Projekt Tunnel Fischen: Bald beginnt die Untersuchung der Grundwasserströme

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Christian Hocke vom Staatlichen Bauamt Kempten erläuterte dem Gemeinderat die Grundwasserproblematik bei Fischen. Ein langer, tiefer liegender Tunnel könnte womöglich die Grundwasserströme im Untergrund beeinflussen.

Die Gemeinde Fischen muss und will in die Gänge kommen mit dem Entlastungstunnel. Das wurde zwar noch nicht in einem Gemeinderatsbeschluss „wasserdicht“ gemacht, aber dennoch klar zum Ausdruck gebracht.

Das Staatliche Bauamt Kempten stellte jetzt die jüngsten Vorplanungen für einen neuen Tunnel vor. Eine völlig neue Planung deshalb, weil die unterirdischen Grundwasserströme im Oberen Illertal berücksichtigt werden müssen. Bald schon sollen die Bohrungen niedergebracht werden und die Langzeitbeobachtung des Grundwassers beginnen.

Die „alten“ Tunnelplanungen einfach aus der Versenkung holen und damit weiterarbeiten geht nicht. Das stellte Dr.-Ing. Christian Hocke vom Staatlichen Bauamt Kempten vor dem Fischinger Gemeinderat und rund 20 weiteren Zuhörern fest. Weder die früheren Planungen, noch die ins Auge gefasste Bauweise passten zu der neuen Situation, so Hocke weiter. Im Jahr 2012 waren diese Tunnelplanungen durch einen Bürgerentscheid „beerdigt“ worden. In der Folge war das Tunnelprojekt im Bundesverkehrswegeplan 2030 in die Kategorie „weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ zurückgestuft worden. Bei den Fischingern allerdings nie endgültig „vom Tisch“, wie sich immer wieder zeigte.

Damals ging es um einen rund 500 Meter langen Tunnel; der „neue“ soll fast doppelt so lang sein. Knackpunkt ist das Grundwasser, das bei Fischen dicht an der Oberfläche steht. „Hier findet sich ein enormer Grundwasserstrom, der nach Norden zur Iller hin drängt“, beschreibt Christian Hocke die Situation. Der neue Tunnel, der wesentlich länger wäre und tiefer gebaut werden müsse, als vor Jahren gedacht, würde sich wie ein Riegel auswirken und die Grundwasserströme verändern. Kritisch sei vor allem ein möglicher Rückstaueffekt, der den Grundwasserpegel an bislang „sicheren“ Stellen im Ort nach oben treiben könne. Sorgen bereitet den Planer zudem der Grundbach, den die zukünftige Tunnelröhre queren muss: „Da gehen wir baden!“

„Da sind noch viele Fragen zu klären“, betont Hocke. „Von den alten Planungen können wir rein gar nichts brauchen.“ Demnächst soll die hydrologische Untersuchung beginnen. Mit sechs Bohrungen in der Linie der möglichen Tunneltrasse soll geklärt werden wo und in welcher Tiefe das Grundwasser erreicht wird und wie es fließt. Dabei sei es nicht mit den Bohrungen getan, ergänzt Hocke. Es gehe um eine Langzeitbeobachtung über etwa ein Jahr mit dauerhaften „Brunnen“. Zudem soll der Baugrund untersucht werden, um zu ermitteln, was bautechnisch überhaupt möglich ist, falls es tatsächlich los geht mit dem Bau. Hocke: „Erst dann wird festgelegt, welche möglichen Bauverfahren zum Einsatz kommen können.“

Auch die „neuen Ideen“, die vor Kurzem die Oberallgäuer SPD ins Spiel brachte mit der „Galerie“-Bauweise, werde dabei einbezogen, betonte Hocke. Gemeinderat Dr. Jürgen Groß, der in Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro diese Variante vorgelegt hatte (wir berichteten), hofft auf eine „enge Zusammenarbeit“, um mit dem Entlastungstunnel voran zu kommen: „Jede längere Diskussion schadet dem Projekt.“ Das Staatliche Bauamt solle die neuen Vorschläge „zumindest im Hinterkopf“ behalten und die Chance, eine Lösung zu finden, die funktioniere, nutzen.

Falls der SPD-Vorschlag technisch so möglich sei, habe Keiner was dagegen, sagt Bürgermeister Rölz und lobt die Vorplanungen Hockes und seiner Mitarbeiter: „Man merkt, dass Sie mit Freude dran sind.“ Jetzt müsse ein „Dialog auf Augenhöhe“ folgen zwischen Gemeinderat, Bürgern und Bauamt. Ein „Dreiklang“, der eine Lösung bringe, so Rölz. Das Verkehrs­aufkommen werde weiter zunehmen. Er wünsche sich heute nur, dass man weiterkomme.

„Und wo bleibt Langenwang?“, will Gemeinderat Toni Krumbacher wissen. Die jetzt vorgestellte neue Planung lasse offenbar den Brennpunkt Langenwang außen vor: „Wird das nicht Ernst genommen?“ Bürgermeister Edgar Rölz zeigt Verständnis, vertröstet in diesem Punkt erst einmal. Die Gemeinde müsse zeigen, dass es mit dem Entlastungstunnel losgehe. Über Langenwang werde im kommenden Jahr gesprochen: „Wir werden klären, was geklärt werden muss.“

gts

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