Bahnhofsumfeld, Goethequartier, GOB, Stadtmuseum: Viele Projekte in der Kreisstadt

Sonthofen wird zur Großbaustelle

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Im kommenden Jahr beginnen die Baumaßnahmen auf dem Bahnhofsvorplatz.

Auf großes Interesse stieß die  Bürgerversammlung der Stadt Sonthofen am Montag im Haus Oberallgäu. 190 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um dem Jahresbericht von 1. Bürgermeister Christian Wilhelm zu lauschen und sich über die Finanzlage der Stadt, Investitionen und Projekte zu informieren.

Im Vorfeld und in der Pause hatten die Anwesenden die Möglichkeit, mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung, von Polizei, Amtsgericht und anderen Institutionen ins Gespräch zu kommen.

„So groß war die Bürgerversammlung noch nie!“, freute sich Sonthofens 1. Bürgermeister Christian Wilhelm an diesem Abend, der ihn trotzdem „mit Wehmut“ erfülle, da es die letzte Bürgerversammlung mit dem amtierenden Stadtrat sei. Wilhelm erinnerte an die anstehenden Kommunalwahlen im März 2020 und rief die Anwesenden auf, möglichst zahlreich wählen zu gehen. Er dankte dem Stadtrat für die vergangenen sechs Jahre und für die gute Zusammenarbeit. „Ich habe viel gelernt, wir haben uns gegenseitig angespornt, wir haben viel vorangebracht!“, so sein Fazit.

Aufruf zur Solidarität mit Voith-Angestellten

Im Vorfeld seines Jahresberichtes sprach Bürgermeister Christian Wilhelm ein Thema an, das derzeit viele Menschen in Sonthofen bewegt. Mit „großer Bestürzung“ habe er, Wilhelm, auf die Nachricht über die geplante Schließung des Voith-Standortes Sonthofen reagiert. Das Werk in Sonthofen mit seiner mehr als 500-jährigen Geschichte habe zur Entwicklung der Gemeinde beigetragen. Anders als von der Konzernleitung kommuniziert seien insgesamt nicht 420 Angestellte von der Standortschließung betroffen, sondern 519. Bei den Zahlen habe die Konzernleitung die Auszubildenden herausgelassen, Teilzeitstellen zusammengefasst und Mütter in Elternzeit unterschlagen – die Zahlen geschönt.

Von Seiten der Stadt werde alles getan, den Betroffenen und ihren Familien zu helfen. Es habe, so Wilhelm weiter, zahlreiche Gespräche mit Politikern, der Voith-Geschäftsleitung und anderen gegeben. In der Stadtverwaltung und in weiten Teilen der Bevölkerung habe sich großer Unmut über den Voith-Konzern breit gemacht.

„Jeder Konzern darf sich Gedanken über Umstrukturierungen machen“, so Wilhelm. Allerdings wirft er der Voith-Geschäftsleitung eine miserable Kommunikation vor. Der Bürgermeister versicherte den betroffenen Mitarbeiten seine Solidarität und die der gesamten Stadt. Er rief die Anwesenden dazu auf, am 30. November mit nach Heidenheim zu fahren. Der Betriebsrat hat an diesem Tag einen Bus organisiert, um vor der Konzernleitung gegen die Schließung des Standortes Sonthofen zu demonstrieren.

Finanzen

Die Stadt Sonthofen arbeitet laut 1. Bürgermeister Christian Wilhelm weiter erfolgreich daran, ihren Schuldenberg abzubauen. So konnten im Jahr 2018 4,1 Millionen Euro Überschuss erwirtschaftet werden, die zum Schuldenabbau oder für neue Investitionen verwendet werden können, für 2019 rechnet die Stadtverwaltung mit 3,7 Millionen Euro an freien Mitteln.

Seit dem Schuldenhöchststand aus dem Jahr 2013 – damals zeigte der städtische Haushalt 39,113 Millionen Euro Schulden auf – konnten bis heute rund 12 Millionen Euro Schulden abgezahlt werden: zum Jahresende rechnet der Kämmerer mit nur noch 27,799 Millionen Euro Schulden. Dies, so Wilhelm, habe sich die Stadt hart erarbeitet, sie habe unter anderem die Pflichtausgaben auf das Notwendigste beschränkt, nach Investoren für Projekte gesucht und sei nach wie vor im Gespräch wegen mehrerer Hotelprojekte. Besonders deutlich werden die gesunkenen Schulden an den Zinsaufwendungen der Stadt. Musste sie 2013 fast 1,5 Millionen Euro an Zinsen zahlen, werden es heuer nur noch 930000 Euro sein.

Trotzdem müssen laufend Investitionen getätigt werden, so Wilhelm weiter. In diesem Jahr investierte die Stadt Sonthofen unter anderem 1 Million Euro in den Straßenbau, 1,5 Millionen Euro in den Neubau der Bahnunterführung in der Immenstädter Straße und 1,5 Millionen Euro in die Fortsetzung des Hochwasserschutzes an der Ostrach. Der Bürgermeister rief den Anwesenden zudem ins Gedächtnis, dass mit der anstehenden Konversion der Bundeswehrareale auch hohe Investitionskosten auf die Stadt zukommen werden.

Projekte und Maßnahmen

Einen kleinen Blick in die Zukunft warf Bürgermeister Christian Wilhelm, als er über wichtige Projekte und Maßnahmen in den Jahren 2020 bis 2023 warf. So wird die Stadt in den Neubau des Busbahnhofes und die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes investieren – die Maßnahmen hierzu werden bereits im kommenden Jahr beginnen. Außerdem stehen die Generalsanierung der Marktanger-Tiefgarage, der Neubau der Johannis-Kindertagesstätte, der Neubau eines Kinderhortes an der Grundschule Berghofer Straße sowie die Erweiterung weiterer Kindertagesstätten auf dem Plan. Der Umbau des Heimathauses zum geplanten Stadtmuseum steht in der Startlöchern, der Bau eines – einmaligen – Technologie-Transfer-Zentrums sowie Grunderwerb und Durchführungsmaßnahmen im Rahmen der Konversion müssen bewerkstelligt werden. Das geplante und neu konzipierte Stadtmuseum soll, zusammen mit der Stadtgalerie, die von der Stadt angemietet wurde und demnächst renoviert werden soll, Sonthofens „neues Kulturviertel“ präsentieren.

Wilhelm erläuterte auch Baumaßnahmen, die von Investoren getätigt werden. So baut der ZAK derzeit den neuen Wertstoffhof, die Eröffnung ist für Mai 2020 geplant. Besonders wichtig: Im neuen Wertstoffzentrum, das direkt an der B19 liegt, sind Müllumladestation und Wertstoffhof auf ein Areal konzentriert. Außerdem wird dort ein Gebrauchtwarenkaufhaus eingerichtet und die Öffnungszeiten verlängert.

Auf dem Gelände der ehemaligen Marktwaage an der Hindelanger Straße beginnen in Kürze die Bauarbeiten des SWW. Dort werden 39 Wohneinheiten entstehen, die beiden Häuser werden zudem einen Gemeinschafts- und einen Werkraum beinhalten und es ist Platz für eine Gewerbeeinheit vorgesehen.

Wilhelm informierte auch über die Großbaustelle auf der „Burg“. Demnach laufen die Baufortschritte derzeit nach Plan, ab der zweiten Jahreshälfte 2020 sollen die ersten Einheiten auf der Burg unterkommen. Die Kosten für den Umbau der Generaloberst-Beck-Kaserne haben sich laut Wilhelm von anfänglich veranschlagten 70 Millionen Euro auf inzwischen 280 Millionen Euro erhöht. Die Gründe hierfür liegen unter anderem in diversen Bundeswehrreformen. Die Kosten für den Umbau trägt der Bund. Wichtig ist die Burg für die Konversionspläne der Stadt – wann werden die Kasernen in der Stadt frei, wann kann die Stadt in Verhandlungen mit der BIMA treten, wann können die ISEK-Pläne umgesetzt werden?

Wohn- und Gewerbeentwicklung

Als „große Baustelle“ stellte Wilhelm Sonthofen in den kommenden Jahren vor. Neben dem Mega-Projekt Bahnhofsumfeld/Mobilitätszentrum entsteht in den kommenden Jahren ein Wohn- und Gewerbegebiet nahe der Fachoberschule in Rieden, in der Illersiedlung werden drei Grundstücke vergeben, auf dem ehemaligen C&C-Gelände an der Illerstraße in Rieden sollen ein Rewemarkt, ein Gastronomiebetrieb, Wohnungen und Gebäude für Dienstleister entstehen. Hinzu kommen die Baumaßnahmen im „Goethequartier“, in dem zwischen 80 und 100 Wohnungen entstehen. Geplanter Baubeginn hierfür ist im Jahr 2021.

Glasfaserausbau

Das Projekt „Glasfaserausbau“ der Telekom ist für Bürgermeister Wilhelm eine große Chance für die Stadt. Bis 12. Dezember müssen sich 1500 Haushalte für das Angebot entscheiden, damit die Telekom den Ausbau des Glasfasernetzes in der Innenstadt ohne Zusatzkosten für die Gemeinde und für die Haushalte beginnt. Die Stadt spart sich damit, so Wilhelm, rund 2,5 Millionen Euro. Dieses Geld, so der Bürgermeister weiter, kann die Verwaltung später für den weiteren Ausbau des Glasfasernetzes in den bislang nicht abgedeckten Stadtteilen wie Rieden oder Binswangen aufwenden. Er rief die Bevölkerung daher dazu auf, sich für einen Glasfaseranschluss zu entscheiden und bei Nachbarn und Freunden dafür zu werben.

Fragen aus der Bevölkerung

Im Vergleich zu früheren Jahren verlief die Fragerunde nach der Pause sehr friedlich. Die wichtigsten Themen waren Barrierefreiheit in der Innenstadt – so zieht sich das geplante Abschleifen des Kopfsteinpflasters in der Fußgängerzone noch hin, da die ursprünglich beauftragte Firma ihr Angebot zurückgezogen hat, die neue Firma aber erst im Frühjahr mit den Arbeiten beginnen kann. Da die Gastronomiebetriebe in den letzten Jahren vermehrt auch in der Fußgängerzone bestuhlen, seien die ursprünglich für gehandicapte Menschen gedachten, barrierefreien Streifen oftmals nicht mehr frei. Die Stadt suche hier nach einer Lösung in Einklang mit den Gastronomiebetrieben.

Schlecht geräumte Gehwege im Winter führen oftmals zu Unmut – hier wies Wilhelm auf die Pflicht der Eigentümer hin, die Gehwege einen Meter breit zu räumen und den Schnee nicht auf die Straße zu werfen, sondern in den eigenen Garten.

Franz Hatt aus Rieden beklagte sich darüber, dass die Illerstraße – obwohl die B19 wieder frei befahrbar ist – immer noch von zahlreichen Fahrzeugen genutzt werde auf dem Weg über Blaichach nach Immenstadt oder umgekehrt. Er regte vermehrte Geschwindigkeitskontrollen oder Tempo 40 in der Illerstraße an. Bürgermeister Wilhelm stand den Geschwindigkeitskontrollen offen gegenüber, Tempo 40 müsse allerdings mit dem Landratsamt geklärt werden, da die Illerstraße keine städtische Straße sei. Hierfür wolle man jedoch erst ein Gerichtsurteil abwarten, da ein Bürger gegen das Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt Altstädten geklagt habe.

Eine weitere Frage von Franz Hatt war, warum man den aktuellen Wertstoffhof nicht durch Hecken oder einen anderen Sichtschutz in Richtung Bahnhof abschotte. Schließlich, so Hatt, sei es kein schönes Bild für Urlauber, wenn sie mit der Bahn anreisen und von dem hässlichen Gebäude empfangen werden. Wilhelm hierzu: eigentlich seien Hecken als Sichtschutz schon abgesprochen worden, derzeit laufen weitere Gespräche mit dem Eigentümer des Wertstoffhofes.

Hans Lotter aus der Burgsiedlung sprach in Hinblick auf Geschwindigkeitskontrollen in Altstädten von „Abzocke“. Er bemängelte, dass lediglich aus Altstädten in Richtung Sonthofen am Ende von Tempo 30 geblitzt werde, wo viele Autofahrer schon mal Gas geben würden. Von Sonthofen nach Altstädten hinein werde jedoch nicht geblitzt, obwohl da doch sicher noch viele mit 80 oder 90 Stundenkilometern unterwegs seien. Wilhelm widersprach dem Vorwurf der Abzocke. Man wolle, auf die Bitte vieler Anwohner hin, einen möglichst großen Bereich Altstädtens durch Tempo 30 sicherer machen, deshalb der Blitzer ortsauswärts. Da die Stadt aber niemanden „reinreiten“ wolle, werde in den Ort hinein nicht geblitzt.

Lotter wollte zudem wissen, warum die Dammwege an der Ostrach auf der einen Flusseite für die Öffentlichkeit gesperrt sind wenn sie jetzt doch schon da sind. Die Antwort des Bürgermeisters: Die Eigentümer hätten den Baumaßnahmen, die teils ihre Grundstücke betrafen, nur zugestimmt unter der Voraussetzung, dass die entstehenden Dammwege lediglich der Sicherheit dienten und für die Öffentlichkeit auch weiterhin nicht zugänglich seien.

eva

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