Investition in die Zukunft

Aus zwei mach eins

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Das Skigebiet Grasgehren punktet wie Balderschwang mit der Schneesicherheit.

Obermaiselstein - In die Gänge kommen sollen die Planungen für einen Verbindung der Wintersportgebiete Balderschwang und Grasgehren. Die beiden Gemeinden jedenfalls sind sich einig: ohne diese Pistenverbindung haben die kleinen Skigebiete keine Zukunft. Die Gemeinderäte in Obermaiselstein und in Balderschwang befürworteten in einer gemeinsamen Sitzung jeweils einstimmig, einen gemeinsamen Teilflächen-Nutzungsplan aufzustellen, um die weiteren Planungen für den Schulterschluss einzuleiten.

„Nur mit Schneeschuhtouren geht’s nicht.“ So brachte Obermaiselsteins Bürgermeister Peter Stehle den neuen Anlauf für den Schulterschluss der beiden Wintersportgebiete auf den Punkt. Und sein Bürgermeister-Kollege aus Balderschwang, Konrad Kienle, findet: „Es wächst zusammen, was zusammen gehört.“

Der gemeinsame Teilflächen-Nutzungsplan soll als erster Schritt die planungsrechtliche Grundlage für eine Verbindungsbahn der Skigebiete Grasgehren und Balderschwang schaffen. Denn, auch da sind sich die beiden Bürgermeister einig, die Wintersportgebiete diesseits und jenseits des Riedbergpasses haben nur eine Zukunft mit einem Zusammenschluss.

Neu sind die Überlegungen zu einer Verbindung nicht. nach einigen Anläufen in der Vergangenheit habe man die „schonendste Variante“ gefunden, die im Rahmen einer Informationsveranstaltung in Obermaiselstein vorgestellt wurde. Im Gegensatz zu früheren Entwürfen lässt die neue Variante den Gipfel des Riedbergerhorns ebenso „links liegen“ wie sie auf eine Piste durch den sogenannten Printschenkessel verzichtet, einem wichtigen Lebensraum für Rauhfußhühner. Die neue Familienabfahrt führt im Bogen von Grasgehren bis zur Talstation des Riedbergerhorn-Liftes in Balderschwang.

„Alle früheren Überlegungen gingen von Sesselbahnen aus“, erläutert Berni Huber, Geschäftsführer der Grasgehrenlifte. Die neue Planung sieht eine 10er-Kabinenbahn vor. Störungen durch den Bergbahnbetrieb seien so gut wie ausgeschlossen. Von der Grasgehren-Seite aus ist den Überlegungen zufolge keine weitere Zubringerbahn notwendig.

In einem Umweltbericht wurden die Vorteile der neuen Variante bereits herausgestellt. Die Auswirkungen seien entgegen der früheren Ansätze deutlich geringer und weitgehend ausgleichbar. Als „Sondergebiet“ für den Bergbahn- und Wintersportbetrieb ausgewiesen, könnte die Teilfläche aus dem Geltungsbereich der Alpenschutzzone C des Landesentwicklungsplanes fallen. Genau dieser Status wird von Naturschützern als wesentliche Barriere gegen Bauvorhaben am Riedbergerhorn betrachtet.

Mit der neuen Verbindung könnten die beiden Skigebiete die Trumpfkarte Schneesicherheit besser ausspielen. Dieses Plus sei auch in Zukunft sicher, betont Bürgermeister Stehle und verweist auf die „enorme Abhängigkeit“ der beiden Kommunen vom Wintertourismus. „Wir müssen etwas unternehmen“, betont Stehle und verweist auf einen zu beobachtenden Rückgang bei den Übernachtungszahlen. Sowohl Balderschwang als auch Obermaiselstein seien abhängig vom Tourismus.

Angesichts der nahen Konkurrenz, die massiv aufgerüstet habe, um als Wintersportort attraktiv zu bleiben, müsse man an der Qualitätsverbesserung arbeiten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, ergänzt Konrad Kienle. „Zimmer ohne Dusche und WC kann man ja auch nicht mehr vermieten...“

Als Angebotsverbesserung verstehen Huber und die Bürgermeister auch den vorgesehnenen Ganzjahresbetrieb der neuen Bergbahn. Und der Vorsitzende des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch- Schwa- ben, Bernhard Joachim, hält hochwertige Angebote für wichtig, „damit das Allgäu attraktiv bleibt“. Eine Erschließung für einen Sommerbetrieb bedeute keinesfalls Massentourismus am Riedbergerhorn.

„Weit unter den Dimensionen anderer Skigebiete“ bleibe man bei der Entwicklung der beiden Wintersportgebiete allemal, stellt Berni Huber fest. Mit nur 25 bis 30 Schneeerzeugern könne man die drei Kilometer lange Familienabfahrt beschneien – Dank der legendären Schneesicherheit des Ski- gebietes. Das Skigebiet Grasgehren komme mit gerade einmal neun Schneeerzeugern aus, vergleicht Huber. Der erforderliche Speicherteich würde ein Fassungsvermögen von 25000 bis 30000 Kubikmeter haben. Unterm Strich gehen die Planungen von einem Investitionsvolumen von rund zehn Millionen Euro aus. Gut zwei Drittel davon entfallen auf die 2,5 Kiometer lange neue Kabinenbahn. Eine Kapazitätserhöhung sei mit der „Runderneuerung“ der Skigebiete nicht verbunden.

Richtig los gehen mit den weiteren Detailplanungen könnte es schon im kommenden Jahr, nachdem der neue gemeinsame Teilflächen-Nut- zungsplan gültig wird. Zuvor werden die Pläne öffentlich ausgelegt. Erst danach beginnt das eigentliche Genehmigungsverfahren.

Josef Gutsmiedl

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