Schulterschluss im Bergwald

Mit einem speziellen Forschungskonzept will der Freistaat den Schutz des Bergwalds vorantreiben. Wie Forstminister Helmut Brunner am Zentrum Wald-Forst-Holz in Freising sagte, sollen damit Forschungslücken möglichst rasch geschlossen und neue Strategien für die Bergwaldbewirtschaftung entwickelt werden.

Eine Reihe von einzelnen Projekten soll in den nächsten Jahren dazu auf den Weg gebracht werden. Rund drei Millionen Euro stehen dafür pro Jahr zur Verfügung. „Angesichts des Klimawandels müssen wir noch schneller, gezielter und effektiver mit der Anpassung unserer Wälder vorankommen“, sagte der Minister. Immerhin gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Temperaturen in den Alpen doppelt so schnell ansteigen wie im globalen Durchschnitt. Ein intakterBergwald sei für einen bewohnbaren Alpenraum daher unerlässlich. Die Weihenstephaner Forscher sollen laut Brunner künftig verstärkt auch „über den Tellerrand hinaus schauen“ und länderübergreifend zusammenarbeiten. Die Projektgruppe Klimawandel am Zentrum Forst-Holz-Wald hat dazu bereits eine umfangreiche Ideensammlung zusammengestellt. Diese soll in den nächsten Jahren in konkrete Projekte umgesetzt werden. Ein Kuratorium mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden prüft die Ideen auf Praxistauglichkeit, bevor die Projekte bewilligt werden. Zwei bereits genehmigte Projekte stellte Brunner vor: Im „Waldinformationssystem Nordalpen“, das gemeinsam mit Partnern aus Tirol und Salzburg erstellt wird, werden umfangreiche Informationen über Zustand und Risikopotenziale der Bergwälder zusammengestellt. Diese Basis soll die praktische Arbeit der Forstverwaltung erleichtern. Mit „Schutzwaldplattformen“ und „Schutzwaldforen“ soll die Einbindung aller Beteiligten – der örtlichen Bevölkerung, der Waldbesitzer, der Jäger und der Politik – in Sanierungsmaßnahmen des Schutzwalds verstärkt und damit deren Akzeptanz erhöht werden. Dabei wird ein bereits in Österreich erfolgreich umgesetztes Modell in Bayern weiterentwickelt. So soll auch die „Bergwaldoffensive“ besser in der Öffentlichkeit verankert werden. Im Freistaat gibt es 250 000 Hektar Bergwald, 150 000 Hektar davon sind Schutzwald. Um seine Funktion zu sichern und zu verbessern, hat der Freistaat seit 1986 rund 60 Millionen Euro investiert und mehr als elf Millionen Bäume gepflanzt. Das ist mit bis zu 30 000 Euro Kosten pro Hektar zwar immer noch billiger als eine Lawinenverbauung, die bis zu eine halbe Million Euro kostet. Noch besser ist nach den Worten Brunners aber die vorbeugende Schutzwaldpflege: „Die Wälder dürfen gar nicht erst zum Sanierungsfall werden.“ Deshalb dürfe man bei der Pflege der Schutzwälder sowie der konsequenten Bejagung des Schalenwilds nicht nachlassen. Der Minister will sich auch in Zeiten knapper werdender Haushaltsmittel vehement für die Finanzierung der zwingend notwendigen Maßnahmen für den Bergwald einsetzen: „Hier darf nicht an der falschen Stelle gespart werden, sonst zahlen unsere Kinder und Enkel ein Vielfaches für die Wiedergutmachung entstandener Schäden.“

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