Sonthofener CSU vor Zerreißprobe

Der Sonthofer CSU-Ortsverband kommt nicht zur Ruhe: Die jüngsten Wahlen für die Vorstandschaft führten den Ortsverband erneut in eine Zerreißprobe. Der seit zwei Jahren amtierende Erste Vorsitzende, Armin Bohner, wurde mit denkbar knapper Mehrheit im Amt bestätigt. Bohner konnte sein Konzept zur Neuordnung der Vereinsarbeit aber durchsetzen. Fünf Stadträte wollen die Wahl jetzt anfechten.

Mit neuem Schwung sollte der Ortsverband in das Doppel-Wahljahr 2009 starten, so der Wunsch von Ortsvorsitzendem Armin Bohner. „Entlastung der CSU-Stadträte“ lautet sein Rezept, um dem Ortsverband neuen Auftrieb zu verleihen. Wiederholt sei ihm deutlich gemacht worden, dass Vorstandsmitglieder die Doppelbelastung von Stadtratsmandat und Vereinsarbeit im Ortsverband „zuviel“ würde. Bohner: „Das verstehen wir.“ Die Entlastung der CSU-Stadträte stellte sich Bohner so vor, dass die Mandatsträger fortan als Beisitzer in die Arbeit des Vorstandes eingebunden sind. Gleichzeitig soll jungen Mitgliedern die Chance gegeben werden, durch Übernahme von Vorstandsfunktionen verantwortlich mitzuarbeiten. Weder er, Bohner, noch andere Vorstandsmitglieder klebten an den Stühlen, ergänzte Bohner seine „Erneuerungspläne“. Ganz klaglos „schluckte“ die Versammlung (anwesend waren 35 stimmberechtigte Mitglieder von insgesamt rund 135) das Konzept Bohners allerdings nicht. Schatzmeisterin Martina Bischoff-Koch etwa sah sich plötzlich aufs Altenteil geschickt und verweigert eine weitere Vorstandsarbeit. Sichtlich gekränkt machte Stadtrat Josef Zengerle, Fraktionschef des CSU, seiner Enttäuschung über die Pläne Bohners Luft: „Ich bin seit 20 Jahren dabei - fragen hätte man mich wenigstens können...“ Die Idee der Trennung von Vorstandschaft und Fraktion sehe er mit Skepsis: Der wichtige Informationsaustausch sei gefährdet und erschwere die Arbeit der Stadträte nachhaltig. Zengerle, der im vergangenen Herbst nach 14 Jahren sein Landtagsmandat verlor, zeigte sich auch unzufrieden mit der Unterstützung durch den Ortsverband. Man habe ihn nach der Wahlschlappe hinter vorgehaltener Hand als „abgesägten Bauernkönig“ bezeichnet, so der Landwirt aus Hinang enttäuscht. Zengerle hatte ein herausragende Ergebnis erreicht, war wegen des schlechten Gesamtergebnis für die CSU nicht mehr in den Landtag gekommen. „Da bin ich in guter Gesellschaft - von 33 haben es nur zwei geschafft“, stellt Zengerle klar. „Nach der Wahl ist vor der Wahl“, setzt Zengerle eins drauf und fragt: „Wo ist der Ortsverband geblieben? Es gebe keine Frauen Union mehr, und die Junge Union stehe vor dem Aus. So habe die CSU in Sonthofen keine Perspektive. Der Stellvertretende Oberallgäuer CSU-Kreisvorsitzende, Alois Ried, bewertet die Vorstellung Bohner kritisch: „Gerade die Mandatsträger wissen, was vor Ort läuft. Wenn die Stadträte nicht im Vorstand sind, wer dann?“ Er jedenfalls habe so etwas „noch nie gehört“. Dr. Rüdiger Haug findet Bohners Argumentation ebenfalls „komisch“. In seiner langjährigen Stadtratsarbeit sei er „nie auf die Idee gekommen“, dass sich die Doppelrollen nicht vereinbaren ließen. „Den Ortsverband Sonthofen stärken“ wollen sowohl Armin Bohner, der den Verband seit Anfang 2007 leitet, als auch „Gegenkandidat“ Stadtrat Engelbert Bechteler. In der „Kampfabstimmung“ konnte Armin Bohner schließlich denkbar knapp mit 18 gegen 16 Simmen sein Amt verteidigen. Bohner brachte seine „neue Mannschaft“, die er der Versammlung präsentierte, in den weiteren Wahlgängen durch: Mit Dieter Thinschmidt, Rudolf Löwenhagen und Robert Marquardt sind jetzt drei Nicht-Stadträte neue Stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbandes. Auch Kassier Lars Rappel und Schriftführer Ulrich Schäfer sind „Neulinge“. Wenige Tage nach der Wahl ziehen fünf CSU-Stadträte die „Notbremse“ und fechten die Wahl für den Vorstand an. Sie erkennen in Bahners Einladung zur Versammlung eine Wahlbeeinflussung, da offenbar die Zusammensetzung der Vorstandschaft schon vorab festgestanden habe. Der CSU-Kreisvorsitzende, Landrat Gebhard Kaiser, will die Wahlanfechtung prüfen lassen.

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