Heuer springen die Hexen zum letzten Mal beim Fasnachtsumzug mit

Eine Ära geht zu Ende: Letzter Auftritt für die Heimatdienst-Hexen 

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Seit über drei Jahrzehnten ist die Heimatdienst-Hexengruppe ein fester Bestandteil des Sonthofer Fasnachtsumzugs. Dies wird auch heuer – jedoch das letzte Malm – so sein.

Sonthofen – Die „Alemannische Hexengruppe“ des Heimatdienstes Sonthofen wird beim Fasnachtsumzug am 13. Februar das letzte Mal mit von der Partie sein. Wegen der im Frühjahr anstehenden Auflösung des Vereins wird es künftig die Heimatdienst-Hexen nicht mehr geben.

Unter dem Schnitzmesser von Franz Xaver Miller (hier auf einem Foto von 1986) sind etwa 50 Hexenlarven entstanden.

Im Jahr 1986 stellten sich die Hexen auf ihre spezielle Art beim Fasnachtsumzug vor. Damit wurde erstmals ein Element der alemannischen Fasnacht in die Sonthofer Fasnacht eingeführt: Möglich gemacht hatte dies Franz Xaver Miller († 2007), Hobbyschnitzer und Heimatdienstmitglied. Von ihm ging die Initialzündung aus. Franz Xaver Miller, von Beruf Zimmermann, war ein handwerkliches Multitalent. Seine große Leidenschaft war die Schnitzerei, dabei war er ein absoluter Autodidakt.

Eines Tages machte er sich ans Werk und schnitzte in einem Zeitraum von rund zwei Jahren etwa 50 der wunderschönen Holzlarven, die er auch selbst fasste, das heißt farblich gestaltete. Etliche Larven hat er an den Heimatdienst abgegeben, die im Heimathaus in der Dauerausstellung präsentiert werden und beim Fasnachtsumzug zum Einsatz kommen. Die anderen Larven sind im Besitz der Familie und werden ergänzend zur Ausstattung der Hexengruppe zur Verfügung gestellt.

In verschiedenen einschlägigen Büchern und sonstigen Veröffentlichungen wurden die Larven von Franz Xaver Miller berücksichtigt. Selbst bei einer Ausstellung in Zürich wurden Larven von ihm präsentiert, wie überhaupt seine Schnitzereien, Fuhrwerke und Krippen samt Figuren wiederholt hier im Heimathaus und auch in einer Reihe anderer Museen, so vor allem im südlichen Oberallgäu sowie in Mittel- und Nordschwaben ausgestellt waren.

Die Hexengruppe wird von Anfang an, also seit 1986, heuer folglich zum 31. Mal, jedes Jahr von Christa Fischer, (Tochter von Franz Xaver Miller), neu zusammengestellt. Genau genommen hat sie die Gruppe eigentlich 33 Mal formiert, doch 1990 und 1991 musste der Fasnachtsumzug jeweils kurzfristig wegen des Orkans „Wiebke“ bzw. wegen des Golfkriegs abgesagt werden.

Mit der personellen Ausstattung der Gruppe ist es nicht getan: Christa Fischer gibt die von ihr geschneiderten Röcke und Schürzen an die Darsteller aus, im Bedarfsfall auch die Reisigbesen. Zudem müssen die Larven so angepasst werden, dass sie für die Akteure einigermaßen bequem zu tragen sind. Nach dem Umzug werden die Larven von ihr gründlich gereinigt.

Die Mitwirkenden sind „handverlesen“ – ruppige Typen dürfen sich, so der Grundsatz von Christa Fischer, hinter einer Hexenlarve nicht verstecken. Es waren schon bis zu 35 Mitwirkende. Derzeit sind es etwa 25 Aktive.

Die Hexe ist das Symbol für Unglück und Unfug. Unglück wollen die Heimatdienst-Hexen natürlich nicht bringen, aber Unfug in Grenzen zu stiften, das ist ihr Ziel. So werden die Zuschauer beim Fasnachtsumzug etwas traktiert. Die harmlosen Späße der Hexen sorgen für etwas Bewegung in den ansonsten eher verhalten wirkenden Zuschauerreihen.

Dieses belebende Element wird beim Sonthofer Fasnachtsumzug zukünftig fehlen.

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