Vorschlag der CSU-Stadtratsfraktion: Eine Verbindung zwischen Hauptbahnhof und ZUM

Eine Stadtseilbahn für Kempten?

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Auf dem Weg zur Kiechle-Bahn: Die erste Pressekonferenz mit den Initiatoren (v.l.) Helmut Berchtold, Erwin Hagenmaier und OB Thomas Kiechle.

Es sei „revolutionär“ und ein „mutiger Ansatz“, sagte OB Thomas Kiechle bei der Pressekonferenz. Es ging um konkrete Pläne für eine Stadtseilbahn in Kempten. Eine Seilbahn, eingebunden in den öffentlichen Nahverkehr und damit sowohl alltagstauglich für die Kemptener als auch attraktiv für Touristen.

So stellt sich unsere – künstlerisch völlig unbegabte – Redakteurin die Stadtseilbahn für Kempten vor.

Für den OB ist sie aber „nur vorstellbar, wenn die Kemptener sie auch annehmen“. Deshalb will er mit „großer Transparenz“ in der Öffentlichkeit dafür werben. Seit Jahren ist das Thema Seilbahn – bislang vor allem als touristische Attraktion – in Kempten immer wieder aufgetaucht und als Spinnerei oder zu teuer abgetan worden. So hatte beispielsweise „Altstadttraudl“ Gertrud Schwarz vor einigen Jahren die Strecke zwischen Forum, Burghalde und APC dafür im Visier. Ähnlich hatte sich SPD-Stadtrat Siegfried Oberdörfer immer wieder eine Zugangserleichterung für Burghalde oder APC davon versprochen. Im Rahmen eines Antrags seiner Fraktion im Frühjahr 2015, die Landesgartenschau nach Kempten zu holen, wäre eine Seilbahn als Verbindung von Burghalde zur Engelhalde und/oder APC angedacht gewesen. Nun hat die CSU-Stadtratsfraktion das Thema für sich entdeckt, unter Federführung von ihrem Mitglied und Busunternehmer Helmut Berchtold ausgearbeitet und einen entsprechenden Antrag gestellt.

„Jetzt spinnt ihr komplett“ bis „geniale Idee“ waren die Reaktionen, die der sichtlich von der Idee begeisterte Fraktionschef Erwin Hagenmaier im Vorfeld von den wenigen Eingeweihten dazu bekommen habe. Er sei seiner Fraktion für den Antrag dankbar, meinte Kiechle, der das Konzept bereits auf technische Machbarkeit – mit einem klaren „Ja“ vom früheren langjährigen Chef der Oberstdorf/Kleinwalsertal-Bergbahnen Augustin Kröll – sowie Finanzierungsmöglichkeit abgeklopft hat. Als Ergebnis der Gespräche mit dem Verkehrsminister könne er sagen, „dass wir mit hohen Investitionszuschüssen rechnen dürfen“, mindestens 60 Prozent, da es für Bayern ein „Pilotprojekt“ wäre, wie Kiechle gegenüber dem Kreisbote meinte.

Was die voraussichtlichen Kosten für das Projekt betrifft, herrscht noch Zurückhaltung. Während bei der Konstanzer Vision für ein Stadt-Seilbahn-Netz laut Südkurier von 250 bis 350 Millionen Euro die Rede ist, steht für Kempten laut Kiechle wohl ein „mittlerer zweistelliger Millionenbetrag“ im Raum. Da es sich nicht um ein rein touristisches Angebot handeln werde, sondern um einen Teil des öffentlichen Nahverkehrs, sind die Antragsteller bezüglich einer Refinanzierung zuversichtlich. Zudem sei eine Seilbahn bei ordentlicher Pflege 30, 40 Jahre haltbar und auch nicht personalintensiv. 1,70 Euro kostet ein Einzelfahrschein derzeit. Berchtold ist guter Dinge, dass es auch mit einer Seilbahn keine Teuerung geben wird, da deutlich mehr Personen transportiert würden und es sich dadurch rechne.

Im Rahmen des Mobilitätskonzepts steht auch der Nahverkehr auf dem Prüfstand. „Mit konservativen Ansätzen kommen wir hier aber nicht weiter“, steht für Berchtold fest. Er verspricht sich von einer Seilbahn-Lösung nicht nur weniger Busverkehr in Kemptens Straßen, sondern auch deutliche Verbesserungen bei der Taktung, sowohl innerstädtisch als auch bei der Umland-Anbindung. Die ZUM sei mit 1000 Bussen von 23 Linien täglich an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Eine Abstimmung auf den Bahnverkehr habe man trotz aller Bemühungen „nie hinbekommen“.

So ganz anders würde das mit einer Seilbahn aussehen, die in ihren Gondeln für zehn bis zwölf Personen im 20-Sekunden-Takt stündlich 1200 bis 1500 Fahrgäste vom Bahnhof zur Allgäu-Halle transportieren könnte, praktisch ohne jede Wartezeit. Ab der Umsteigestation Allgäu-Halle ist ein Rundkurs mit zunächst folgenden Stationen geplant: Burg- halde, APC-Park, Rottachstraße – dort soll neben der ZUM auch ein zweiter „Rendez-vous“-Punkt für den Busverkehr kommen – ZUM und wieder Allgäu-Halle.

Die Fahrzeit für einen kompletten Umlauf würde circa 15 Minuten dauern, die Strecke vom Bahnhof zur Allgäu-Halle drei Minuten. Die Linienführung ist allerdings noch vage und laut OB „eine Herausforderung“, die mit „möglichst wenig Betroffenheiten“ gemeistert werden soll.

Dass sich die nötigen 30 bis 35 Meter hohen Stützpfeiler ästhetisch in die städtebaulichen Ansprüche einfügen müssen und man zwischen Kemptens Denkmälern „keine Gitterbaumasten wie am Ifen hinstellen“ könne, ist Hagenmaier und seinen Mitstreitern klar. Die Seilbahn „muss etwas sein, worauf Kemptener auch stolz sein können“. Kiechles Ehrgeiz ist, das Projekt noch in der kommenden Legislaturperiode zu realisieren. Zunächst müsse es aber durch die verschiedenen Gremien und auch weitere Gutachten seien erforderlich. „Bislang haben wir das hobbymäßig gemacht“, so Hagenmaier, der jetzt ebenfalls die nächste Instanz am Zug sieht. Ob Thomas Kiechle hofft, dass sich die Menschen nicht von ihren Ängsten leiten lassen, sondern „auch die Vorteile sehen“

ct

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