Steine für den Weg der Frau

Ein fixer Termin auch im Allgäu: der Internationale Frauentag. Seit 99 Jahren machen Frauen in aller Welt am 8. März auf sich und ihre Belange aufmerksam. Seit 1996 gibt es am Landratsamt Oberallgäu eine „Gleichstellungsbeauftragte“ und seit 24 Jahren wird der Frauentag auch ganz offiziell mit einer eVeranstaltung in Sonthofen gewürdigt. Diesmal widmete sich das zentrale Thema dem „Frauenbild in den Weltreligionen“.

Bereits 1908 hatten Textilarbeiterinnen in New York den Mut und traten in Streik, als 129 ihrer Kolleginnen bei einem Brand ums Leben kamen. Für bessere Lebensbedingungen, aber vor allem auch für ihr Wahlrecht kämpften die Frauen beim ersten internationalen Frauentag im Jahr 1911. Bis heute jedoch sind viele Forderungen der Frauenbewegung auch nach fast einem Jahrhundert noch nicht erfüllt und in vielen Ländern der Welt blieben sie Visionen, wie beim ungehinderten Zugang zu Bildung oder Politik, so die Kritik von Ilona Authenried, Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt. Grund genug für die Initiatorinnen des Tages, Gleichstellungsbeauftragte Ilona Authried und Integrationsbeauftragte Miriam Duran festzustellen: „Wir sind noch nicht am Ziel angekommen, obgleich der Weltfrauentag bereits zum 24. Mal durchgeführt wird.“ Damals hatten die Gleichstellungsbeauftragte Ute Hamann mit der Kreisrätin und Vorsitzenden des Kinderschutzbundes, Marie-Luise Haußer erkannt, für den Auftrag an die Solidarität unter den Frauen zu werben und den Ökumenischen Frauenkreis als Veranstalterin gewonnen. Auf so großes Interesse stieß das diesjährige Angebot „Starke Frauen- Frauen stärken“, dass zeitweise die Sitzplätze im Evangelischen Gemeindezentrum knapp wurden. Die Bolsterlanger Bürgermeisterin, Monika Zeller, bereichert den „Oberallgäuer Männerclub der Bürgermeister“ seit 2008 erstmals zu einem „Gruppenbild mit Dame“. „Authentizität ist wichtig, dadurch bekommt Frau auch die Akzeptanz, unterstrich Monika Zeller ihre neue Aufgabe, die zu denen der Mutter und berufstätigen Frau dazu kam. Vernetzen sei das Zauberwort und Hilfestellung unter den Frauen. Ihre Sorge sei die Abwanderung von jungen Frauen im ländlichen Raum: „Wir sind dann familienlos.“ Die Podiumsdiskussion „Das Frauenbild in den Weltreligionen“ folgte am Nachmittag. Pfarrerin Antje Pfeil-Birant und Hausherrin der Täufer Johannis-Gemeinde, eröffnete das „besondere Frauenbild“ in der Gesellschaft, das auch in der evangelischen Kirche noch nicht selbstverständlich sei. Denn nur etwa 30 Prozent der Theologinnen entschieden sich für eine Berufung in die Gemeindearbeit, obwohl über die Hälfte der Theologiestudierenden Frauen seien. Diese Möglichkeit im Amt gibt die katholische Kirche Ida-Anna Braun, die ebenfalls Diplom-Theologin ist, nicht. Sie wirkt als Frauenseelsorgerin und Bildungsreferentin der Diözese Augsburg. Die jetzige Handhabung der Rolle der Frau im kirchlichen Dienst sei eine kirchenrechtliche. In der Seelsorge agierten Frauen zudem lebensnäher, meint sie. „Bei uns gibt es keine klare Trennung oder Zuschreibung des Frauenbildes“, erläuterte Ibo Gauter. Das Mitglied der israelischen Kultusgemeinde Augsburg gab Einblicke in die zahlreichen Richtungen, wie im Judentum Glauben praktiziert werde. Es gebe auch Frauen unter den Rabbinen. Jüdische Ethik gehe jeden jüdischen Menschen an. „Ich will als Muslima gesehen werden“, erklärte Derya Sahan, Studentin der Islamwissenschaften und Beauftragte für interkulturelle und interreligiöse Zusammenarbeit zum Tragen ihres Kopftuchs. Frauen können nicht Imam werden und Männer und Frauen könnten nicht gemeinsam rituelle Gebete in der Moschee sprechen. Ramona Kramp, die seit 26 Jahren praktizierende Buddhistin im Diamantweg-Buddhismus ist, bekräftigt: „Es gibt keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Wir haben den Buddhismus in unsere westliche Welt integrieren können“. Die Frau sei die Intuition, der Mann stehe für Tatkraft. In der Entgegnung auf die Frage: „Wie solidarisieren sich Frauen in den Weltreligionen?, stellte Ramona Kramp die Wertschätzung zwischen Frauen heraus. „Wir sind vom Glauben berufen - liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“, gab Antje Pfeil-Birant mit auf den Weg. Theologisch wie ökumenisch sollte von der Last der Traditionen befreit werden. Neben einem Aufruf für ein spirituelles Netzwerk, wie es der Weltgebetstag sei, unterstrich Ida-Anna Braun auch die Aussage von Hildegard von Bingen: „Die Frau ist ein Quell der Weisheit und der Freudenfülle. Mit dem Song „Aus den Steinen, die Dir im Weg liegen , baue neue Straßen“ - gab Liedermacherin Iria eine Gebrauchsanweisung für die Geschichte der Frauenbewegung.

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