Sonthofen will sich zur Landesgartenschau bewerben 

"Ja" zur Landesgartenschau

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Michael Voit vom Büro WGF Landschaft präsentierte das Sonthofer Bewerbungskonzept für eine Landesgartenschau im Jahr 2022.

Sonthofen – Vergangene Woche sprach sich der Sonthofer Stadtrat in einer Sondersitzung für die Bewerbung der Stadt zur Landesgartenschau 2022 aus. Der Abstimmung waren eine erneute Erläuterung der Sachlage und erneute Diskussionen vorangegangen.

Auf der Sondersitzung ging es um die Grünflächenplanung, weil diese die Grundlage für eine Landesgartenschauplanung sei, erläuterte Stadtbaumeister Lutz-Holger Behre. Es war nicht die erste Sitzung zum Thema Gartenschau, aber es wurde eine richtungsweisende. Denn der Stadtrat war aufgefordert einen Beschluss zur Bewerbung für eine Landesgartenschau oder für eine kleine Gartenschau „Natur in der Stadt“ zu fassen. 

Eigentlich hatten sich die Stadträte nach vielen Sitzungen schon klar positioniert. So hatte sich der Stadtrat bei der ISEK-Abschlusssitzung und beim Bürgerforum einstimmig für die ISEK-Empfehlung ausgesprochen. Dennoch gab es unterschiedliche Auffassungen, wie Bürgermeister Hubert Buhl wusste: „Ist die Gartenschau eine Chance oder ein Risiko?“ 

Bei der Sitzung wurde auch thematisiert, ob eine Stadt mit viel Grünflächen drum herum überhaupt neue Grünflächen brauche. Es sei nicht nachvollziehbar, in der Grüntenkaserne versiegelte Flächen in Grünflächen umzuwandeln, wenn an anderer Stelle Grünflächen zugebaut werden sollen, so die Meinung Einzelner. Ebenso wurde debattiert, ob Sonthofen sich das leisten könne, ob die Gartenschau nachhaltig sei und ob der neue Stadtrat darüber entscheiden müsse. 

Ein leicht genervter Bürgermeister stand sachlich und betont Rede und Antwort, fachlich unterstützt von seinem Stadtbaumeister Lutz-Holger Behre, Michael Voit (Büro WGF Landschaft), Dagmar Voß (Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH) und Helmut Cybulska (Stadtplaner der Stadt Rosenheim). 

Das ISEK-Konzept empfehle die Durchführung einer Gartenschau als Instrument zur Konversion der Grünten- und Jägerkaserne. Zudem wäre eine Landesgartenschau das größtmögliche Fördergelder-Beschaffungsprogramm. Michael Voit vom Büro WGF Landschaft, welches mit der bisherigen Planung und Erstellung der Bewerbungsunterlagen für eine Gartenschau beauftragt ist, präsentierte nochmals die Fakten zu einer Sonthofer Bewerbung. 

Grünflächen werden gefördert 

Die im ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept) vorgesehenen Grünräume sollen zur Gänze mit dem Instrument der Gartenschau entwickelt werden. Die Grüntenkaserne werde zum zentralen Ausstellungsgelände der Gartenschau. Die Ausstellungsfläche umfasse rund 12 Hektar neue Grünflächen in der Grünten- und Jägerkaserne und 6 Hektar Ostrachgelände. Hierzu gehört auch eine Grünfläche in der Grüntenkaserne mit 8,5 ha, welche zukünftig im neuen Wasserschutzgebiet der Fernwasserversorgung liege und deshalb nicht bebaut werden dürfe. Insgesamt werde eine Fläche von 18 ha dauerhaft umgestaltet bleiben. Eine zusätzliche Fläche von 6 ha würde nur für die Dauer der Gartenschau genutzt. Die Kosten würden sich auf 12,8 Millionen Euro belaufen. Ein großer Teil der Kosten könne jedoch durch Fördergelder gedeckt werden. 

Das Ausstellungskonzept möchte dem Besucher den Übergang von der Kaserne zum neuen Stadtteil mit Wohnen am Wasser vor alpiner Kulisse erfahrbar machen. Das Ostrachufer würde neu gestaltet werden und ein Ostrachpark entstehen. Das Konzept sehe zudem eine Grünvernetzung zur Innenstadt vor, die wie ein grüner Erlebnisweg vom Bahnhof über verschiedene Stationen durch das Stadtgebiet zum Ausstellungsgelände führen werde. 

Eine Umgestaltung des Bahnhofsplatzes sei eingeplant, ebenso wie eine Brücke über die B 308 und Brücken über die Ostrach. Im Rahmen einer solch imageträchtigen Veranstaltung werde die DB AG sicherlich auch Geld zur Sanierung der Sonthofer Bahninfrastruktur einplanen, hoffte der Bürgermeister. „Aus Sicht der Wirtschaft ist die Landes- gartenschau ein großer Prestige- und Imagegewinn für die Stadt und das Oberallgäu,“ betonte Buhl. 

Zukunftsträchtige Entscheidung 

Dagmar Voß von der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen betonte, dass Sonthofen mit seinem Konzept bei einer Bewerbung für eine Landesgartenschau gute Chancen habe. Helmut Cybulska, der Rosenheimer Stadtplaner, berichtete von den Erfahrungen Rosenheims mit der Landesgartenschau. Es sei trotz viel Regen ein sechsmonatiges Sommermärchen mit einer Million Besuchern gewesen. Mit den Fördermitteln und den Besuchereinnahmen habe die Veranstaltung eine schwarze Null ergeben. Ebenfalls hätten sie im Rahmen dieser Baumaßnahmen mit Hilfe der Fördermittel eine Flächenkonversion erfolgreich durchgeführt. Die dauerhaft umgestalteten Flächen wären zudem ein nachhaltig attraktives Gelände geblieben. Die Landesgartenschau habe ungeheure Schubkraft gehabt und sei ein Motor der Erneuerung gewesen. Handel und Tourismus hätten besonders in den sechs Monaten stark davon profitiert. „Es war unsere Jahrhundertchance! Wir sind glücklich, dass wir die Chance genutzt haben!“ freute sich Cybulska rückblickend. 

Bürgermeister Buhl warb nochmals für die Landesgartenschau. „In der Stadt fehlt grün. Wir können das Wasserschutzgebiet in der Grüntenkaserne absichern und nutzen und wir können damit ein großes Stück vom touristischen Kuchen des Allgäus bekommen!“ 

Die Entscheidung für eine Bewerbung für die Landesgartenschau 2022 (oder gegebenenfalls 2024) wurde mit einer großen Mehrheit von 21 Ja- und 4 Nein-Stimmen beschlossen. Mit dieser richtungsweisenden Entscheidung habe Sonthofen „einen großen Schritt in die Zukunft getan“. stellte Bürgermeister Buhl zufrieden fest.

Hans Ehrenfeld

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