"Fridays for Future" - Die Jugend begehrt auf

Auch in Sonthofen demonstrieren Schüler für eine bessere Klimapolitik

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„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ Mehr als 100 Schülerinnen und Schüler demonstrierten am Freitag in Sonthofen für eine bessere Klimapolitik. Die Schulen drohten den Schülern bei unentschuldigtem Fehlen mit Konsequenzen.

„Fridays for Future“ – unter diesem Motto gehen seit Wochen Schülerinnen und Schüler auf die Straße und fordern einen ernsthaften Klimaschutz – schließlich geht es um ihre Zukunft. Begonnen in Schweden, wo die 16-jährige Greta Thunberg seit Monaten freitags für die Umwelt streikt, ist „Fridays for Future“ inzwischen zu einer globalen Bewegung der Jugend geworden. Auch in Sonthofen sind deshalb am Freitag Schülerinnen und Schüler auf die Straße gegangen. Selbst die Androhung von Verweisen konnte die Jugendlichen nicht davon abhalten, für ihre Zukunft zu demonstrieren.

„Warum sollen wir für die Zukunft lernen, wenn unsere Zukunft vom Klimawandel bedroht ist?“, so der Gedanke der weltweiten Schülerbewegung. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, riefen die Schüler, die am Gymnasium gestartet und mit zahlreichen Transparenten zum Sont­hofer Rathaus gezogen waren. Dort schlossen sich ihnen Schüler der Montessorischule, der Realschule und der Fachoberschule an.

„Ein Zitat von Astrid Lind- gren bringt gut auf den Punkt, dass wir einfach nicht länger still und brav in die Schule gehen können, ohne etwas für die Zukunft unserer Erde zu tun: ‚Ich will euch sagen, dass es gefährlich ist zu lange zu schweigen. Die Zunge verwelkt, wenn man sie nicht gebraucht‘“, betonte die 15-jährige Schülerin Ronja Lacher zu Beginn ihrer Rede am Rathausplatz. Die Folgen des Klimawandels, so Ronja Lacher, spüre man in den reichen Industriestaaten kaum. Für unzählige Menschen in ohnehin armen Ländern seien die Folgen bereits jetzt lebensbedrohlich. So kämpfen die Menschen in der Sahelzone um ihr Leben, wenn in Folge des Klimawandels Dürre die Ernte vernichtet; in Bangladesch häufen sich Sturmfluten, die Menschen das Leben kosten und Ernten vernichten. Besonders dramatisch ist die Situation für die Bewohner des Inselstaates Tuvalu: ihre Heimat wird über kurz oder lang nicht mehr bewohnbar sein, sie haben allesamt Klimaasyl in Neuseland beantragt.

Die Schüler fordern eine konsequente Klimapolitik. Der kürzlich im Bundestag beschlossene Kohleausstieg im Jahr 2038 sei viel zu spät: „Klimaschutz ist viel zu essentiell, als dass wir es uns leisten können, für billigen Strom noch 20 Jahre Kohle zu verbrennen!“ Die Klimaschutzziele, die sich die Bundesregierung gesetzt habe, würden „krachend verfehlt“: so seien die Treibhausgasausstöße in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt nicht gesunken, das Ziel, bis 2020 die Klimagase gegenüber 1990 um 40 Prozent zu reduzieren, könne so nicht erreicht werden. Weiter dürfe Deutschland nicht länger zu Gunsten der deutschen Autoindustrie strengere CO2-Grenz- werte für die europäische Autoindustrie blockieren. Ebenso müsse Bayern die Abstandsregelung für Windkraftanlagen abschaffen, da damit „die wichtigste CO2-neutrale Energiequelle“ ausgebremst werde.

Die Schülerinnen und Schüler hatten trotz der Androhung von Konsequenzen für das Schuleschwänzen durch die Schulleitung demonstriert. „Scheiß auf Verweis“ stand beispielsweise auf einem der Plakate. „Klimaschutz ist uns sehr wichtig, wir freuen uns, dass sich die Schüler damit auseinandersetzen“, so Schulleiter Joachim Stoller im Gespräch mit dem Kreisbote. Für ihn sei es wichtig, dass die Schüler sich konstruktiv beteiligen. Das Gymnasium biete viele Möglichkeiten für die Schüler, sich zu engagieren, sei es in der schuleigenen Imkerei, im YPAC (Jugendparlament der Alpenkonvention) oder als Fair-Trade-Schule. Die Schulleitung habe die Schüler am Vortag nach konkreten Ideen gefragt, was sie gerne machen würden, was sie interessiert. Die Frage sei auch, was jeder Einzelne für den Klimaschutz tue, und das fange beispielsweise schon damit an, wie die Schüler zur Schule kommen. Er habe Verständnis für die Anliegen der Schüler, jedoch bestehe natürlich auch die Unterrichtspflicht. Stollers Vorschlag: Demonstrationen am Freitagnachmittag oder am Samstagvormittag. Damit würden die Schüler mehr Menschen erreichen und zeigen, dass es ihnen ernst ist.

eva

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