"Steigerstock" für den Streikführer – Dank für engagierten Kampf der Voith-Belegschaft

Auszeichnung für "Hüttenwerkler"

+
Am Eingang der Theresien-Grube am Grünten überreichten die Knappen Josef Herz (von links) und Hermann Immler den „Steigerstock“ an Streikführer Carlos Gil; links im Bild Betriebsratsvorsitzende Birgit Dolde.Fotos: Josef Gutsmiedl

Sonthofen / Burgberg – Seit vergangenen Oktober kämpfen die IG Metall und die rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Getriebeherstellers Voith in Sonthofen um den Erhalt des „Hüttenwerkes“. Und seit mehreren Wochen wird gestreikt. Der Knappenverein in Burgberg hat jetzt dem Streikleiter, dem Zweiten Bevollmächtigten der IG Metall Allgäu, Carlos Gil, für seinen Einsatz gedankt und mit einem sogenannten „Steigerstock“ ausgezeichnet.

„Seit bereits sieben Monaten kämpfst Du an der Seite der Voith-Belegschaft um den Erhalt des Hüttenwerkes“, sagte Alois Herz vom Knappenverein Burg- berg. Was sei jetzt passender, als Carlos Gil am Eingang einer ehemaligen Erzgrube mit dem traditionellen Symbol der Bergleute, einem Steigerstock, auszuzeichnen. Immerhin hatte das Sonthofer „Hüttenwerk“ seine Wurzeln im Bergbau am Grünten. Das hier bereits vor 500 Jahren in mühevoller Handarbeit aus dem Gestein geschlagene Eisenerz wurde nach Sonthofen geschafft und dort im „Hüttenwerk“ der BHS verarbeitet.

„Auf diese Verbindung und diese Tradition sind wir alle stolz!“ so Alois Herz, selbst „Hüttenwerkler“ bei BHS und später Voith. Der „Steiger“ eines Bergwerkes war als Aufsichtsperson und Vorarbeiter verantwortlich für seine Leute. Genauso wie einst der Steiger führe Gil heute „die Mannschaft“ im Kampf gegen die Pläne eines „uneinsichtigen Managements“ an. Mit dem Ruf „Glück auf!“ überreichten Herz und zwei Knappen des Vereins den Steigerstock vor der Theresien-Grube am Grünten.

Auch Gil erinnerte an die lebendige Tradition des „Hüttenwerkes“ und der „Schmitte“ der BHS in Sonthofen. Er sehe sich als Stellvertreter der gesamten Belegschaft und betrachte den Steigerstock als Auszeichnung für „alle aufrechten Hüttenwerkler“. Es gehe beim aktuellen Arbeitskampf um Arbeitsplätze für 500 Menschen und um eine gute bewährte Tradition eines erfolgreichen Unternehmens. „BHS ist nicht Voith“, so Carlos Gil. Und Alois Herz ergänzte an die Voith-Unternehmensführung gewandt: „Gebt uns die BHS-Patente und lasst uns in Ruhe arbeiten.“

Schützenhilfe vom DGB Allgäu

Angesichts der beabsichtigten Schließung und dem drohenden Verlust von 500 Stellen, zeigte sich Ludwin Debong, Vorsitzender des DGB Allgäu, bei seinem Solidaritätsbesuch am vergangenen Sonntag entsetzt über die blanke Gier des Managements: „Hier geht es einzig und alleine darum, aus viel Gewinn noch mehr Gewinn zu machen. Die Gier der Manager bei Voith, welche die Tradition stolzer Familienunternehmer mit Füßen treten, ist einfach unersättlich – alles auf dem Rücken der Beschäftigten und deren Familien.“

Da der Produktionsstandort Voith in Sonthofen profitabel sei, fordert Debong Korrekturen der Mitbestimmungsrechte bei Standortverlagerungen. „Es kann doch nicht sein, dass Belegschaften bei Entscheidungen wie hier bei Voith, bei der es im Kern um nichts anderes als um eine Standortverlagerung zur Gewinnmaximierung geht, kein Mitbestimmungsrecht haben.“ Diese Menschen hätten jahrelang „die Taschen von Voith gefüllt“.

Debong warf Voith vor, nie ernsthaft mit dem Betriebsrat und der zuständigen Gewerkschaft IG Metall verhandelt zu haben, um einvernehmliche Lösungen für den Erhalt des Standortes und deren Arbeitsplätze zu finden.

Die streikenden und stolzen Getriebebauer, die für ihre einzigartigen Qualitätsprodukte weltweite Anerkennung genießen, haben es nicht verdient, wie hier mit ihrer Menschenwürde seitens des Managements umgegangen wird, so der emotional aufgewühlte DGB Kreisvorsitzende. Er sei zutiefst beeindruckt von der Geschlossenheit, dem Zusammenhalt und der Motivation der Streikenden „Hüttenwerkler“, die sich nun in der dritten Streikwoche befinden.

Abschließend appellierte der DGB Kreisvorsitzende an das Management und die Eigentümerfamilien der Firma Voith, ihre „Gutsherrenart-Politik“ zu beenden und gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall zu verhandeln, um einvernehmliche Lösungen zum Erhalt der Arbeitsplätze zu finden.

Auch interessant

Meistgelesen

Zeit für Steuererklärung: Frist noch bis Ende Juli
Zeit für Steuererklärung: Frist noch bis Ende Juli
Bahn will 14 Millionen Euro in barrierefreien Bahnhof investieren
Bahn will 14 Millionen Euro in barrierefreien Bahnhof investieren
Quarantänepflicht aufgehoben
Quarantänepflicht aufgehoben
IHK fordert "Fahrplan" für Veranstalter
IHK fordert "Fahrplan" für Veranstalter

Kommentare