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Helikopter im Einsatz: Aufrüstung beim Lawinenschutz für Balderschwang

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Waldverjüngung Balderschwang
Das Einhängen der Bäume zum Hubschraubertransport ist absolute Präzisionsarbeit, da Pilot und Flughelfer nur mit Funk miteinander verbunden sind und selten Sichtkontakt haben. © Anna Mareike Rathjen/ Susanne Lorenz-Munkler

Balderschwang – Der Landkreis und die Gemeinde stellen jetzt Stahlgitternetze zur Lawinensicherung an den Hängen über dem Dorf auf. Kostenpunkt: Mehrere Millionen Euro. 

Doch diese Schneenetze haben eine Lebensdauer von nur etwa dreißig bis fünfzig Jahren und müssen dann wieder erneuert werden. Ein Großteil des Dorfes wird aber auf natürliche Weise und kostenlos vor Lawinen geschützt: Durch den Schutzwald. Dieser besteht überwiegend aus Fichten und kommt so langsam in die Jahre. Höchste Zeit für eine Verjüngungskur.

„Wir wollen deswegen die Balderschwanger Schutzwälder frühzeitig verjüngen und in klimatolerante Bergmischwälder mit Tanne und Buche umbauen“, erklärt Simon Östreicher, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten AELF.

Schutzwaldsanierung und Bergwaldoffensive

Vor Kurzem gab es im Rahmen der Schutzwaldsanierung und der Bergwaldoffensive einen spektakulären Helikoptereinsatz. Ein Spezialhubschrauber der Schweizer Firma Rotex, der besonders schnell besonders schwere Lasten transportieren kann, holte im Minutentakt tonnenschwere alte Fichten und Buchen von den Steilhängen westlich des Dorfs ins Tal. Denn die einzige Straße, die vom Riedbergpass ins Vorarlberger Hittisau führt, kann nicht für längere Zeit gesperrt werden.

Helikopter der Firma Rotox
Diesen Helikopter der Firma Rotox gibt es nur dreimal in Europa. Er kann bei geringem Eigengewicht besonders schwere Lasten transportieren. Seine Rotorblätter sind aus Sitka-Fichte und äußerst stabil. © AELF Kempten

Ein Einsatzkommando von sieben Schweizer Experten und sieben Forstarbeitern eines Allgäuer Forstdienstleisters leisteten dabei sekundenschnelle Präzisionsarbeit. Zum Beispiel besteht beim Einhängen der Bäume ans Tragseil kein Blickkontakt zwischen dem Piloten und dem Flughelfer am Boden. Sie müssen sich quasi übers Funkgerät finden. Auch das Gewicht der bereits zersägten Bäume muss vom Flughelfer am Boden geschätzt werden. 2,7 Tonnen kann der Heli transportieren. Ist die Last zu schwer, lässt der Pilot einen der meist zwei Bäume wieder fallen. Der Einsatz ist nicht ungefährlich.

Warum wird hier abgeholzt?

Die Straße im Tal wird derweil vom Sicherheitsdienst kurzfristig immer wieder gesperrt. Erstaunt beobachten Einheimische und Touristen das Geschehen. Warum wird hier abgeholzt?, fragen sie sich. Wird hier der Schutzwald nicht geschädigt? Schutzwaldmanager Anton Specht vom AELF Kempten erklärt den Zuschauern, um was es geht: „Wir brauchen auch langfristig einen stabilen Schutzwald dort oben. Wir dünnen deshalb jetzt die bestehenden alten Fichtenbestände aus, um Licht für den neuen Wald zu schaffen. Anschließend wird die Forstverwaltung rund 10 000 Weißtannen und Fichten pflanzen lassen. Buche und Bergahorn werden sich über die Naturverjüngung einstellen.“

In dem ersten Eingriff werden auf insgesamt 20 Hektar rund 1 800 Festmeter Holz aus dem Bergwald geholt werden. 300 Festmeter schafft der Heli an diesem Vormittag.

Kostenintensiver Hubschraubereinsatz

Im Vorfeld des Helikopetereinsatzes waren die Bäume im äußerst steilen Gelände bereits gefällt und zerlegt worden. „Eine schwierige und gefährliche Aufgabe in diesem Gelände“, erklärt der Forstunternehmer Peter Straubinger. Zum einen sei das Gelände mit Felsen und Ge­röll durchsetzt. Zum anderen sollen die bereits stehenden Lawinenschutzzäune nicht beschädigt werden. Ist das Holz im Tal, wird es so schnell wie möglich verarbeitet und abtransportiert. „Das Holz geht zum Teil, Kronen und Äste werden als Energieholz verwendet“, sagt Straubinger.

Nach dem kostenintensiven Hubschraubereinsatz sollen in den nächsten Wochen Seilbahnlinien aufgebaut werden, die die restlichen 1 500 Festmeter Holz ins Tal transportieren. „Da wartet noch viel Arbeit auf uns“, sagt Schuztwaldmanager Anton Specht.

Waldumbau dauert 30 Jahre

„Der gesamte Prozess des Waldumbaus wird mindestens 20 bis 30 Jahre dauern“, betont Simon Östreicher. Dann soll hier ein verjüngter und gut strukturierter Schutzwald stehen mit einem hohen Tannen- und Laubbaumanteil. Ein Wald, der Stürmen, Starkniederschlägen, Schneebruch und vor allem den steigenden Temperaturen standhält und die Gemeinde Balderschwang vor Lawinen und Muren schützt.

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