Steiniger Weg für die Jagd

Auf der Suche nach einer tragfähigen Lösung sind die Teilnehmer der Diskussion um Abschüsse im Hegering Rohrmoos mit (von rechts) Hegeringleiter Christian Hohenberger, Christof Janko (sitzend) vom Schalenwildprojekt, Prof. Wolf Schröder, Peter Thom, Geologe am Landesamt für Umwelt, Karl Kleiter, Forstbetriebsleiter Sonthofen, Hubert Schatz, Wildbiologe der Landesregierung Vorarlberg, Andreas Fisel (verdeckt) vom Forstrevier Hörnergruppe. Foto: privat

Rotwildbestand und Abschussplanung im Hegering Rohrmoos waren das Thema einer Gesprächsrunde im Landratsamt in Sonthofen. Eingeladen hatte Prof. Wolf Schröder vom „Schalenwildprojekt“ im Oberallgäu, zusammen mit der Jagdbehörde des Landkreises. Schröder arbeitet zur Zeit an einem Schalenwildgutachten, das in ein Schalenwild-Management für das Oberallgäue münden soll. Zielvorgabe ist eine deutliche Reduzierung des Rotwildbestandes.

Hegeringleiter Christian Hohenberger zeigte auf, dass im Hegering heute ein Winterbestand von etwa 800 Stück Rotwild steht. Zielbestand ist die um 200 Stück geringere Zahl von 600 Stück, dies entspricht auch den Vorstellungen der acht Reviere im Hegering. Das sind etwa vier Stück auf 100 Hektar Jagdfläche oder acht Stück, bezogen auf den Wald, somit ein attraktiver Rotwildbestand. Andreas Fisel, Förster in der Hörnergruppe, sah aufmerksame Zuhörer, als er den Zustand des heimischen Bergmischwaldes aus Fichte, Buche und Tanne im Hegering erläuterte: 80 Prozent des Waldes seien Schutzwald, 11 Prozent davon sind sanierungsbedürftig. Wichtige Objektschutzfunktion haben die Wälder in Balderschwang und Bolsterlang. Auch im kleinparzellierten Wirtschaftswald sei die Entwicklung des Bergmischwaldes wichtig, um der Borkenkäfergefahr vorzubeugen. Daraus ergibt sich ein Rahmen für die Wildbestände. Allseits eingesehen wurde die Notwendigkeit eines Zielbestandes von 600 Stück. Anhand von Wildbestandsrechnungen erläuterte Wolf Schröder, wie die gewünschte Bestandsabsenkung innerhalb von vier Jahren erfolgen kann. Dazu müssen mindestens 350 Stück Rotwild im kommenden Jagdjahr geschossen werden, damit die gewünschte Reduktion eintritt. Hitzig verlief die Diskussion über die Aufteilung der Abschüsse auf die Reviere. Dass hohe Abschüsse bei Jägern keine Freude aufkommen lassen, ist verständlich, haben sie doch schon im zurückliegenden Jagdjahr bereits 380 Stück Rotwild erlegt und damit einen wichtigen Beitrag zur Bestandesreduktion geleistet. Die Eigenjagdreviere – Rohrmoos-Hirschgund, Mahdtal und das Staatsjagdrevier Balderschwang-Gunzesried – bissen in den sauren Apfel, sie akzeptierten die vorgeschlagene Abschussquote. Die verpachteten Gemeinschaftsjagdreviere feilschten hingegen um die Quote, sodass am Ende noch 18 Stück zum Abschuss von 350 fehlten. Hubert Schatz, Wildbiologe der Landesregierung in Vorarlberg, erläuterte das Vorgehen im Nachbarland, in dem die Dinge etwas anders laufen: kommt es zu keiner Einigung, setzt die Behörde ohne lange Diskussion die Abschüsse fest. Werden diese nicht erfüllt, folgen Sanktionen, die bis zum Entzug des Jagdscheines des Revierinhabers gehen können. In der Diskussion über effektive Jagdmethoden erläuterte Markus Schwarz, Revierjagdmeister bei Waldburg-Zeil, die Erfahrungen mit schonenden, aber ergiebigen Drückjagden. Größere, dafür geeignete Flächen, werden durch Ansitzjagd nicht beunruhigt. Nur an einem einzigen Tag im Jahr wird eine Drückjagd durchgeführt. Auf diese Weise gelingt es auch, den Jagddruck auf Rotwild in der ohnehin langen Jagdzeit zu begrenzen. Drückjagden erfordern revierübergreifende Zusammenarbeit. Die Reviere Fischen und Obermaiselstein erklärten hierzu ihre Bereitschaft. Stefan Pfefferle, Berufsjäger und stellvertretender Jagdberater, appellierte zum Schluss an den guten Willen aller Revierinhaber. Er äußerte die Hoffnung, die ausstehenden 18 Stück Rotwild zum Abschuss unterzubringen, um den Weg zum Zielbestand erfolgreich zu beschreiten. „Der Hegering Rohrmoos war vor Jahren der Vorzeigehegering“, sagte Jagdpächter Wilfried Demmel aus Tiefenbach. „Dahin müssen wir wieder kommen“, antwortete Wildbiologie-Professor Schröder kurzerhand.

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