"Is it a good place?"

Eva Veit

Sonthofen – In der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Sonthofen herrscht ein reges Kommen und Gehen. Nach ihrer Ankunft in Deutschland werden die Flüchtlinge dort unter anderem registriert und ärztlich untersucht. Nach etwa einer Woche werden sie auf Asylunterkünfte in ganz Deutschland verteilt – die Abreisetage sind für die ehrenamtlichen Helfer stets eine Herausforderung.

222 Menschen machten sich am Donnerstag von Sonthofen aus auf in alle Teile der Republik. Sie gehören zu den Flüchtlingen, die am Wochenende aus Ungarn über Wien nach München gekommen waren. Von München aus waren sie nach Sonthofen gebracht worden, wo sie registriert und ärztlich untersucht wurden. In der Kleiderkammer der Erstaufnahmeeinrichtung, die dank zahlloser Spenden aus der Bevölkerung derzeit sehr gut gefüllt ist, bekamen sie neue Kleidung.

Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Pakistan und fuhren am Donnerstag von Sonthofen aus mit dem Zug unter anderem nach Dortmund, Chemnitz, Zirndorf, Schweinfurt und Bielefeld. Unter ihnen auch viele Familien – zum Beispiel der syrische Kurde Anwer, der mit seiner Frau Guljin und seinen vier kleinen Kindern aus der hart umkämpften Stadt Kobane geflohen ist.

Für die ehrenamtlichen Helfer vom Runden Tisch Asyl Sonthofen begann der Tag früh: Um halb 7 waren sie in der Erstaufnahmeeinrichtung, wo die Asylbewerber, die in eine andere Unterkunft verlegt wurden, ihre Fahrkarten und Lunchpakete für die – teils recht lange – Zugfahrt bekamen. Mit Bussen wurden die 222 Flüchtlinge dann zum Bahnhof gebracht. Dort kümmerten sich fünf Helfer um die Menschen. Sie erklärten ihnen, wo sie umsteigen müssen, ob sie noch mit der U-Bahn weiterfahren müssen. Sie brachten sie an den Bahnsteig, in Gruppen je nach Zielort. Schauten, dass auch jeder in den richtigen Zug steigt. Die erste größere Gruppe fuhr mit dem Zug um 10.01 Uhr, die nächste um 10.12 Uhr. Einige wenige nahmen spätere Züge.

Mittendrin: die „normalen“ Reisenden, die zunächst einmal staunten über die ungewohnt vielen Menschen am Sonthofer Bahnhof. Ihre Blicke teils freundlich, teil skeptisch. Einige sorgten sich, ob sie im Zug einen Sitzplatz bekommen.

„Is it a good place?“ – die Frage, ob der Zielort ein guter Ort ist, hören sie oft, erzählt eine der Helferinnen. Manchmal könnten sie dies nicht mit gutem Gewissen bejahen. Es sei schon ein komisches Gefühl, wenn die Flüchtlingskinder weiterreisen, auch wenn sie nur so kurz in Sonthofen sind, sagte eine weitere Ehrenamtliche, die sich im Spielzimmer der Erstaufnahmeeinrichtung engagiert. An diesem Wochenende werden schon die nächsten Flüchtlinge in Sonthofen erwartet.

eva

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