Raus aus der Sackgasse

Sonthofen: Grünen-Stadträte wollen beim Baumschutz am Ball bleiben

Buche
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Diese markante Blutbuche kann trotz Bautätigkeit stehen belieben.

Sonthofen – Der „Kampf“ um eine Baumschutzverordnung ist noch nicht vorbei. Die Grünen wollen weiter dran bleiben.

Der „Kampf“ um eine Baumschutzverordnung für die Stadt Sonthofen dauert schon gut zehn Jahre. Ein wichtiger Vorstoß, um nach intensiver Vorarbeit einer Arbeitsgruppe endlich auf die Zielgerade zu kommen, scheiterte im Juli im Stadtrat am Widerstand der CSU und Freien Wähler. Dabei sah es ganz danach aus, als wären nur noch einige Details der Ausgestaltung zu klären. Vielmehr will die CSU-Fraktion einen eigenen Entwurf voranbringen. Die Fronten scheinen verhärtet – in der Arbeitsgruppe und im Stadtrat. Die Grünen wollen nicht aufgeben, im Gespräch bleiben und signalisieren: Gemeinsam muss es doch gehen.

Die Vorarbeiten waren schon „sehr weit gediehen“, betont Ingrid Fischer. Sogar einen Satzungsentwurf hatte die Arbeitsgruppe Baumschutzverordnung schon ausgearbeitet. „Einige Detailfragen und Feinheiten galt es noch zu klären“, so Fischer im Rückblick. „Und dann wird alles über den Haufen geworfen.“ Sie sei maßlos enttäuscht, dass keine gemeinsame Lösung in der Baumschutz-Frage gefunden werden konnte. In der Juli-Sitzung des Stadtrats hatten die Fraktionen der CSU und der Freien Wähler den Bettel hingeworfen und dem Antrag der Grünen, die Baumschutz-Verordnung weiter voranzutreiben eine klare Absage erteilt (wir berichteten).

Baumschutzverordnung: 180-Grad-Wendung

„Das hat uns wirklich verwundert“, ergänzt Grünen-Stadtrat Michael Borth, Umweltreferent des Stadtrates. Dabei habe sich die CSU in den Besprechungen der Arbeitsgruppe zunächst sehr kooperativ gegeben. „Und dann die 180-Grad-Wendung – überraschend, quasi von hinten durch die Brust ins Auge...“ Gegenwind hatte es für die Grünen bereits im Frühjahr gegeben, als sie CSU-Fraktion einen eigenen Vorstoß in der Baumschutzfrage unternahm. Das Stadtbaum-Konzept setzte auf Förderung von Neupflanzungen, Unterstützung und Beratung von Baumbesitzern bei Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen. Die von den Grünen favorisierte klassische Baumschutz-Verordnung nach dem Vorbild vieler anderer Kommunen und Städte sei Gängelei und Eingriff ins Eigentumsrecht, so das Fazit. Die CSU baue auf Freiwilligkeit und Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Zudem führe die geplante Baumschutz-Verordnung zu Verwaltungsaufwand und regelmäßig erhebliche Kosten für die Stadt.

Verwundert zeigen sich die Grünen auch, weil eine Reihe von Details, die den Schutz des Baumbestandes und etwaige Eingriffe detailliert regeln, noch gar nicht näher diskutiert worden worden seien. „Das kann man sehr fein abstimmen, etwa auf bestimmte Baumarten oder auf festgelegte Maße und weitere Kriterien“, sagt Umweltreferent Borth.

Wertvoller Baumbestand muss geschützt werden

Borth beruft sich auf einschlägige Erfahrungen anderer Kommunen und folgert: „Freiwilligkeit führt nicht weit.“ Man habe im Rahmen der Arbeitsgruppen viele andere Satzungen geprüft und auch den Rat der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz GALK eingeholt. Schließlich ließen sich beide Zielrichtungen durchaus vereinbaren, meint Ingrid Fischer. Die gute Idee von möglichst vielen Neupflanzungen von Stadtbäumen sei eine Seite, der Schutz des vorhandenen wertvollen Baumbestandes aber ebenso wichtig.

Hier macht Borth eine interessante Rechnung auf: Eine stattliche 100-jährige Buche „leiste“ über ihr enormes Kronenvolumen und der Blattfläche 20 mal soviel, wie ein 15 Jahre alter Jungbaum! Oder anders herum: Man brauche also 20 kleine Buchen, um auf die Kapazität eines ausgewachsenen Baumes zu kommen. Borth zufolge koste eine derartige Ersatzpflanzung rund 340 000 Euro. Der Wert alter, intakter Bäume werde unterschätzt. „Und es dauert gut 70 Jahre bis aus der „Nachwuchs“ seine volle Leistungsfähigkeit erreiche. „Wir brauchen aber Klimaschutz jetzt!“ Zahllose Studien und Untersuchungen zeigten, so Borth weiter, dass „gutes Stadtklima“ heute schon eine große Rolle spiele und zukünftig wohl noch wichtiger werde.

Stadtklima: Schattenspender Baum

Welche wichtige Rolle Bäume für das Stadtklima und die Aufenthaltsqualität einer Innenstadt spielten, habe man an den heißen Tagen des Sommers gut gesehen. „Die Leute haben sich geradezu unter den wenigen schattenspendenden Bäumen in der Fußgängerzone gedrängt. „Man will ja sein Eis nicht in der prallen Sonne dahinschmelzen sehen... alle suchten Schatten.“

Den von der CSU vorgebrachten Hinweis auf bedrohte Eigentumsrechte lassen die Grünen nicht pauschal gelten. Eigentum verpflichte, betont Borth. Auch im Bayerischen Naturschutzgesetz werde das Thema Gemeinwohl konkret angesprochen.

Bäume mussten Edeka-Parkplatz weichen

Wie wichtig der Schutz des Baumbestandes offenbar ist, zeigten Borth zufolge jüngste Beispiele aus der Praxis. So seien ohne Not beim Bau des neuen Edeka-Parkplatzes mehr als ein Dutzend großer Laubbäume gefällt worden – Ersatz: bescheiden Jungpflanzen aus der Baumschule. Ein andere Streit über Erhalt oder Ersatz spiele sich auf dem benachbarten Gelände beim ehemaligen Sport-Schmid-Areal ab. Eine mächtige Blutbuche könne wohl stehen bleiben, die Zukunft einer stattlichen Linde – ein Grenzbaum – nur einen Steinwurf entfernt noch ungewiss.

„Es geht um die Sache“, stellt Ingrid Fischer fest und ihre Fraktion werde weiter das Gespräch mit der CSU-Fraktion im Stadtrat suchen und in der Angelegenheit Baumschutzverordnung nicht aufgeben. Man sei auch nicht beleidigt, falls eigene Ideen von anderen übernommen würden, um aus der Sackgasse zu kommen. Vielleicht klappe es ja in einem vierten Anlauf. „Wir brauchen eine sinnvolle Satzung! Jetzt.“ ergänzt Grünen-Stadträtin Maria Nothing. Klimaschutz beginne vor der eigenen Haustüre. Im Garten.

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