Schülerinnen und Schüler entwickeln Visionen für die Zukunft Sonthofens

Smart City: Sonthofen im Jahr 2030

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Die Schülerinnen und Schüler stellten im Sitzungssaal des Landratsamtes ihre Projekte vor.

Wie soll Sonthofen im Jahr 2030 aussehen? Wie „smart“ wird Sonthofen sein? Schülerinnen und Schüler aus allen weiterführenden Schulen setzten sich im Rahmen von „Smart City – Zukunft mitdenken“ der Bildungsinitiative „Technik – Zukunft in Bayern 4.0“ mit der Zukunft ihrer Heimatstadt auseinander.

In vier Workshops entwickelten die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule, der Realschule, der FOS und des Gymnasiums Sonthofen gemeinsam mit Experten Ideen, um ihre Heimatstadt für die Zukunft smart und attraktiv zu gestalten. Die Frage, die über allen Workshops stand war: „Wie smart ist Sont­hofen bis zum Jahr 2030?“ In einer fiktiven Bürgerversammlung stellten die Schüler die Ergebnisse aus den Workshops „smart mobility. Entwicklung eines Verkehrskonzeptes für Sont­hofen im Jahr 2030“, „smart living. Urbane Gestaltung des Oberallgäuer Platzes – Vision 2030“, „smart government. Was braucht eine moderne Stadtverwaltung“ sowie „smart tourism. Sonthofen lockt mit einem neuen Tourismuskonzept für Jugendliche“ vor und diskutierten diese mit den anwesenden Politikern, Experten und Bürgern.

In seiner Begrüßung betonte Sonthofens 1. Bürgermeister Christian Wilhelm die rasanten Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung – Digitalisierung habe man heute überall, in der Bildung, in der Kommunikation, in der Geschäftswelt, in der Industrie. Sonthofen sei „federführend im Oberallgäu“ im Bereich Industrie 4.0 – mit dem Netzwerk „Industrie 4.0/Digitalisierung“ und dem Netzwerk der Alpenstädte. Wilhelm zeigte sich, ebenso wie die anderen Diskussionsteilnehmer, neugierig auf die Ergebnisse der Workshops.

Mit ihm auf dem Podium saßen Moderator Omid Atai, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm, Dr. Christoph Prechtl, Dr. Gert Bruckner, Leiter der Abteilung Mittelstand, Handwerk und Tourismus im Bayerischen Wirtschaftsministerium sowie Josef Rothärmel und Reinhard Gogl als Vorsitzende des Arbeitskreises SchuleWirtschaft Südliches Oberallgäu. Wie in einer „richtigen“ Bürgerversammlung stellten die einzelnen Arbeitsgruppen ihre Projekte als Anträge vor – mit anschließender Diskussion und Abstimmung. Vorneweg: Allen vier Konzepten wurde mit großer Mehrheit von den Anwesenden zugestimmt.

smart mobility

Die Mittelschüler hatten gemeinsam mit Experten der Stadt Sonthofen und von Fili Concept ein Verkehrskonzept für das Jahr 2030 entwickelt. Ihr Wunsch: Den Kraftfahrzeugverkehr bis zu diesem Zeitpunkt zu halbieren. Um dies umzusetzen, soll nach dem Willen der Schülerinnen und Schüler vermehrt auf Fahrräder, E-Bikes und Lastenfahrräder gesetzt werden. Auch intelligente Rikschas für die Innenstadt sind im Konzept vorgesehen. Bis an die Stadtgrenze sollen hochmoderne, selbstfahrende Busse verkehren, die mit einer eigens entwickelten APP bezahlt werden können. Am Stadtrand soll zudem eine Tiefgarage liegen, in der Gäste parken können.

Innerorts können auch Touristen aufs Rad umsteigen, da es Fahrräder zu leihen gibt. Sämtliche Verkehrsmittel sollen mit erneuerbaren Energien oder per Muskelkraft betrieben werden. Die Vorteile des Verkehrskonzeptes: nachhaltig, niedriger CO2-Ausstoß, ressourcen- und umweltschonend, der Verkehrslärm nimmt ab und auch die Zahl der Verkehrsunfälle wird dank intelligenter Fahrzeuge sinken. Auch an das Problem „Wie bekomme ich meine Einkäufe heim?“ haben die Schüler gedacht: Roboter liefern die Einkäufe nach Hause.

Sonthofens Bürgermeister Christian Wilhelm zeigte sich bei der anschließenden Diskussion überzeugt von dem Konzept. Die Stadt sei bereits auf einem guten Weg, vor allem dank des Projektes „Fahrradstadt Sont­hofen“, und bei der Stadtratssitzung am Vortag sei es unter anderem auch um das Thema Lastenfahrräder für Handwerksbetriebe gegangen.

smart living

Der Oberallgäuer Platz stand im Zentrum des Konzeptes der Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Sonthofen. Gemeinsam mit dem Architekturforum Allgäu und FG Architekten hatten sie sich überlegt, wie der Platz bis 2030 gestaltet werden soll. Nach ihrem Willen soll aus dem Oberallgäuer Platz ein Zentrum werden, das alle Generationen anspricht. Eine Oase der Ruhe, der „Ruhe vor Technik“. Auf einer versenkbaren Bühne, die ausgestattet ist mit einem Dach, das zum einen als Regenschutz dienen soll, zum anderen durch Solarzellen den benötigten Strom liefern soll, soll es Konzerte aller Musikrichtungen geben, Theateraufführungen, aber auch Public Viewing bei Weltmeisterschaften. Auf der Rückseite soll eine zentrale Bushaltestelle entstehen.

Eine digitale Infosäule liefert die aktuellsten Nachrichten, soll aber auch als „Scharzes Brett“ mit wichtigen Infos der Stadt dienen oder beispielsweise tägliche Sportübungen zeigen. Auch einen Kiosk wollen die Schülerinnen und Schüler installieren, mit Sonnenterrasse und Snackautomat. Im Kiosk sollen vor allem regionale Bioprodukte angeboten werden. Eine unterirdische E-Bike-Ladestation rundet den nachhaltigen Charakter des Platzes ab. Installiert werden sollen zudem „smarte“ Sitzmöglichkeiten – mit Handyladestation, aber auch einem persönlichen Schließfach, wenn man sein Smartphone einfach mal wegschließen will. Ein Aufzug soll direkt in die Tiefgarage führen.

Aufgelockert wird der Platz durch große Grünflächen und Spielmöglichkeiten für die Kleinen. Durch ein geschicktes Regenwassermanagement soll zudem Wasser zum Blumengießen gesammelt werden, im Winter könnte eine Eislaufbahn entstehen.

Für Christian Wilhelm hat das Konzept „ganz tolle Ansätze“. Über eine Neugestaltung des Oberallgäuer Platzes denkt die Stadt schließlich schon länger nach. Josef Rothärmel gefielen vor allem die multifunktionelle Planung und das Prinzip der Entschleunigung. Dies hob auch Dr. Gert Bruckner hervor: zurück zu analogen Netzwerken, also wieder mit den Menschen direkt kommunizieren, sei ein wichtiger und richtiger Weg.

smart government

Die „Sonthofen City App“ stellten die Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule vor als Instrument einer modernen Stadtverwaltung. Neben einem „City Guide“ können die Benutzer in einem Forum diskutieren, auch mit dem Bürgermeister. Ein „News Portal“ beinhaltet die aktuellen Veranstaltungen in Sonthofen, die Verkehrslage, freie Parkplätze und auch einen Produktführer, in dem man beispielsweise schauen kann, wo es in Sonthofen einen bestimmten Rucksack gibt. Auf dem „Marktplatz“ bietet sich die Möglichkeit, Jobs zu suchen. Jeder Benutzer kann sein Profil gestalten, hat ein Postfach und kann auch mit dem „Sonti Bot“ kommunizieren. Über einen Formular-Assistenten kann man Anträge oder ähnliches direkt per Smartphone ans Rathaus senden, und auch Termine mit der Stadtverwaltung lassen sich problemlos per App vereinbaren. Bei ihrem Konzept wurden die Schüler von der Stadt Sonthofen und Tramino unterstützt.

In der anschließenden Diskussion sagte Bürgermeister Christian Wilhelm, dass er eine derartige Kommunikationsmöglichkeit zwischen Bürger und Rathaus hoffentlich schon vor 2030 präsentieren könne. Weiter bemerkte er, dass man bei solchen Dingen nicht zu lokal denken dürfe, dass so etwas beispielsweise bayernweit durch die bayerische Staatsregierung ins Leben gerufen werden sollte. Petra Wilhelm von der Stadtverwaltung fand die App eine „Coole Idee“, die sicherlich von allen Generationen angenommen werden würde.

smart tourism

Ein Tourismuskonzept für Jugendliche stellten die Schülerinnen und Schüler der Realschule vor. Anregungen und Tipps hatten sie von den „Allgäuer Gastgebern“ und „young alps“ erhalten. „Sonthofen als Zentrum für den Gegentrend“ ist ihr Motto. In einer digitalisierten Welt sollen die Jugendlichen auch die Natur erleben, sie sollen einmalige Erlebnisse haben, sich bewegen, Emotionen erleben: Ein Kunstpark in Sonthofen, bei dem die Jugendlichen per QR-Codes in die Bedeutung der Kunstwerke eingeführt werden – eine Verbindung zwischen digitaler und analoger Welt. Festivals und mehr in einem modernen Youth Center – für einheimische Jugendliche und für die Gäste. Als besonderes Highlight soll es eine große Trampolinhalle geben, diese soll, ebenso wie das moderne Hostel, auf dem Konversionsgelände angesiedelt werden. Und natürlich sollen die Jugendlichen auch die Vorzüge der Umgebung erleben – sei es beim Wintersport, bei einer Bergwanderung oder beim Mountainbiken.

Digital und analog

„Ich bin überzeugt, dass die Ideen weitergedacht werden“, zeigte sich Moderator Omid Atai zufrieden mit den Ergebnissen der Projekte. Für Dr. Gert Prechtl war es interessant zu sehen, dass „die Jugend“ nicht nur auf digitalem Weg erreichbar ist, sondern auf digitalem und realem Wege. Christian Wilhelm bestätigte, dass er auf jeden Fall Anregungen aus den Projekten mitnehmen werde, wie beispielsweise die QR-Codes oder die Pläne für den Oberallgäuer Platz. Die Schülerinnen und Schüler gingen auch nicht mit leeren Händen nach Hause. Neben den sicherlich lehrreichen Eindrücken und Erfahrungen bekamen alle ein Zertifikat für die Teilnahme am Workshop überreicht.

eva

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