"Kein Talent darf verloren gehen"

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Viele Zahnräder sollen ineinandergreifen, um das Oberallgäu zu einer ausgewiesenen Bildungsregion zu machen.

Oberallgäu - Der Landkreis macht sich auf den Weg „Bildungsregion Oberallgäu“ zu werden. Nach intensiven Vorbereitungen wurde jetzt der offizielle Startschuss gegeben bei einem ersten Dialogforum in Sonthofen. „Kein Talent darf verloren gehen“ – das ist der grundlegende Leitgedanke für die Initiative „Bildungsregionen in Bayern“ des Kultusministeriums.

Die Stadt Kempten und der Landkreis Ostallgäu zum Beispiel haben das Zertifikat schon in der Tasche. Das Oberallgäu will jetzt einsteigen. Die Arbeitskreise zu den fünf Handlungsfeldern wurden bereits gebildet.

„Es geht uns nicht um das Zertifikat – es geht um Inhalte!“ betonte der Oberallgäuer Landrat, Anton Klotz, bei der Auftaktveranstaltung in Sonthofen. Es gehe darum, den Landkreis als Bildungsstandort zu stärken. Soweit er das abschätzen könne, sei der Landkreis recht gut aufgestellt. Es gelte aber, die bestehenden Bildungsangebote und vor allem deren Vernetzung zu verbessern. „Da und dort läuft es noch nicht optimal“, so Klotz, der noch Handlungsbedarf bei der Zusammenarbeit sieht. Das eine oder andere müsse dabei auf den Prüftstand, überdacht oder auch vom Markt genommen werden, skizziert Klotz die Zielrichtung.

Von „Alarmsignalen“ spricht der Landrat etwa beim Blick auf die Ausbildungssituation in der Gastronomie, wo die Zahl der Lehrstellenberwerber dramatisch zurückgegangen sei. Diesen Alarmsignalen wolle man Rechnung tragen – auch mit der Initiative „Bildungsregionen“. Bildung sei ein Standortfaktor. Klotz: „Bildung ist der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit der Region!“

Das sieht auch der Präsident der Handwerkskammer Schwaben, Hans-Peter Rauch, so. Es gelte, hochqualifizierte Leute in der Region zu halten. Dabei denkt Rauch nicht unbedingt an „das Hochschulstudium für jeden“, sondern an die zahlreichen Handwerksberufe. „Hier müssen wir Arbeitsplätze sichern und Fachkräfte halten.“

Überrrascht vom vorhandenen Angebot sei man bei der Bestandsaufnahmen gewesen, räumt Ralph Eichbauer ein, der Leiter der Abteilung Soziales am Landratsamt Oberallgäu. Die „Säulen“, die letztlich das Prädikat Bildungsregion tragen sollen, stünden auf einem guten Fundament. „Da passt dann sehr gut das Dach darauf mit der Vernetzung aller Angebote“, zeichnete Eichbauer das Bild weiter. Ziel müsse ein kommunales Bildungsmanagement sein mit effektiven Vernetzungen.

Von fünf Säulen – sprich Handlungsfeldern – soll das Zertifikat „Bildungsregion“ getragen werden. Dazu gehören etwa maßgeschneiderte wie flexible Übergänge zwischen den Bildungseinrichtungen genauso wie passgenau Angebote einer individuellen Förderung über alle Schultypen hinweg. Säule 3 beschreibt die Suche und Förderung aller „Talente“ – in allen Lebenssituationen. Nicht „auf der Strecke bleiben“ dürfen benachteiligte Kinder und Jugendliche, Menschen mit Migrationshintergrund – kurz alle mit „besonderem Förderbedarf“. Die vierte Säule steht für Jugendhilfe, Jugendarbeit, Betreuungsangebote und einen generationsübergreifenden Dialog. Säule 5 schließlich befasst sich mit dem demografischen Wandel.

Geschenkt gibt es das Prädikat „Bildungsregion Oberallgäu“ nicht. Nach dem ersten Dialogform bei dem auch die Arbeitskreise zusammengestellt wurden, sollen jetzt vorhandenen Bildungsangebote und deren Akteure ihre bisherigen Vernetzungen abklopfen, ausbauen, verbessern. „Auch über den Tellerand hinaus schauen“, appellierte Landrat Klotz. Dabei ist die regionale Wirtschaft mit Industrie- und Handelskammer und Handwerkskammer ebenso im Boot wie sämtliche Schulen, Kindergärten, private wie öffentliche Bildungseinrichtungen, Vereine, Jugendsozialarbeit, Elternbeiräte, das Ehrenamt... Ständiger Dialog ist dabei entscheidend.

„Ziel ist der Mehrwert, der den Kindern und Jugendlichen zugute kommt“, brachte Stefan Graf vom Kultusministerium das Ergebnis auf den Punkt. „Nicht das Papier entscheidet, sondern die Praxis.“ Was die Arbeitskreise entwicklen, soll in ein Konzept münden, das schließlich als Grundlage der Zertifizierung dient. Schnellschüsse brauche es dabei nicht – es gibt keine Zeit- wohl aber eine Zielvorgabe.

Josef Gutsmiedl

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