Staatsforst auf gutem Weg

Nutzung „reifer“ Bestände macht Platz für den Wald von morgen. Betriebsleiter Karl Kleiter (von links) bespricht mit seinen Förstern Markus König und Helmut Weixler einen bevorstehenden Einschlag im Wirlinger Wald. Foto: Josef Gutsmiedl

Nach einer aufwändigen Waldinventur legte der Forstbetrieb Sonthofen jetzt „seine Zahlen“ auf den Tisch. Die Bilanz, die nicht nur über den wirtschaftlichen Umsatz gezogen wurde, sondern auch ökologische Gegebenheiten und betriebswirtschaftliche Vorgaben unter einen Hut bringen will, kann sich sehen lassen. Sie ist als langfristige Betriebsplanung bis ins Jahr 2021 auch Grundlage für die Arbeit des Forstbetriebes in den nächsten zehn Jahre.

Eine Art „Quadratur des Kreises“ sei es allemal, lenkt Forstbetriebsleiter Karl Kleiter den Blick auf das Tagesgeschäft des Staatsforstes, als er die dicke Broschüre mit den Inventur- und Planungsdaten erläutert. Mithin ist „der Wald“ nicht ein Produktionsbetrieb wie man ihn vom Handwerk oder der Industrie kennt. Der Staatsforst soll ein rentables Unternehmen im Markt sein und zugleich die sozialen und ökologischen Aspekte rund um den Wald beachten. Aktuell, so deutet Kleiter an, zeichne sich das Spannungsfeld etwa bei der Diskussion über Windkraftanlagen ab. „Mit diesem Thema werden wir uns als Staatsforst befassen müssen.“ Der Wald im Allgäu wächst gut. Zumindest auf den rund 18.000 Hektar Staatswald im Oberallgäu. Dieses „Betriebsvermögen“ wird in den kommenden Jahren sogar noch zunehmen: Laut Betriebsplanung kann der Forstbetrieb Sonthofen in den nächsten zehn Jahren 104.000 Festmeter Holz pro Jahr einschlagen. Der jährliche Zuwachs bei einem Gesamtvorrat von 4,3 Millionen Festmetern werde aber 138.000 Festmeter betragen, rechnet Karl Kleiter vor. „Das ist eher unterdurchschnittlich, weil wir in unserem Betrieb viel Wald in Höhenlage haben. Dort ist der Massezuwachs naturbedingt etwas geringer als in guten Lagen“, erklärt Kleiter. Mit der Einschlagskalkulation bleibe der Betrieb um 25 Prozent unter den festgestellten Zuwachswerten, weil der nutzbare Wald nur teilweise genutzt werde, um dessen „Schirmfunktion“ für die Verjüngungspflanzen zu nutzen. „Das führt auch zu einem Vorratsaufbau“, stellt Kleiter fest. Der Vorrat werde aber auf lange Sicht sicher genutzt werden, so Kleiter weiter. Der Forstbetrieb lebt vom Holzverkauf. Für den Betrieb Sonthofen resultieren die Erlöse von 8,3 Millionen Euro in vergangenen Geschäftsjahr zu fast 90 Prozent aus der Vermarktung von Holz. „Zur Zeit herrscht Holzkonjunktur“, bringt es Kleiter auf den Punkt. Und der Holzpreis stimme momentan auch. Stolz verweisen Kleiter und seine Kollegen auf die Vergabe von Aufträgen an lokale und regionale Dienstleister bei der Waldbewirtschaftung, etwa beim Einschlag von Holz oder beim Wegebau. So bleibe die Wertschöpfung zum guten Teil in der Region. Unter der Rubrik Aufwand stehen Kosten von etwa sieben Millionen Euro, allein für „eingekaufte Dienstleistungen“ wurden rund drei Millionen Euro ausgegeben. Zweitgrößter Posten sind Löhne und Gehälter. Unterm Strich ergibt sich ein Plus von gut einer Million Euro, die in die Kasse der Bayerischen Staatsforsten fließen. Bei der Jagd setzt man im Staatswald auf „Druck“. Nachdem der Gesetzesauftrag „Wald vor Wild“ laute, seien waldangepasste Wildbestände das Ziel, sprich hohe Abschüsse, so Kleiter. „Für uns zählen keine Trophäen“, betont der Betriebsleiter. Auf 16.000 Hektar Jagdfläche werden pro Jahr über 1000 Rehe, 200 Stück Rotwild und rund 100 Gämsen erlegt. Und auch die Jagd bringt Geld in die Staatsforstkasse. Im Forstbetrieb wird auch investiert. Während der Wald durch den Holzzuwachs „Zinsen abwirft“, die quasi als „Gewinngutschrift“ wirken, wird auch der Waldumbau vorangetrieben. So soll der Nadelholzanteil von derzeit 72 Prozent auf 65 Prozent sinken, wobei vor allem der Anteil der Fichten deutlich abnehmen soll. Im Gegenzug wollen die Förster den Anteil der Weißtannen von jetzt vier Prozent fast verdreifachen. Der Laubholzanteil soll langfristig von 28 auf 35 Prozent steigen. Überhaupt werde viel Geld investiert in die Stabilität und Artenvielfalt der Staatswälder. Daneben kümmern sich Kleiter und seine Mitarbeiter auch um die Erholungseinrichtungen im Staatswald, etwa die beiden Waldspielplätze oder 200 Kilometer Wanderwege und 125 Kilometer Radwege, die intensiv genutzt werden. Kleiter kommt auch auf das neue Streitthema Waldnutzung oder Stillegung. In seinem Verantwortungsbereich könne er keine nennenswerten Ecken erkennen, die sich als Stilllegungsflächen anböten. Ein ausgeräumter kahler Wald sei ebenso wenig wünschenswert wie ein Dschungel, deutet Kleiter an. Behutsame Eingriffe einer nachhaltigen Bewirtschaftung nützten dem Lebensraum mehr als eine Käseglocke... „Nutzung und Naturschutz und Pflege – damit können wir leben“, bringt Kleiter die Zielrichtung auf den Punkt. In fünf Naturwaldreservaten wird der Wald seiner natürlichen Entwicklung überlassen.

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