14 Sparkassen-Filialen in der Region werden zu SB-Filialen ohne Kundenberatung

Sparkasse Allgäu rüstet ab

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Auch die Sparkassen-Filiale in Burgberg wird zur SB-Filiale.

Oberallgäu – Die Sparkasse Allgäu strukturiert um – allgäuweit werden im kommenden Jahr 14 Filialen in Selbstbedienungs-Filialen umgewandelt, die Schalter abgeschafft (der Kreisbote berichtete). Im südlichen Oberallgäu sind die Filialen in Sonthofen-Rieden, Burgberg und Missen betroffen.

„Die Sparkasse Allgäu richtet sich strategisch neu aus“, informierte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Allgäu, Manfred Hegedüs, auf einer Pressekonferenz am Donnerstag, „weil sich das Kundenverhalten wesentlich verändert hat.“ Laut Hegedüs nutzen 50 Prozent der Kunden bereits die Online-Angebote und wickeln ihre Bankgeschäfte im Internet ab. Die Filial-Besuche hätten sich dadurch erheblich reduziert. Die Struktur der Sparkassenfilialen müsse deshalb dem veränderten Kundenverhalten angepasst werden – gleichzeitig aber werde weiter in Service und Beratung investiert.

Umstrukturierung bis April

Bis Ende März 2016 sollen im Zuge der Umstrukturierung 14 Filialen zu Selbstbedienungs (SB)-Filialen umgewandelt werden: Sonthofen-Rieden, Burgberg, Missen, Sulzberg, Betzigau, Wilpoldsried, Weißensee, Füssen-West, Rosshaupten, Buching, Stötten, Ronsberg, Görisried und Aitrang. Ausschlaggebend für die Auswahl der Filialen seien die Größe der Kommune, der Marktanteil im Privatkundengeschäft und die Nähe zur nächsten Filiale gewesen, erläuterte Hegedüs. „Wir sprechen von Umwandlung, nicht von Schließung“, betonte der Vorstandsvorsitzende. Bei den betroffenen Kommunen seien die Bürgermeister von der Entscheidung enttäuscht gewesen, merkte Manfred Hegedüs an.

Burgbergs Bürgermeister Dieter Fischer zeigte sich im Gespräch mit dem Kreisbote sehr enttäuscht über die Art und Weise der Information. Es könne nicht sein, dass die Sparkassenkunden früher informiert werden als der Bürgermeister, so Fischer. Er befürchte zudem, dass es nicht bei der Reduzierung auf eine SB-Filiale in Burg­berg bleiben wird, sondern dass das in Sparkassenbesitz befindliche Gebäude verkauft wird. Damit wäre auch die Filiale ganz weg. Ebenso habe sich seine Seniorenbeauftragte sehr über den Wegfall der Bankberatung vor Ort beklagt. Mit der Abwicklung von Bankgeschäften per Internet könnten sich die Senioren nicht anfreunden. Sie empfänden dies als recht unsicher. „Ich suche noch vor Weihnachten das Gespräch mit der Sparkasse, um mindestens die Versorgung mit einer SB-Filiale langfristig sicherstellen zu können. Die Sparkasse gehöre zur Grundinfrastruktur Burgbergs. Darauf seien auch die städtebaulichen Planungen aufgebaut.

Keine Entlassungen

Bis Ende März 2016 soll das Filialnetz optimiert werden. Die Umstrukturierung soll aber erst im Jahr 2020 abgeschlossen sein. Von heute 47 personenbesetzten Filialen werden 14 in SB-Filialen umgewandelt. Insgesamt werde es dann im Allgäu 33 Beratungsfilialen mit deutlich ausgebauter persönlicher Beratung und 32 SB-Filialen geben. Das frei werdende Servicepersonal soll nicht entlassen werden, sondern in die nächste Filiale wechseln. Ebenso werden „Umqualifizierungsmaßnahmen“ angeboten. Die Sparkasse verstehe sich nach wie vor als Partner der Region, hob Hegedüs bei der Pressekonferenz hervor. Die Wege würden für die Kunden künftig zwar etwas länger werden, die Bargeldversorgung vor Ort sei aber sicher gestellt. Die Sparkasse werde künftig zeitgemäße Leistungen auf drei Säulen basierend anbieten: in der Beratungs-, der Online- und der Telefon-Filiale.

Telefon-Filiale 

Der Telefon-Service biete Leistungen gleicher Qualität wie in einer vollwertigen Beratungsfiliale, nur Bargeld könne man dort nicht bekommen. „Alle Dinge des täglichen Lebens sind auf diesem Wege in jedem Fall abschließend machbar“, erläuterte Manfred Hegedüs. So können auch Stammdaten geändert, Wertpapiergeschäfte getätigt oder Beratungstermine vereinbart werden. Die Geschäfte werden über ein vereinfachtes Identifikationsverfahren abgesichert. Die Telefon-Filialen seien allerdings nicht mit Call-Centern vergleichbar. Sie befinden sich in Sonthofen und Füssen. Qualifizierte Sparkassenmitarbeiterinnenseien dort montag bis freitags von 8 bis 20 Uhr erreichbar, außerdem, und das ist neu, auch samstags von 10 bis 16 Uhr.

Online-Filiale

Die Online-Filiale wiederum bietet Online-Beratung und Electronic Banking für Bankgeschäfte – bequem von zu Hause oder von unterwegs. Electronic Banking umfasst alles, was für einen professionellen Ablauf eines modernen sicheren Zahlungsverkehrs erforderlich ist wie beispielsweise Online-Banking, Finanzmanagement und Electronic-Cash. Auch in diesem Sektor können alle Leistungen abschließend bearbeitet werden.

Die Umstrukturierung der Sparkasse Allgäu umfasse ebenso eine Verschlankung der internen Organisationsstruktur. Auch hier sei die Sparkasse bestrebt, keine Mitarbeiter zu entlassen, sondern sie gegebenenfalls für neue Aufgaben zu qualifizieren. Laut Manfred Hegedüs gelte es mit dieser Umstrukturierung, „die Sparkasse Allgäu als Partner der Region betriebswirtschaftlich vernünftig auf die Zukunft auszurichten“.

Hans Ehrenfeld

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