Mit Respekt und Umsicht

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Beim Canyoning im Ostertal bei Gunzesried setzt man schon auf „Respektiere deine Grenzen“.

Oberallgäu - Ein „richtig großes Projekt“ wurde von der Regionalentwicklung Oberallgäu noch vor dem Abschluss der aktuellen Förderperiode auf den Weg gebracht.

Den offiziellen Startschuss für das Leader-Projekt „Besuchersensibilisierung und -lenkung mit Respektiere deine Grenzen“ gaben jetzt die Vertreter der Lokalen Aktionsgruppe LAG der Regionalentwicklung Oberallgäu im AlpSeeHaus in Bühl. Die Leader-Förderung beträgt rund 147.000 Euro bei Gesamtkosten von knapp 300.000 Euro. 

Der Schauplatz für die Übergabe des Bewilligungsbescheides für eine EU-Förderung aus Mitteln für die Entwicklung des ländlichen Raumes (Leader) war mit Bedacht gewählt: das AlpSeeHaus als Eingangspforte zum Naturpark Nagelfluhkette. Walter Grath, Erster Vorsitzender des Naturparks, sieht die Entwicklung des neuen Projektes Besuchersensibilisierung und -lenkung hier gut aufgehoben. Gerade in dem sensiblen Gebiet des Naturparkes zeigten sich beispielhaft die Konfliktfelder, die das Projekt ausräumen wolle. 

In seiner Gemeinde Oberstaufen habe man jedenfalls gute Erfahrungen mit Besucherlenkung gemacht. Mancher Abkürzer in den Bergen sei verschwunden, gesperrte Alpwege würden nicht befahren... Dabei, so räumt Grath ein, seien es in erster Linie Einheimische, die über die Stränge schlügen. Konfliktpotenzial gibt es reichlich: Jäger schimpfen über Geocaching und Schneeschuh-Läufer, Wanderer regen sich über Downhill-Biker auf, Bauern verfluchen Leute , die Weidezäune niedertrampeln, Oudoor-Sportler erobern einst einsame Schluchten... 

Das Projekt will helfen, die zunehmenden Interessenskonflikte zwischen Naturnutzern und Naturschützern zu entschärfen. Ein Besucherlenkungskonzept, das auf der in Vorarlberg bereits laufenden Kampagne „Wohngemeinschaft Natur - Respektiere deine Grenzen“ basiert, wird im Oberallgäu etabliert. Erste positive Erfahrungen hat auch die Gemeinde Burgberg am Grünten gemacht mit ihrem Lenkungskonzept, das Teil des Jagdkonzeptes ist.

Dabei soll nicht der erhobene Zeigefinger im Mittelpunkt stehen, sondern Information über und Sensibilisierung für die Natur. Besucherlenkung und Information statt Aussperrung und Verbote, lautet das Rezept mit dem zunächst in den drei Schwerpunktgebieten Balderschwang, Nagelkfluhkette und Grünten begonnen wird. Die Idee eines umsichtigen, respektvollen Umgangs mit der Natur aber auch mit den Interessen und Bedürfnissen anderer müsse „in die Köpfe“, betont auch der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser. Es gelte Verständnis zu wecken, gerade in einer Region in der Natur und Tourismus sehr eng verbunden seien. „Da ist es wichtig, die unterschiedlichen Anforderungen in Einklang zu bringen.“ 

Und Dr. Ulrich Sauter, Leiter des Bereichs Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten, ergänzt: „Der Naturegoismus nimmt zu.“ Die eigenen Naturerfahrungen würden flacher, die Anspruchshaltung wachse. Die „Naturpark-Mannschaft“ jedenfalls hat die zahlreichen Akteure, die es dabei ins Boot zu holen gilt, schon in einer ersten Runde zusammengebracht: die Landwirtschaft, Touristiker, Naturschutzverbände, Outdoor-Anbieter, Grundbesitzer, Forstleute und Jäger. Diese bewusst breit angelegte Steuerungsgruppe soll dem Projekt Leben geben und die praktische Umsetzung gestalten. 

„Es sind alle im Boot und das soll so bleiben“, betont Rolf Eberhard, Geschäftsführer des Naturpark Nagelfluh. Ein spezielles maßgeschneidertes Kommunikationsprojekt wird schon erarbeitet. „Wir wollen und müssen alle erreichen!“ so Eberhard. Klare Botschaften, positive Beispiele sollen möglichst viele Menschen emotional ansprechen. Naturschutz durch Wissen und Wertschätzung. „Nicht bergweise Papier, sondern zeitgemäße moderne Informationswege.“ Vielleicht gebe es ja schon bald eine entsprechende „App“. 

„Außergewöhnlich viele Beteiligte“ macht Heribert Kammel, Vorsitzender der Regionalentwicklung Oberallgäu, bei dem Projekt aus. Er freue sich, dass es gelungen sei, dieses „sehr gute und wichtige Projekt“ noch vor Ablauf der Leader-Förderperiode auf den Weg zu bringen. Kammel hofft, dass die neue Förderperiode ebenfalls mit den erforderlichen Mitteln ausgestattet wird. „Sonst geht vieles nicht.“ 

Den Geldkoffer hatte Dr. Alois Kling, der Leiter des Landwirtschaftsamtes Kempten, mitgebracht. Für die veranschlagten Gesamtkosten in Höhe von 292.000 Euro werden aus der Leader-Förderung der Europäischen Union Mittel in Höhe von 147.000 Euro bereitgestellt. Weitere Posten in der Finanzierung steuern die Bergwaldoffensive, die Bayerischen Staatsforsten, der Naturpark Nagelfluhkette und die Gemeinde Burgberg bei.

Josef Gutsmiedl

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