Rücktritte und Stornierungen

Skilehrerverband kritisiert 2Gplus-Einschränkungen für den Wintersport

Skilehrerverband
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Wintersport biete Erlebnisse und Erfahrungen, die besonders Kinder und Jugendliche für das ganze Leben positiv prägen, ist man beim Skilehrerverband sicher.

Allgäu – Durch die 2Gplus-Regelung werde eine gesamte Branche verunsichert und quasi lahmgelegt, beklagt der Deutsche Skilehrerverband.

Für die deutschen Ski- und Snowboardschulen, für die knapp 15 000 Lehrkräfte und nicht zuletzt für alle deutschen Wintersportler sei es ein Schock, welche Corona-bedingten Einschränkungen nach einer Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung seit dem 24. November gelten. Eine gesamte Branche werde verunsichert und quasi lahmgelegt, beklagt der Deutsche Skilehrerverband.

„Frustration, Unverständnis und Enttäuschung machen sich in der gesamten Branche breit“, beschreibt Wolfgang Pohl, der Präsident des Deutschen Skilehrerverbandes (DSLV) die aktuelle Situation.

Nach dem Lockdown in der ersten Welle fiel bereits der Spätwinter 2020 aus, dann die komplette Schließung im Winter 2020/21 und nun wieder ein Vorgehen, das die Wintersportler und die gesamte Branche rund um den Wintertourismus unverhältnismäßig hart treffe.

2Gplus: Rücktritte und Stornierungen die Folge

Die Ski- und Snowboardschulen hätten sich nach der Zwangspause wieder gewissenhaft auf den bevorstehenden Winter vorbereitet: Alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor Infektionen im Rahmen des Ski- und Snowboardunterrichts wurden ergriffen und alle Lehrkräfte inhaltlich vorbereitet. Das Interesse der Gäste und die Buchungslage in den gewerblichen Schneesportschulen sowie in den Aus- und Fortbildungslehrgängen des DSLV war bisher sehr erfreulich, so Pohl.

„Und jetzt wieder eine Entscheidung und ein Vorgehen, das sehr an den vergangenen Winter erinnert und die gesamte Wintersportbranche verunsichert und mit großen Sorgen zurücklässt: Rücktritte, Stornierungen und eine ungewisse Zukunft der betroffenen Unternehmen sind die unmittelbare Folge.“

Wintersports ist nicht gleich „Partytourismus“

Der Deutsche Skilehrerverband und seine 200 gewerblichen Ski- und Snowboardschulen wehren sich klar und unmissverständlich gegen die neuerlichen Entscheidungen der Bayerischen Staatsregierung und bringen dafür kein Verständnis mehr auf. „Wir lassen uns dieses Vorgehen, die unverhältnismäßigen Entscheidungen und die unhaltbaren Vorverurteilungen des Wintersports als ‚Partytourismus‘ durch die Regierung und insbesondere durch den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder nicht mehr gefallen“, kündigt Peter Hennekes, Hauptgeschäftsführer des Verbandes an:

„Bevor in der Politik vorschnell geurteilt wird und pauschale Aussagen in der Öffentlichkeit kommuniziert werden, wäre es ratsam, sich mit denen zu beraten, die sich im Wintersporttourismus auskennen und über langjährige Erfahrungen verfügen. Das ist allerdings seit Ausbruch der Pandemie nie geschehen und die wenigen Volksvertreter, die versucht haben, in der Sache zu einer differenzierten Betrachtung zu kommen, sind schlicht nicht gehört worden. Wir sind sofort bereit für einen Dialog, um praxistaugliche Lösungen zu erarbeiten.“

Warum 2G für Gastronomie und 2Gplus für Gondeln?

Nun würden große Sportarenen hinsichtlich ihrer zugelassenen Kapazität mit Seilbahnen, Sesselliften und Schleppliften in einen Topf geworfen. Der Aufenthalt in geschlossenen Räumen der Gastronomie ohne Maske am Tisch über einen längeren Zeitraum und ohne Besucherbegrenzung werde beispielsweise toleriert, eine acht- bis zwölfminütige Fahrt mit einer Seilbahn bei geöffneten Fenstern und unter durchgehender FFP2-Maskenplicht unter 2G-Vorgaben soll dagegen nicht zugelassen sein, kritisiert der Verband in seiner Stellungnahme weiter.

„Dabei ist die sportliche Betätigung in der Natur unter freiem Himmel so wichtig für die Menschen, für ihren Ausgleich zum Alltag, für ihre Gesundheit und für das persönliche Wohlbefinden. Nicht zu vergessen unsere gesellschaftliche Verantwortung für Kinder und Jugendliche: Alleine in den gewerblichen Ski- und Snowboardschulen in Deutschland werden jeden Winter über 160 000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen drei und 16 Jahren betreut und unterrichtet.

Hinzu kommen noch die vielen tausend Kinder und Jugendlichen in den Skivereinen und Rennmannschaften. Der Schnee, die Bewegungserfahrungen, das Zusammensein mit anderen Kindern ist ein mit nichts zu vergleichendes Erlebnis, das Kinder für ihr ganzes Leben prägt“, erläutert Norbert Haslach, Vorstand im Deutschen Skilehrerverband.

Verlässlichkeit gefordert

„Genau das wird durch die aktuellen Beschlüsse der Bayerischen Staatsregierung massiv eingeschränkt, weil die Eltern, die Kindergärten und die Schulen sich wegen der großen Unsicherheiten und Restriktionen zurückziehen. „Genau das Gegenteil muss passieren: Ein verlässlicher und planbarer Rahmen für die Ski- und Snowboardschulen, die Skigebietsbetreiber, die Gastronomie am Berg und für die Verleihstationen, mit dem die Unternehmen gewissenhaft und verantwortungsvoll arbeiten und die Gäste sich im Gegenzug darauf verlassen können“, sagt Norbert Haslach.

Der DSLV und die gewerblichen Ski- und Snowboardschulen in Bayern fordern von der Bayerischen Staatsregierung folgende Regelungen ab dem 15. Dezember:

  • 2G-Nachweis für die Gäste von Bergbahnen, in Schneesportschulen und im Skiverleih
  • Kinder unter 12 Jahren sind von dem 2G-Nachweis befreit
  • Keine Kapazitätsbeschränkung für Seilbahnen, Sessellifte, Schlepplifte und andere Aufstiegshilfen
  • FFP2-Maskenpflicht für alle Gäste ab 7 Jahren außer auf der Piste und in der Loipe
  • Unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Entschädigung für die betroffenen Betriebe im gesamten Wintersporttourismus

Gerade die Kinder und Jugendlichen benötigten nicht nur in Schule und Kita volle Aufmerksamkeit, sondern auch in ihrer Freizeit, in ihrer Entwicklung und in ihren Bewegungsmöglichkeiten. Der Sport und die Bewegung der Kinder müsse viel mehr im Fokus der Initiativen stehen und bei den Entscheidungen berücksichtigt werden.

„Unser Wunsch, stellvertretend für alle Wintersportlerinnen und Wintersportler und die gesamte Wintersportbranche, ist, dass wir in unseren Ski- und Loipengebieten einen sicheren und gesunden Winter erleben können und die die Wintersportler sich verantwortungsbewusst und solidarisch zum Wohle der Gesellschaft verhalten“, betont Haslach abschließend.

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