"Schwarzer Peter" der Nebelhornbahn

Vergangene Woche zog der Aufsichtsrat der Nebelhornbahn AG einen Schlussstrich unter das Thema „Neubau“. Allerdings nicht ohne der Marktgemeinde Oberstdorf die Hauptschuld am Scheitern des 28-Millionen-Euro-Projektes zuzuschreiben. Gegen diesen Vorwurf wehren sich der Marktgemeinderat und Oberstdorfs Bürgermeister Laurent Mies entschieden. „Stimmungsmache“, so Mies in der Stellungnahme der Marktgemeinde.

Nach dem Rückzug der Gemeinde aus dem Finanzierungsmodell der Nebelhornbahn AG, komme ein Neubau in absehbarer Zeit nicht in Betracht, so der Aufsichtsrat in einer Presseerklärung (der KREISBOTE berichtete). Während die Botschaft der Nebelhornbahn lautet „wir wurden im Stich gelassen“, will sich die Kommune jetzt nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen. Die Gemeinde hätte zuletzt 5,1 Millionen Euro einbringen sollen - also den Löwenanteil der geplanten Kapitalerhöhung von acht Millionen. Der Gemeinderat dagegen hatte Ende September einer Beteiligung in Höhe von 3,5 Millionen Euro zugestimmt, um dem Neubau eine Chance zu geben. „Für mindestens weitere 300000 Euro für die Kapitalerhöhung hatten wir bereits zu Zusage privater Investoren“, so Bürgermeister Laurent Mies gegenüber dem KREISBOTE. Damit wäre das ursprüngliche Angebot der Kommune sogar übertroffen worden, ergänzt Mies. „Obwohl die Kommune keinerlei finanzielle Spielräume hat, ist sie mit diesem Angebot an das Äußerste ihrer Möglichkeiten gegangen.“ Mies gibt zudem zu bedenken, dass es mit der Beteiligung der Gemeinde am Neubau nicht getan sei. Schließlich habe die Nebelhornbahn AG sich bislang stets geweigert, an der Lösung der Zufahrts- und Parkplatzproblematik zu beteiligen. Diese Folgelasten würden an der Kommune „hängen belieben“, so seine Befürchtungen. Das Angebot von Vorzugsaktien im Wert von 2,6 Millionen Euro und weiteren stimmrechtlosen Aktion im Wert von 2,5 Millionen sei kein faires Geschäft gewesen, meint Laurent Mies in seiner Erklärung zu den Vorgängen. Die AG hatte den Wert pro Aktie mit 147 Euro veranschlagt; der Kurswert betrage allerdings nur rund 100 Euro. Entgegen der aktuellen Behauptung des Aufsichtsrats habe es in der Vergangenheit keine „anderen zugesagten Konditionen“ gegeben. „Hier wird der Eindruck vermittelt, als habe die Gemeinde ihre Zusage nicht gehalten“, wehrt der Bürgermeister diesen Vorwurf zurück. Er kontert: „Die Konditionen die der Marktgemeinde angeboten wurden, werden in der freien Wirtschaft von keinem Geschäfts-partner akzeptiert.“ Die Gemeindeverwaltung habe die Interessen der Bürger wahrzunehmen und sich entsprechend zu verhalten, schließt Mies. Eine andere Erwartungshaltung sei schlicht naiv. Der „Neubau um jeden Preis“, so Mies weiter, wäre mit den nachteiligen Konsequenzen, die sich aus dem Angebot der Nebelhornbahn ergeben hätten, verantwortungslos. Genau das habe der Gemeinderat durch seinen Beschluss nicht zugelassen.

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