»Wo es schön ist, ist es voll!« 

Schwierige Besucherlenkung: Über den Andrang in den Bergen 

Oberstdorf
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„In Oberstdorf laufen derzeit acht verschiedene Mobilitätskonzepte, um den Ort und seine Bewohner von den Automassen zu befreien“, so Bürgermeister Klaus King.

Kempten – Jüngst trafen sich Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Tourismus und Sport zu einer Podiumsdiskussion über Massenandrang und Besucherlenkung im Allgäu 

Moderator Markus Raffler begrüßte als Teilnehmer am Podium Prof. Dr. Alfred Bauer (Dekan der Fakultät Tourismus-Management an der Hochschule Kempten), Klaus King (Bürgermeister der Gemeinde Oberstdorf), Bernhard Joachim (Geschäftsführer der Allgäu GmbH), Henning Werth (Biologe des Zentrum Naturerlebnis Alpin), Steffen Reich (Geoökologe und DAV Ressortleiter Naturschutz), Maximilian Klaus (IG Klettern & Bergsport Allgäu) sowie Dominik Bartenschlager (Sprecher der Allgäuer Bergführer).

Dr. Johannes Schubert führte die Besucher mit einem Impulsvortrag auf das Thema hin. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Forschungszentrum Allgäu sprach über die historische Entwicklung der Alpen von der „bedrohlichen Natur“ hin zur touristischen Destination und erläuterte einige der klassischen Ansätze der Besucherlenkung im alpinen Raum – dazu zählen etwa Rad- und Wanderwege, Besuchersensibilisierung sowie die Parkraumgestaltung.

Parken als Problem

Letztere sollte an diesem Abend ein immer wiederkehrendes Thema sein: Nach einzelnen Statements der Teilnehmer drehte sich die Diskussion vor allem um die Parkplatzsituation an touristischen Hotspots. Steffen Reich führte an, das Problem des hohen Verkehrsaufkommens sei aber nicht nur ein heißes Thema im Allgäu – auch Destinationen wie etwa das Berchtesgadener Land oder der Tegernsee hätten an manchen Tagen mit regelrechten Blechlawinen zu kämpfen.

„In Oberstdorf laufen derzeit acht verschiedene Mobilitätskonzepte, um den Ort und seine Bewohner von den Automassen zu befreien“, so Bürgermeister Klaus King. Für Klimaneutralität und eine Entlastung der Gemeinde in Sachen Autoverkehr solle künftig ein gut ausgebautes Netz aus öffentlichen Verkehrsmitteln sorgen, das Gäste kostengünstig von außerhalb in den Ort bringen könne.

Kritik an hohen Gebühren

Seitens der Bergführer und Sportler in der Runde wurde vor allem das Parksystem in Gunzesried gelobt, gleichzeitig wurden aber auch kritische Stimmen zu „überteuerten und unfairen“ Parkgebühren in der gesamten Region laut.

Hier und da wurden neben der Parkraumgestaltung weitere Maßnahmen der Besucherlenkung in den Bergen angeschnitten: Wanderer sollten sich an festgeschriebene Wege halten und ausgeschilderte Tabuzonen respektieren – denn etwa „das Birkhuhn braucht einen Bereich, in dem es ungestört sein kann“, so Biologe Henning Werth.

Respekt vor der Natur

Als weiteres Mittel der Besucherlenkung erweisen sich Bergbahnen: Gäste, die mit der Gondel bis ganz oben schweben, halten sich meist nicht weit vom Gipfel entfernt auf und betreten somit keine geschützten Bereiche in den Bergen. Der Dekan der Fakultät Tourismus-Management war sich allerdings unsicher, ob naturhungrige Bergfexe sich durch weitere Lenkungsmaßnahmen so einfach beeinflussen lassen würden: „wo es schön ist, sei es eben voll.“

Einigkeit allerdings herrschte in der gesamten Gruppe darüber, dass die Natur für alle gleichermaßen da sei und niemand von der Nutzung ausgeschlossen werden könne und sollte. Touristen und Einheimische tragen zu gleichen Teilen zum Schutz und Erhalt der Biodiversität in den Allgäuer Alpen bei und sollten diese mit Respekt und Bedacht nutzen und genießen.

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