„Es fehlt überall!“

Sozialverband VdK will endlich Barrierefreiheit auf Allgäuer Bahnhöfen

VdK
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Virtuelles Bahn-Gespräch des VdK mit Peter Götz (rechts), Georg Waller (von links) und Stadtrat Eberhard Fetzer.
  • VonJosef Gutsmiedl
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Oberallgäu – Sozialverband VdK und Politiker wollen bei Barrierefreiheit an einem Strang ziehen. Die Finanzierung der Maßnahmen war Diskussionsthema.

Noch zu wenig „Dampf“ gibt es der Meinung des Sozialverbandes VdK, Ortsverein Sonthofen, beim alten Thema „Abstellgleis Allgäu“, sprich: die „Qualität“ der Bahn im Allgäu. Die seit Jahren bemängelten Hindernisse und Schwierigkeiten für Behinderte seien noch längst nicht aus dem Weg geräumt, so die Klage beim jüngsten Bahngespräch mit Verantwortlichen der Bahn ebenso wie regionalen Vertretern aus der Bundes- und Landespolitik. Mit Blick auf die aktuelle Regierungsbildung in Berlin, solle das Allgäu weiter Druck machen und Defizite ansprechen.

Der VdK, nicht zuletzt die Ortsvereine im Allgäu, sei weiter der Meinung, dass es „nicht so schön sei, wie es scheine“, beklagte Peter Götz, Vorstand des Ortsvereins Sonthofen. „Der VdK fordert nach wie vor Barrierefreiheit!“, so Götz „Es fehlt überall!“ Als Beispiel für eklatante Defizite führt Götz etwa den Mobilitätsservice des Bahn an. Drei Tage Vorlauf könne nicht akzeptiert werden. „Für die Betroffenen eine Zumutung.“ Barrierefreiheit sei kein Luxus, so Götz weiter, sondern für viele zwingend erforderlich, für noch mehr andere Reisende schlechterdings notwendig. „Mit Ausnahme des Bahnhofs Sulzberg hat sich im südlichen Oberallgäu nichts getan. Aber da wolle kaum einer hin...“

Umbau des Bahnhofs Immenstadt

Das Thema Barrierefreiheit sieht Stadtrat Eberhard Fetzer aus Immenstadt, der Mobilitätsbeauftragte der Stadt, als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“. Fetzer verwies auf die laufenden Planungen für den Umbau des Bahnhofs Immenstadt, der im Jahr 2025 beginnen soll. Immenstadts Bürgermeister Nico Sentner meint: „Es geht– wenigstens gefühlt – etwas voran.“ Eine mögliche verlängerte Unterführung zur Südstadt hin werde in diesem Zusammenhang ebenfalls betrachtet. Ein „tolles Ziel“, das aber letztlich auch finanziert werden müsse. Ohne Unterstützung von Bund und Land gehe es nicht, verwies Sentner auf die Finanzsorgen der Stadt.

Auch Sonthofens Bürgermeister Christian Wilhelm sieht das Oberallgäu in dieser Hinsicht „gut unterwegs“. Jetzt müsse man schauen, „was beim Bund geht“. Das wiederum hänge von der Haushaltslage ab. Was die Barrierefreiheit angehe, sieht Wilhelm die Stadt am Ball beim Bau eine Rampe und Unterführung zu den Gleisen. Die Förderung sei aber noch offen, und man laufe Gefahr, dass die Vorhaben unter den Tisch fallen, weil sie nicht finanzierbar seien.

DB: 2025 sollen 71 Prozent der Bahnhöfe barrierefrei sein

Auf eine „lange Liste“ von Umbauplanungen und Umbaumaßnahmen verweist Bernhard Christ, Bahnhofsmanager der DB. Auch die Suche nach Anbieterfirmen sei nicht einfach und eine Frage der Kosten. Vorrangig für die Bahn sei es, die Stationen in verkehrssicherem Zustand zu halten. Marode Bahnsteige hätten folglich erst einmal Priorität. „Es läuft nach Plan“, beschreibt Christ die Fortschritte bei der Barrierefreiheit. Aktuell seien 18 Prozent der Bahnhalte barrierefrei, im Jahr 2025 sollen es 71 Prozent sein, und im Jahr 2030 über 80 Prozent. Finanziert seien die Planungen für die größeren Bahnhöfe in Immenstadt. Oberstdorf und Sonthofen; nicht aber die Umsetzung der Maßnahmen.

Die Allgäuer Landtagsabgeordneten hoffen auf mehr Mittel für den ÖPNV und die Bahn. Sicher, dass es „mehr Geld“ geben wird, ist etwa Thomas Gehring von den Grünen. Das Allgäu müsse sich dafür stark machen, dass zusätzlich Geld ins Allgäu fließe, so sein Appell. Sein Landtagskollege Eric Beißwenger (CSU) pflichtet bei: „Es ist wichtig, dass wir alle ein einem Strang ziehen.“

Gelder vom Bund

Zweifel an einem „Geldsegen“ aus Berlin hat die CSU-Bundestagsabgeordnete aus dem Allgäu, Mechthilde Wittmann. Dennoch müsse man den Schulterschluss herstellen. Mit Blick auf die aktuelle politische Gemengelage im Bund, sieht der Kemptener FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Dominik Spitzer gute Chancen, etwas zu erreichen: „Möglichkeite , die uns bisher verschlossen waren. Pack‘ mer‘s!“

Den Schulterschluss – in Form des Netzwerkes der sogenannten „Allgäu Connection“ – müsse man ausbauen, am Ball bleiben, Druck machen, rät Peter Götz allen Beteiligten der Gesprächsrunde. Der Oberallgäuer Landtagsabgeordnete Leopold Herz (Freie Wähler) will sich weiter als Vermittler und Ansprechpartner einbringen. „Bislang waren die Antworten auf unsere Schreiben zur Situation vor Ort nicht befriedigend.“

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