Grundschüler packen bei der Heuernte kräftig mit an

Heuhüpfer und Heinzen

+

Immenstadt - Nach dem Motto „Draußen viel Spannendes entdecken“ machten sich die Erstklässler der Königsegg-Grundschule in Immenstadt auf den Weg zum Großen Alpsee. Hier schlüpften die Kleinen in die Rolle der Landwirte und erfuhren, warum man überhaupt Gras mäht und trocknet. Natürlich durften alle auch selbst anpacken und einen echten Allgäuer Heinzen mit frisch gemähtem Gras bepacken.

Die Zeiten, wo die Landwirte im Allgäu hölzerne Heinzen in den Boden rammten, um daran Gras zu trocknen, gehören längst der Vergangenheit an. „Umso interessanter für die Landwirtschaftsschüler im Berufsgrundschuljahr“, meinte Fachlehrer Karl Liebherr von der Berufsschule III in Kempten. Und Berufsschülerin Lucia bestätigt, dass sie die Trockengestelle zwar kenne, selbst aber noch nicht benutzt habe.

Für knapp 50 Grundschüler war der Praxistag auf der Wiese ein richtiges Abenteuer. Zunächst erklärten die Berufsschüler, warum die Bauern im Allgäu das Gras mähen und es dann trocknen: „Damit die Kühe im Winter was zu Fressen haben...“ damit das Futter bis zum Winter gelagert werden kann, muss es getrochnet werden. „Das dauert in der Sommerhitze zwei bis drei Tage“, erklärt Berufsschüler Manuel Diebolder. Aber mit den Heinzen arbeite heute kein Landwirt mehr. Stattdessen machen die Bauern Silage- uder Heuballen oder lagern das Futter unter Dach.

Schnell abgehakt war der Theorieteil bevor es ans Heinzen ging. An den Motormäher durften „Jungbauer und Jungbäuerin“ aus der Grundschule zwar nicht, aber die gemähte Wiese wurde rasch zum Abenteuerspielplatz. Karl Liebherr erläuterte, wie man das frische Gras an die Sprossen der Heinzen hängt, damit es auch festhält und nicht beim nächsten Wind herunterfällt. „Von unten nach oben; und immer große Büschel auflegen und festdrücken...“ Wie ein Zelt sehe der fertige Heinzen aus, stellt ein kleiner Erntehelfer fest. Seine Klassenkameradinnen bestaunen derweil einen großen Heuhüpfer, den eine von ihnen entdeckt hat.

Wenn man’s richtig mache, dringe kaum Regen in das so aufgehängte Gras, sagt Liebherr. „Nach ein bis zwei Wochen ist es fertiges Heu, das nur noch kurz gelüftet werden muss, bevor es nach Hause gebracht wird.“ Er hoffe, dass kein Sturm die 50 fertigen Heinzen plündere, stellt Liebherr nach getaner Arbeit fest. Halt: Zusammenrechen gehört auch dazu zur Heuernte. Nach einer kurzen Erklärung, klappt auch dieser Teil gut, selbst wenn die Rechenstiele für die Kinder recht lang sind.

Und kurz vor den Sommerferien dürfte es soweit sein. dann wird das frische Heu von den Heinzen genommen und zum Partner-Bauernhof der Familie Schwarzmann nach Immenstadt-Flecken gebracht, wo es im nächsten Winter „zu Kuhmilch wird“.

„Das Projekt Partnerschule lebt von solchen Aktionen wie sie heute hier über die Bühne geht“, meint Oliver Scherm. Und das funktioniere nur, wenn alle Akteure mit Engagement bei der Sache seien – die Schule, die Berufsschule, die Partner-Bauernhöfe. Und dass die Kinder mit Feuereifer dabei seien, sehe man ja... Seit Mai ist die Königsegg-Grundschule Partnerschule des Naturparks Nagelfluhkette. Die Facetten der Allgäuer Landwirtschaft gehören zu den wesentlichen Projektbausteinen.

„Ein Projekt, von dem sowohl unsere Berufsschüler profitieren, indem sie hier eine Art aktive Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft betreiben, als auch die Grundschüler, die lernen, wie unsere bäuerliche Landwirtschaft eigentlich arbeitet“, meint Liebherr, der selbst einen kleinen Nebenerwerbsbetrieb bewirtschaftet.

Und Franz Fleschhut, Vize-Obmann des Bauernverbandes im Oberallgäu, ergänzt: „Immer weniger Menschen haben noch einen echten Bezug zur Landwirtschaft.“ Das sei nicht nur in den Städten so. Das Heinzenaufstellen als Trocknungsverfahren bei der Heuernte sei zwar längst passé, aber zumindest für die aktuelle Projektarbeit mit der Partnerschule des Naturparks Nagelfluhkette überaus anschaulich, um Zusammenhänge zu erklären. Schließlich mähten die Bauern die Wiesen ja nicht, damit die Landschaft schön aussehe; das sei eher der Nebeneffekt, von dem zum Beispiel der Tourismus profitiere.

Josef Gutsmiedl

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
"Bettl mit Dettl" an der Drogeriemarktkasse
"Bettl mit Dettl" an der Drogeriemarktkasse
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
Eine Frage der Sichtweise: Sparkasse Allgäu vs. Stadt Immenstadt
Eine Frage der Sichtweise: Sparkasse Allgäu vs. Stadt Immenstadt

Kommentare