Hotel-Chefs legen nach

Schulterschluss: Hoteliers und FDP fordern Öffnung der Betriebe

Stephan Thomae
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Die Hotellerie braucht dringend Unterstützung, meint der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae.

Ofterschwang – Auf Einladung der Hotelier-Familie Dr. Anna-Maria und Michael Fäßler besuchte der Allgäuer FDP-Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae das Hotel Sonnenalp in Ofterschwang. Beim politischen Gedankenaustausch mit anwesend waren zudem Stefan Escher, kaufmännischer Direktor der Sonnenalp, sowie Julia Zwicker, Geschäftsführerin des Panoramahotels im Oberjoch und des Hotels „Weitblick Allgäu“ in Marktoberdorf.

Die Sonnenalp ist ein seit über 100 Jahren familiengeführtes Hotel, das stets als guter Arbeitgeber in der Region bekannt war. „Wir sind unserer Verantwortung als sozialer Arbeitgeber in all den Jahren zu jeder Zeit gerecht geworden. Was aber nun passiert, ist kaum zu ertragen, denn durch die erneute Schließung haben wir nahezu alle Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. Dort spielen sich nun private Tragödien ab. Ohne die wichtigen Einnahmen der Trinkgelder und bei nur 63 Prozent des normalen Gehalts bei gleichbleibenden Verbindlichkeiten, wissen viele nicht mehr weiter“, berichtet Dr. Anna-Maria Fäßler.

Ihr Mann, Michael Fäßler ergänzt: „Ich habe manchmal das Gefühl, dass viele Politiker in München und Berlin nicht mehr für die Bürger vor Ort entscheiden. Das Verständnis für die Maßnahmen sinkt jeden Tag weiter, weil diese teilweise widersprüchlich und unverhältnismäßig sind. Kinder dürfen tagtäglich in überfüllte Schulbusse, ein Hotel mit einem hervorragenden Schutzkonzept muss seine Pforten geschlossen halten. Das kann man nicht mehr vermitteln.“ Die Politik der Regierung sei ein Pulverfass mit kurzer Zündschnur.“

Kein fairer Ausgleich

Ebenso enttäuscht sei man von den bis zu 70 Prozent November-Hilfen. Diese klinge für viele Bürger nach einem fairen Ausgleich. Wenn man aber bedenke, dass Versicherungen und Kredite weitergezahlt und auch die Zimmer weiterhin beheizt werden müssten und man mit 100 Prozent Einnahmen kalkuliere, dann sei dies ein fauler Kompromiss.

„Der Name November-Hilfen ist eigentlich verfehlt. Wir konnten die Hilfen erst jetzt Ende November anfordern und haben dementsprechend noch keinen Cent davon gesehen“, kritisiert Julia Zwicker. Zudem erklärte sie, dass die Auszubildenden der Hotelbranche derzeit keine Ausbildung erhalten. Man spreche immer nur von Schülern und Studierenden, dass aber gerade die Qualität der Ausbildung enorm leide und diese mit einem Kurzarbeitergeld keineswegs über die Runden kommen, bleibe in den Medien oftmals unerwähnt.

Drastische Verschärfung

Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer, dass die Unsicherheit und die Perspektivlosigkeit das Schlimmste sei. „Wir wollen das Virus keinesfalls kleinreden, aber sobald man die Verhältnismäßigkeit einiger Maßnahmen anzweifelt, wird man sofort in die rechte oder die Querdenker-Ecke gestellt. Die Freien Demokraten sind derzeit die einzige Partei, die mit uns spricht und auf die Rechtmäßigkeit der Einschränkungen pocht“, so Michael Fäßler.

Ab Januar werde sich die Situation laut Thomae noch drastisch verschärfen. Wenn die Insolvenzantragspflicht wieder in Kraft tritt, werde sich zeigen, dass einige Unternehmen das Corona-Jahr 2020 nicht überleben werden. Hotels, die beinahe ein ganzes Jahr keine Einnahmen erzielt haben, müssten konsequenterweise in Liquiditäts-Schwierigkeiten kommen. Die Hilfen seien zu spezifisch und zu bürokratisch und vor allem zu langsam.

Der Änderungsantrag der FDP-Bundestagsfraktion zum 3. Infektionsschutzgesetz hätte laut Thomae einen Paradigmenwechsel der derzeitigen Corona-Politik der Regierung bedeutet. „Uns war wichtig, dass Ausnahmeregelungen bei all jenen Betrieben möglich sind, sofern diese ein gutes Schutzkonzept vorweisen können, denn man kann nicht alles über einen Kamm scheren: Ungleiches muss ungleich behandelt werden!“ Man habe manchmal das Gefühl, die Hotellerie und Gastronomie sei ein Bauernopfer der Politik, denn diese müssen trotz ausgearbeitetem und sehr guten Hygienekonzept schließen, obwohl laut Robert-Koch-Institut RKI das Ansteckungsrisiko hier sehr gering sei. „Unser Konzept ist dem der Großen Koalition überlegen, es geht spezifisch auf die Gegebenheiten ein und ermöglicht unter Wahrung größtmöglicher Sicherheit das Öffnen der Betriebe“, berichtet Thomae.

Die Gesprächsrunde war sich einig: sie wollen Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein. Dies hätten sie im Sommer durch durchdachte Konzepte bewiesen. Die Regierungen allerdings wolle nicht zuhören. „Eines darf man bei dieser Diskussion nicht vergessen: Für den Einzelnen mag der Hotelaufenthalt oder der Besuch beim Lieblingsrestaurant um die Ecke zu verschmerzen sein. Für die Hotelinhaber oder den Besitzer des Restaurants allerdings ist der jetzige Zustand existenzbedrohend“, so der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion abschließend.

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