweise zu unterliefern, von den Berufskollegen gemischt bewertet werden, gibt es von der Verbraucherseite nur Lob und Zustimmung für diese Selbstbeschränkung.

„Gibt es die Milch der fairen Milchlieferanten irgendwo zu kaufen“ oder „wie können wir diese Landwirte unterstützen“, mit solchen Fragen wird Zettl immer wieder konfrontiert. Zu kaufen gibt es diese Milch nicht, denn die bisher beigetretenen, knapp 200 Milchbauern sind deutschlandweit verstreut und liefern somit ihre Milch an ganz verschiedene Molkereien. Zudem gehören der Vereinigung konventionell und biologisch wirtschaftende Milchvieh- betriebe an. Mit der Gründung des gemeinnützigen Vereins „Freunde der fairen Milchlieferanten“ wurden die Weichen für die Eröffnung eines Spendenkontos gestellt. Fünf Bauern und vier Verbraucher aus dem Allgäu verabschiedeten die, vom Bundesverbraucherministerium überprüfte, Satzung, die nun noch vom Amtsgericht genehmig werden muss. Ab sofort können Verbraucher in einen Fond einzahlen, aus dem diese fair produzierenden Milchlieferanten unterstützt werden. Als gutes Omen sieht Zettl die zahlreichen positiven Anrufe und Anfragen, die er nach der Vorankündigung der Vereinsgründung bereits von Verbrauchern und Firmen bekam. So wie die Landwirte durch ihre Hoftafel ihre Mitgliedschaft bei den fairen Milchlieferanten öffentlich machen, können auch die Verbraucher eine kleine Tafel erhalten, die sie als „Der faire Verbraucher - Förderer der fairen Milchlieferanten“ erkennbar macht. Bei der Gründungsversammlung in Obergünzburg wurde deutlich, dass Verbraucher das Geschehen am Milchmarkt und den Kampf der Bauern um höhere Preise genau beobachten. Für sie ist es nicht nachvollziehbar, wenn Landwirte trotz Mengenüberschuss und rückläufigem Verbrauch auf „Teufel-komm-raus“ produzieren und ihre Quote überliefern. Auch verschiedene Streikak- tionen der vergangenen Zeit wurden von den anwesenden Verbrauchern sehr negativ bewertet. In einer zurückhaltenden Produktion sehen diese Verbraucher nicht nur einen Gewinn für ihre eigene Gesundheit und für den Tier- und Bodenschutz, sondern auch eine Entlastung des übervollen Milchmarktes. „Für uns hat dies auch einen ethischen Aspekt, mit Vollgas produzieren können wir uns doch heute vom Umweltgedanken her gar nicht mehr leisten“, so ihr Tenor. Die anwesenden Verbraucher machten deutlich, dass sie die billig angebotene Milch oft mit schlechtem Gewissen in den Geschäften einkaufen. Der Verein „Freunde der fairen Milchlieferanten“ bietet ihnen nun eine unkomplizierte Möglichkeit, fair produzierende Milchbauern direkt zu unterstützen. Mit ihrer Initiative wollen die fairen Milchlieferanten vor allem auch ein Umdenken bei den Landwirten in Gang setzen, „wir müssen zur Selbsthilfe greifen und die Milchmenge durch eine gebremste Produktion selber reduzieren, dazu brauchen wir weder Politik noch Verbände“, so Jürgen Zettl. Durch die moralische und vielleicht bald auch finanziellen Unterstützung von Seiten der Verbraucher hofft er, noch viele Berufskollegen von diesem Weg überzeugen zu können. Milch- lieferanten, die in den letzten beiden Milchwirtschaftsjahren ihre Quote unterliefert haben, können noch bis zum Mittwoch, 31. März, den „Fairen Milchlieferanten“ beitreten und haben somit auch die Möglichkeit, Geld aus dem Fond zu erhalten. Weil die Verbraucher nachvollziehen wollen, wer ihre Spenden erhält, müssen sich die Landwirte auf einer Liste im Internet veröffentlichen lassen. Auskünfte über die Ini- tiative „Der faire Milchlieferant“ und den Verein „Freunde der fairen Milchlieferanten“ gibt es bei Jürgen Zettl, Römerstr. 1, in Ödwang, Tel. 08345/925437. Spendenmöglichkeit auf folgendes Konto: Kontonummer 514435312 bei der Sparkasse Allgäu, BLZ 73350000.

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