Spürnasen im Tiefschnee

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Licht am Ende des Tunnels – Hundeführerin Anja Fichtl und Jack haben die (freiwillig) Verschütteten aufgespürt.

Sie heißen Lucie, Kalle, Fanni oder Jack und können im Ernstfall Leben retten – die Rettungshunde der Allgäuer Bergwacht. Die Lawinen- und Rettungshundestaffel der Bergwacht Allgäu demonstrierte zum Beginn ihres jährlichen Winterlehrganges am Nebelhorn, wie und wo die Spürnasen zum Einsatz kommen.

Gerade dieser schneereiche Winter mit zahlreichen Lawinenabgängen zeigt wieder einmal, wie wichtig eine schnelle professionelle Suche nach Verschütteten ist. Eine besondere Rolle kommt dabei den Lawinensuchhunden zu. Zuletzt war die Bergwacht bei Lawinenabgängen am Riedberger Horn und in Balderschwang, wo ein Hotel beschädigt wurde, im Einsatz. 

Die Bergwacht Allgäu ist eine von sieben Bergwachtregionen in Bayern mit Sitz in Immenstadt und derzeit knapp 1 000 Mitgliedern. Das Einsatzgebiet umfasst das Gebiet von Oberstaufen bis Füssen und von Oberstdorf bis Kempten. Bereitschaften gibt es außerdem in Neu-Ulm, Kaufbeuren, Memmingen, Augsburg und Landsberg. Dieses Jahr konnte die Lawinen- und Rettungshundestaffel auf 50 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. 1969 hatten sich fünf Hundeführer zusammengeschlossen um ihre Schäferhunde für die Lawinenrettung auszubilden. Im Januar darauf fand der erste Lehrgang in Immenstadt statt. 

Seither führt die Rettungsstaffel jährlich einen einwöchigen Lawinenhundelehrgang durch. Momentan besteht sie aus 13 Teams. Die Ausbildung der Hunde und auch der Hundeführer dauert in der Regel drei Jahre. Die Hundeführer müssen alle Prüfungen der Bergwachtarbeit durchlaufen und verfügen über eine große alpine Erfahrung. Die Hunde können nicht nur bei der Lawinensuche im Winter eingesetzt werden, sondern auch bei der Vermisstensuche bei anderen Unglücksfällen und Katastrophen. An mehreren Stationen konnten sich die Zuschauer über die Rettungsarbeit, die Hundeausbildung und die Ausrüstung informieren. 

So konnte man sich in einer Schneehöhle eingraben und von der Hundeführerin Anja Fichtl und ihrem Hund Jack auffinden lassen. Weitere Stationen zeigten die Junghundeausbildung und wie die Suche mit Sonden funktioniert. Oberhalb der Station Höfatsblick hatten die Bergretter ein Lawinenfeld ausgesteckt und ein Szenario mit zwei Verschütteten unter einem ausgelösten Schneebrett organisiert. Nach ersten erfolglosen Ortungen kamen zwei Teams mit Hunden zum Einsatz, um die Verunglückten aufzuspüren. Eine durchaus realistische Situation – an diesem Tag bei starkem Schneetreiben und Wind unter erschwerten Bedingungen. Waren zu Beginn ausschließlich Schäferhunde im Einsatz, werden inzwischen alle Rassen ausgebildet, so lange sie nicht zu klein oder zu schwer sind, erläuterte Xaver Hartmann, Leiter der Lawinen- und Rettungshundestaffel. Bei der Ausbildung der Neulinge gehe es darum, die Tiere für die Personensuche zu schulen, den Geruchsinn zu schärfen und um ein Kennenlernen und Vertrautwerden mit dem Hundeführer.

Heinrich Bonert

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