Gegen die Wegwerfgesellschaft

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Jana Zurkova (reuse European Union, von links), Dr. Alfred Egger (ATM Tirol) und Andreas Breuer (ZAK Abfallwirtschaft GmbH).

In Kempten fiel der offizielle Startschuss für das EU-Projekt SURFACE, dessen Gesamtleitung der Abfallwirtschaft Tirol Mitte GmbH (ATM) obliegt. Im Rahmen der Initiative soll die Wiederverwendung vermeintlich ausgedienter Gegenstände („Re-Use“) als gängige Praxis etabliert werden.

Die Smart Re-Use Parks bündeln verschiedenste Re-Use Aktivitäten in einer Region: von der Annahme von wiederverwertbaren Gegenständen über Reparaturen bis hin zur Rückführung reparierter Güter in den Wirtschaftskreislauf. Es sollen Begegnungsstätten entstehen, an denen Ideen ausgetauscht werden. Gleichzeitig können die Parks ein Ort der Kunst sein – gebrauchte Materialien dienen als Grundlage für Kunstobjekte. „Wir wollen Re-Use greifbar und erlebbar machen und einen Raum schaffen, an dem man sich wohlfühlen kann. Dann werden Konsumenten das Angebot auch annehmen“, fasst Projektleiter Andreas Aschaber von der ATM zusammen. Dazu beitragen können unter anderem Ausstellungen, ein Café oder eine Bücherei. Ergänzend finden Reparatur-Workshops statt, die ein Element einer eigenen Re-Use Hochschule sein könnten.

Im Rahmen des auf drei Jahre angelegten EU-Projektes werden in fünf europäischen Pilotregionen (Österreich, Italien, Deutschland, Polen, Ungarn) Smart Re-Use Parks installiert, in vier weiteren die Vorbereitungen dafür getroffen.

„Unsere Gesellschaft konsumiert tagtäglich riesige Mengen an Gütern und Ressourcen. Das dadurch massiv erhöhte Abfallaufkommen hat negative Konsequenzen für die Umwelt. Außerdem werden für immer neue Produkte wieder Energie und Rohstoffe benötigt. Diesen Kreislauf müssen wir durchbrechen“, so Claudia Mayer vom ZAK.

Um Abfälle gar nicht erst entstehen zu lassen, soll die Produktlebenszeit verlängert werden. Die Europäische Abfallwirtschaftsdirektive hebt die Relevanz der Abfallvermeidung und der Wiederverwendung als maßgebliche Vorgehensweise für die Ressourcenschonung hervor. Dieser Ansatz wird sogar als wirkungsvoller bewertet, als Recycling und Energierückgewinnung. Bei diesen Formen werde die Wertigkeit der Materialien herabgesetzt und ihr Potenzial somit nicht zur Gänze ausgeschöpft. Entsorgung und Deponierung stellen die letzte Alternative der Abfallbehandlung dar, denn dabei gehen wertvolle Rohstoffe für immer verloren.

Durch die Partnerschaft von der ZAK Abfallwirtschaft GmbH wird Kempten zu einem Zentrum des EU-Projekts SURFACE. Erklärtes Ziel ist die Errichtung eines solchen Smart Re-Use Parks hierzulande. Dieser Ansatz stellt eine einzigartige Möglichkeit dar, der Abfallproblematik im Land entgegenzuwirken. Die Einwohner erhalten Abgabestellen für nicht mehr gebrauchte, aber noch völlig intakte Gegenstände. In dem Park werden die Gegenstände fachmännisch gereinigt und repariert und danach dem Wirtschaftskreislauf zugeführt. Das Projekt SURFACE zielt darauf ab, einzelne Ansätze miteinander zu vernetzen – mit dem Ziel, einen maßgeblichen Beitrag zur Abfallvermeidung zu leisten.

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